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Die Kraft der Kunst

26/10/2015 12:10 CET | Aktualisiert 26/10/2016 11:12 CEST
Manker

Es ist Wochenende und normalerweise beginnt ein Samstagmorgen mit Frühstück und dann rein in die Arbeitsklamotten und ran ans Renovierungsprojekt. Das macht ja auch Spaß, aber irgendwann will man auch mal was anderes erleben und zwar KUNST!

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Und heute ist es soweit. Ein Kollege fragte mich, ob ich Zeit hätte am Samstag die Saab Kunstausstellung zu betreuen. Ja, sagte ich, ohne lange zu überlegen.

Endlich mal wieder Kunst erleben!

Es ist eine Ausstellung vom schwedischen Künstler Jan Manker.

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Ich habe Zeit und nehme sie mir für jedes einzelne Werk. Ich versinke in eine andere Welt voller Farben, Formen und Wörtern.

Ich bereue, dass ich nicht an der Vernissage teilgenommen habe. Diesen fantastischen Künstler hätte ich gerne kennengelernt.

Ein Bild hat es mir besonders angetan. Hölderlin vid Berlinmuren den 11 september 2001

Hölderlin habe ich nicht in einer schwedischen Ausstellung erwartet. Mir wird bewusst, dass die deutsche Einheit auch ein internationales Thema war und ist.

Doch warum Hölderlin? Das Zitat auf dem Gemälde stammt aus Hölderlins Werk Hyperion.

www.gutenberg.spiegel.de/buch/hyperion-264/10

www.de.wikipedia.org/wiki/Hyperion

Mich verunsichert als Erstes die Schreibweise des Wortes Staat, doch ziemlich schnell werde ich vom Text ins Bild geführt, ins Licht, in die Freiheit.

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Berlin, ich war oft in Berlin, in Ostberlin, als Teenager. In der Zeit von 1983 bis 1986 habe ich meine Ausbildung in der Nähe von Berlin absolviert. Wir wohnten im Internat und wenn wir nach Berlin wollten, mussten wir einen Vorwand finden das Internat zu verlassen.

Wir waren ziemlich kreativ und fanden meistens einen Weg hinaus ins Abenteuer. Wir waren in allen Ecken von Ostberlin, in allen Theatern und wir waren im Kabarett-Theater DISTEL, die schon während dieser Zeit extrem kritisch waren und wir uns wunderten wie das möglich sein konnte. Die Kraft und die Möglichkeiten der Kunst sind eben weitaus größer, als wir uns vorstellen können.

Ost und West war immer ein Thema und trotzdem, dass die Öffnung so nahe war habe ich mir nicht vorstellen können.

Freiheit und Frieden, das ist was die meisten von uns erträumen, wofür wir kämpfen und wofür wir niemals die Hoffnung aufgeben. Freiheit und Frieden heißt aber auch eine große Verantwortung zu übernehmen, gegenüber sich selbst und anderen.

Ohne Mauerfall würde ich jetzt hier nicht stehen, vor diesem fantastischen Gemälde in meinem neuen Zuhause Schweden. Für mich ist Freiheit die Möglichkeit sein Leben selbst zu bestimmen und zu gestalten. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

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Das alles geht mir durch den Kopf während ich das Bild betrachte. Und auch jetzt ist die Welt im Umbruch. Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Ist es eine Chance? Nutzen wir die Chance? Haben wir Angst?

1989 hatte ich Angst. Der friedliche Umbruch hätte auch anders ausgehen können. Und jetzt?

Wir dürfen keine Angst haben. Wir sind Teil unsere Geschichte und wir haben die Chance und Möglichkeit sie zu gestalten und zu verbessern, friedlich, freiheitlich und menschlich.

Was für ein Bild, was für ein Künstler, was für ein Samstag!

Ulrike Graeber

2015-10-24

www.konstladan.se/blogs/ulrike-graeber

www.art.graeber.se/

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