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Wissen Sie, was ihr Kind im Internet macht?

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Die Kinder und Jugendlichen wachsen mit dem Internet auf. Während meine Generation (ich bin 1981 geboren) noch das Internet als etwas besonderes mit Modem und dem typischen Einwählton am heimischen Computer (im Wohnzimmer!) kennt, hat die Generation nach uns das Internet immer dabei, auf dem Smartphone, manchmal sogar einem Tablet - und ein eigener Computer im Zimmer gehört mittlerweile zum Standard.

Aber wissen Sie, was Ihr Kind im Internet macht? In welchen sozialen Netzwerken es aktiv ist und mit wem es dort schreibt? Vermutlich nicht und das ist im Prinzip auch nicht allzu schlimm. Eltern können Ihre Kinder nicht ständig überwachen. Aber sie können mit ihrem Nachwuchs darüber reden, was sie im Internet machen. Und sie sollten es auch.

Das Problem: Vielen Eltern fehlt selber das Wissen über soziale Netzwerke, Apps und das Internet an sich. Wie sollen sie Ihren Kindern dann diese Kompetenzen vermitteln?

Ich kenne den Fall einer Mutter, die sich über Ihre hohe Kreditkartenrechnung wunderte - bis sie feststellte, dass die Unsummen, die sie bei Candy Crush Saga ausgegeben hatte, wirkliches echtes Geld waren, nicht nur eine digitale Scheinwährung. Aber zu dem Zeitpunkt waren bereits Hunderte Euro fällig.

Wenn wir also sagen „Eltern müssen mit Kindern über das Internet sprechen" vergessen wir, dass nicht alle Eltern selber wissen, was sie dort tun. (Ohnehin ist die Frage: Weiß irgendeiner von uns, was wir hier tun?)

„Man muss nur an die Vernunft der Menschen appellieren", sagte vor kurzem ein Bekannter zu mir. Es wäre schön, wenn das Internet nach „Sei doch einmal vernünftig" funktionieren würde, aber das tut es nicht. Im Gegenteil. Und das „vernünftig" funktioniert weder bei Kindern noch bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Wir rennen dem nächsten Like, Stern und der nächsten Aufmerksamkeitsbekundung hinterher; mit Vernunft ist da kaum etwas auszurichten. Wir spielen und haben Spaß - „Internet und Likes" sind unsere „Brot und Spiele".

Wenn ich mit Schülern über soziale Netzwerke und Datensicherheit spreche, dann gibt es häufig diese Momente, in denen die Jungen und Mädchen sprachlos dort sitzen, verstehen, warum sie keine Halbnackt-Aufnahmen von sich online stellen sollten, wie leicht es ist, Profile zu faken oder die Adresse herauszufinden. Nachmittags, der Unterricht ist vorbei, ist der Aha-Effekt meist jedoch schon wieder verpufft. „Jeder Liker wird auf diesem Bild markiert", schrieb eine 13 Jahre alte Schülerin, die sich mit tiefem Ausschnitt vor dem Spiegel selber fotografiert hatte, bei Facebook.

Das allgemeine Verständnis für das Internet und die Möglichkeiten und Gefahren ist da. Aber oftmals fehlt das Übertragen auf die eigene Person. „Ich weiß, dass Daten im Internet geklaut werden können", sagte eine Schülern einmal: „Aber mir passiert schon nichts." Das, was passieren kann, das passiert immer nur den Anderen.

Wir reden viel über das Internet. Aber „wir" das sind all die Hardcore-Twitterer, Social Media-Berater und Leser von Datenschutzrichtlinien. „Wir", das sind nicht viele, auch wenn „wir" das alle meinen. Ein Großteil der Nutzer des Internets befasst sich nicht mit Cybermobbing, Sexting, Schulden durch in-App-Käufe oder Datenschutz.

Also: Sollten Sie zufällig über diesen Artikel gestolpert sein und Ihr Kind seit Stunden nicht gesehen haben, weil es sich seit dem Nachmittag in den unendlichen Weiten von Facebook, Instagram oder ask.fm befindet - fragen Sie den Nachwuchs doch mal, was er dort so macht. Und dann erzählen Sie, was Sie im Internet so machen. Damit wäre ein erster Schritt in Richtung Internet-Vorsicht und Verstehen getan.

Kleine Anmerkung: Viele Eltern kümmern sich sehr wohl darum, was Ihre Kinder im Internet so treiben. Aber viele machen auch genau das nicht. Es ist ein Problem, weil Eltern Ihre Kinder nicht überwachen können und der Nachwuchs auch gut genug ist, um Eltern nicht alles zu verraten. Aber es ist wichtig, über das Internet und die sozialen Netzwerke zu sprechen, damit ein Bewusstsein entwickelt werden kann. Und genau diese Gespräche fehlen - leider - häufig.

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