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Wie Jobcenter-Mitarbeiter dafür sorgen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren

25/11/2017 11:23 CET | Aktualisiert 27/11/2017 10:56 CET

Immer mehr Menschen in Deutschland sind wohnungslos. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe waren es vergangenes Jahr 860.000. Bis 2018 sollen es bereits 1,2 Millionen sein.

Dass immer mehr Menschen in Deutschland keine Wohnung mehr haben, hat viele Gründe:

Die jahrelange Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus, das Auslaufen der Mietpreisbindung für Sozialwohnungen, die damit verbundene Zunahme der Wohnungsübernahmen durch Immobilien-Haie - all das hat die Lage auf dem Wohnungsmarkt deutschlandweit wohl dramatisch verschärft.

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Doch das sind nicht die einzigen Gründe dafür: Deutschlands Jobcenter verschärfen Wohnungslosigkeit zusätzlich.

Jobcenter fördern Obdachlosigkeit

Einer Studie der Humboldt-Universität zufolge sind in Berlin die Jobcenter neben den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften die "Motoren von Verdrängungen und Zwangsräumungen" - und das sind in Berlin immerhin 5000 bis 7000 pro Jahr.

Die Jobcenter seien dafür verantwortlich, weil sie arbeitslosen Bedürftigen Gelder zu spät oder auf falsche Konten zahlten oder Bewilligungen ganz verweigerten.

Die Beiträge der Jobcenter für Mieten würden sich zudem nicht an die realen Mietsteigerungen anpassen, sodass die Betroffenen irgendwann nicht mehr zahlen könnten.

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Kommt es dann zur Räumungsklage und er Zwangsräumung, rutschen Arbeitslose in die Wohnungslosigkeit.

Es ist ein fataler Kreislauf: Ohne Job wird es extrem schwer, eine Wohnung zu finden, ohne Wohnung gibt es kaum Aussicht auf einen Job.

Erfahrungen aus der Beratungs-Praxis

Ich engagiere mich in der Erwerbslosenberatung aufRECHT e.V. in Iserlohn und begleite dort Arbeitslose zu Terminen beim Jobcenter. Bei meiner Arbeit habe ich mehrmals miterlebt, dass das Jobcenter für konkreten Wohnungsverlust und verlängerte Wohnungslosigkeit verantwortlich war.

Dabei wird nicht übersehen, dass auch teilweise Selbstverschulden vorliegt, aber die anscheinend politisch gewollte Bedarfsunterdeckung, die soziale Ausgrenzung und psychische Dauerbelastung hinterlassen Spuren.

Aber auch Überforderung von Jobcenter-Mitarbeitern, unzureichende Hilfe- und Beratungsleistung und rechtlich zweifelhafte Dienstanweisungen tragen dazu bei, dass Arbeitslose nicht genug Geld für ihre Mieten bekommen.

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Um Zeit zu schinden, werden Unterlagen mehrfach angefordert, manchmal sogar zugestellte Post vernichtet oder geleugnet.

In Iserlohn warnen verschiedene Beratungsstellen vor der Abgabe von Unterlagen im Jobcenter ohne Quittung. Spitze Zungen reden vom "Bermudadreieck der verschwundenen Dokumente". Ohne Quittung kann ein Betroffener nicht mehr beweisen, Anträge eingereicht zu haben und hat nichts in der Hand, wenn keine Gelder fließen.

Verzögerte und verweigerte Mietüberweisungen belasten Mietverhältnisse

Jobcenter zahlen nicht immer verlässlich, mal weisen sie die Mieten nicht pünktlich oder nicht in voller Höhe an. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

Ein Fall, der mir dabei nicht aus dem Kopf geht, ist der einer jungen Frau. Sie hat mich kontaktiert, nachdem sie vom Jobcenter eine Rückforderung in Höhe von 954 Euro bekam.

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Kurz darauf legte sie mir einen Bußgeldbescheid über 175 Euro vor. Sie konnte ihre Miete nicht mehr zahlen und verlor dann noch ihre Wohnung.

Nachdem wir uns im Jobcenter Hemer ihre Akten angesehen und mit ihr ein paar Anträge gestellt hatte, zeigte sich:

Die Rückforderung war rechtswidrig und die Bußgeldforderung fehlerhaft. Zuletzt musste das Jobcenter Märkischer Kreis Nachzahlungen in Höhe von 3.572,30 Euro leisten und das Ordnungswidrigkeiten-Verfahren vor dem Amtgericht Iserlohn wurde eingestellt.

Heute hat die Frau eine neue Wohnung gefunden.

Der Beitrag wurde von Franziska Kiefl aufgezeichnet.

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