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Strategien der Selbstheilung - Die sieben Schritte zur Gesundheit

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Sieben Schritte gehen

Dieses Buch möchte mögliche Schritte zur Heilung beschreiben, und zwar aus zwei Perspektiven zugleich: Erstens aus (molekular)medizinischer Sicht und zweitens im Hinblick auf die eigene Lebensgeschichte.

Beide Perspektiven sind wichtig. So bekommt der Körper die Chance, sich selbst zu heilen. Molekularmedizin. Und so werden Betroffene zu einer kraftvollen Hauptperson der eigenen Geschichte - wobei es jedem freisteht, ob er den Kampf gegen die Krankheit, die Selbstveränderung oder die Hinwendung zu welcher Art von Spiritualität auch immer in den Mittelpunkt stellt. Ganz gleich, wie die Geschichte erzählt wird - die Neukonstruktion der Erzählung hilft bei der Selbstheilung.

Nennen Sie diesen Teil der Selbstheilung vielleicht Mentalmedizin. Beides ist notwendig: molekular und mental. Das bestätigen die besten Leistungssportler, das bestätigen Mönche genauso wie Forscher: Die mentale Seite ist mindestens so wichtig wie die molekulare. Wenn nicht sogar noch wichtiger.
Hier die sieben Schritte:

1. »Ja« sagen

Augen öffnen und »Ja« sagen: »Ja, mir geht es nicht gut. Ja, ich ändere das jetzt.« Das ist der Schlüsselmoment. Der steht ganz am Anfang. Ohne den geht es nicht. Das zeigt jede beliebige historische Heldengeschichte genauso wie die meisten der erfolgreichen Kinofilme: Jeder Held bekommt seinen »Ruf«. Der Anstoß kommt entweder von außen: von einem guten Freund, von der Partnerin, vom Arzt, von einem Buch. Oder von der Hauptperson selbst. Oft ist es so, dass der Ruf inmitten einer Krise kommt.

Praktisch als Aufruf, jetzt endlich umzukehren. Gut zu wissen: Man muss nicht zwangsläufig in einer existenziellen gesundheitlichen Krise stecken, um dem Leben eine neue Richtung zu geben. Es ist genauso jederzeit möglich, eine leichte Allergie loszuwerden, ein bisschen Übergewicht, ein wenig Gelenkschmerz. Oder ein halbes Stündchen schneller zu werden beim Marathon.

2. »Jetzt ich!« sagen

Verantwortung übernehmen. Für die eigene Gesundheit. Für das eigene Leben. Sich selbst ans Steuer stellen. Darum geht es jetzt. Und jetzt lässt sich der Drang nach Autonomie nicht mehr aufhalten. Es endet die Bereitschaft, sich von einem Arzt behandeln zu lassen. Der Patient beginnt, selbst zu handeln. Er steht für sich selbst, für seine Gesundheit, für sein gesamtes Leben ein.

3. Hilfe holen

Ärzte und Angehörige sind jetzt wichtig, Freundinnen und Freunde, Vorbilder - auch metaphysische Unterstützer.

Wer sich unterstützt fühlt von »guten Geistern«, der fühlt sich aufgehoben, getröstet, ermutigt, der fühlt sich sicher. Das ist die mentale Seite. Und die wirkt direkt auf die Moleküle in Ihrem Körper: Wer sich sicher fühlt, der ist nicht gestresst. Und automatisch gesünder.

Denn Stress wirkt epigenetisch ungünstig: Wertvolle Reparaturmechanismen laufen nur noch auf Sparflamme, Rezeptoren für Stresshormone sind hyperaktiv. Stress macht vergesslich und traurig. Gestresste Menschen leiden häufiger an Arterienverkalkung, an Asthma und an Diabetes. Unter Stress können im Gehirn, genauer im Hippocampus, keine neuen Nervenzellen entstehen.

Das ist fatal: Wenn das passiert, können Patienten Veränderungen zum Besseren nicht einmal mehr wahrnehmen. Gute Nachricht: Sobald der Stress abnimmt, regenerieren sich die Gehirnzellen, und der Lebenswille kommt zurück.

4. Umsteuern

Den Kurs wechseln. Schnell und radikal, sich selbst gegenüber aber bitte niemals brutal. Wenn es nicht anders zu schaffen ist, eben langsam und in kleinen Schritten. Allein der subjektive Eindruck (die mentale Seite), dass man überhaupt etwas für sich tun kann und dass man außerdem geeignete Mittel und Helfer hat, reguliert Stress nach unten (die molekulare Seite). Das ist belegt durch Studien von Richard Lazarus aus den 1960er-Jahren.

Dieser Effekt hilft, aus angestammten Verhaltensmustern herauszukommen. Was zugegebenermaßen trotzdem nicht ganz einfach ist. Die geeigneten Mittel sind längst bekannt: gesunde Ernährung, gesunde Bewegung, gesunde Gedanken.

5. Immer weitergehen

Beharrlich auf dem neuen Weg bleiben. Auch dann, wenn Gegenwind aufkommt. Zum Glück gibt es eine Menge Tricks, mit denen man sich selbst überlisten kann, wenn der innere Schweinehund das Kommando übernehmen will.

Auch hier greifen die mentale und die molekulare Seite ineinander: Je mehr ein Patient sich bewegt, je besser er sich mit Vitalstoffen versorgt und je konsequenter er seine düsteren Gedanken in die Wüste schickt, desto mehr verändert sich seine Körperchemie in Richtung gesund - was ihn automatisch auch mental stärker macht. Eine Aufwärtsspirale.

6. Flagge zeigen

Position beziehen. Auch dann, wenn andere Menschen den neuen Lebensstil, die neue Lebenseinstellung nicht verstehen. Sogar ablehnen. Das will ein bisschen geübt sein: Kollegen und Freunde mit Vorliebe für faule Fernsehsamstage und Gelage aller Art gut gelaunt ignorieren, konsequent ausgrinsen, bei Bedarf anstacheln.

Hier geht es um Abgrenzung. Mentale Stärke. Was bei Erfolg positiv auf die Körperchemie zurückwirkt.

7. Ankommen

Das Wunder der Heilung geschehen lassen. Lächelnd ... Das Glück aushalten - auch das braucht Kraft. Vor allem, wenn man dieses Gefühl nach vielen Jahren Leid gar nicht mehr kennt. Den meisten Patienten fällt es allerdings leicht, ihr neues Lebensgefühl völlig ungebremst zu genießen. Der Weg der Heilung ist dann sogar schnell vergessen: Im Rückblick ist es tatsächlich auch nicht wichtig, was genau die Lebensfreude, den Lebenswillen, vielleicht sogar die komplette Gesundheit wiedergegeben hat. Hauptsache, der Weg ist geschafft.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Strategien der Selbstheilung - Die sieben Schritte zur Gesundheit
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Dr. Ulrich Strunz: Strategien der Selbstheilung
Die sieben Schritte zur Gesundheit
Erkenntnisse aus der Praxis
Originalausgabe
Paperback, Klappenbroschur
224 Seiten
€ 17,99 [D] | € 18,50 [A] | CHF 24,50
ISBN 978-3-453-20094-4
Heyne Verlag

Dr. med. Ulrich Strunz ist praktizierender Internist, Molekularmediziner und Gastro-enterologe. Schwerpunkt seiner ärztlichen und publizistischen Tätigkeit ist die präventive Medizin. Er entwickelte das Forever-Young-Erfolgsprogramm für geistige und körperliche Höchstleistung und gehörte in seiner Altersklasse zur Weltspitze der Triathleten. In Vorträgen, Seminaren und TV-Auftritten begeisterte er viele Jahre lang Zehntausende von Menschen - und führte sie in ein neues, gesundes Leben.

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