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Grüne Volks-Vergenderung im Namen von Heinrich Böll: Heteronormalität als Bekenntnis-Religion?

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Der Schriftsteller Heinrich Böll (1917-1985) hat viele Männer und Frauen meiner Generation während der Jugendjahre beeindruckt und, mit seinen höchst originellen Erzählungen und Romanen, nachhaltig geprägt.

Seit einigen Jahren wird der Name dieses Buchautors von der Partei Bündnis 90/Die Grünen für eine staatlich finanzierte Organisation mit politischem Bildungsauftrag genutzt.

Am 22. Juli 2016 hat diese, der Gender-Ideologie verpflichtete „Heinrich Böll-Stiftung/Gunda Werner-Institut für Feminismus und Geschlechter-Demokratie", eine Presseerklärung herausgegeben, die mit sachlichen Fehlern bzw. Falschdarstellungen durchsetzt ist und hier kommentiert werden soll (Alle Heteros sind homophob).

Erschaffene Ur-Menschen: Fortpflanzung durch Klonierung?

Der Autor Fabian Goldmann behauptet, dass die „Heterosexualität", d. h. die Tatsache, dass sich ca. 96 % aller Männer und Frauen, evolutionär bedingt, nicht zum selben, sondern zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, keine biologische Ursache hat.

Diese geschlechtliche „Zweiteilung" (m/w) soll auf kulturelle und soziale Prozesse zurückführbar sein und nicht den „Normalfall" in einer Homo sapiens-Population repräsentieren.

Wie haben sich dann aber die Ur-Hominiden vor Entwicklung der Kultur bzw. Sozialsysteme fortgepflanzt? A-sexuell über Klonierung erschaffener biblischer Grundtypen auf einer jungen Erdscheibe?

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass sich der Heinrich Böll-Propagandist mit seinen Aussagen in aktuelle Forschungskonzepte der evolutionären Entwicklungsbiologie einmischt, wovon er offensichtlich nicht die geringste Ahnung hat.

Der Sexual-Dimorphismus, basierend auf der Anisogamie, ist derzeit ein intensiv molekulargenetisch beforschtes Gebiet, das u. a. in deutschsprachigen Fachbüchern, für Nicht-Spezialisten nachvollziehbar, dargestellt ist (z. B. A. Meyer: Adams Apfel und Evas Erbe, 2015; U. Kutschera: Das Gender-Paradoxon, 2016).

In diesen aus Primärquellen, d. h. englischsprachigen Fachpublikationen, zusammengestellten Lehrwerken kann man erfahren, warum es unter 100 geborenen Jungen bzw. Männern (bei ca. 95 % heteronormalen, prinzipiell fortpflanzungsfähigen Individuen, wie z. B. Heinrich Böll) etwa 3 bis 4 % Homoerotiker gibt.

Das hat biologisch-genetische Gründe und ist weder eine „soziale Konstruktion" noch ein frei wählbarer Lebensstil. Des Weiteren führt Autor Goldmann als Beleg seiner lange überholten Thesen die Schriften von A. C. Kinsey aus dem Jahr 1948 an, die durch aktuelle Studien (Biologie und Psychologie) wiederlegt werden konnten.

Als Gipfel der Absurdität ist Goldmanns Behauptung zu bewerten, dass „Heterosexualität (und somit das Hinterlassen von Nachkommen) heute den Charakter einer Bekenntnis-Religion" haben soll; das Hetero-Konzept wäre in „Patriarchalischen Gesellschaften von Männern konstruiert worden", lesen wir in der Heinrich Böll-Bildungsschrift.

Gemäß dieser Logik wäre dann auch der Hunger des Menschen ein anerzogenes religiöses Konstrukt; es gibt ja auch magersüchtige Personen (mehr Frauen als Männer leiden unter dieser Krankheit).

Instinktive Homophobie der Heteronormalen

In einem Punkt müssen wir allerdings Herrn Goldmann Recht geben. Wie eine solide Studie im „Journal of Homosexuality" (2015) ergeben hat, sind auch progressiv-liberale Männer, die sich mit homoerotisch gepolten (schwulen) Geschlechtsgenossen solidarisieren, instinktiv homophob veranlagt.

Dieses Ergebnis ist wenig überraschend; es steht mit entsprechenden Umfragen im Einklang, die im Fachbuch „Das Gender-Paradoxon 2016" wiedergegeben sind.

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All diese wirren Thesen erinnern an die Ausführungen des Urvaters der Gender-Irrlehre John Money (1921-2006), in dessen Spätwerk „Gay, Straight, and In-Between (1988)" auch die Pädophilie als akzeptable Variante der männlichen Triebbefriedigung beworben wird.

Der Mehrfachvater Heinrich Böll würde sich im Grabe umdrehen, wenn er erfahren müsste, dass in seinem Namen eine deutsche Volks-Vergenderung (mit Bewerbung des Homo-Lebensstils) verbreitet wird - und das, getarnt als „politische Bildung", auf Kosten des Steuerzahlers!

Literatur:
Money, J. (1988) Gay, Straight, and In-Between: The Sexology of Erotic Orientation. Oxford University Press, New York.

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