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Europas Genpool: Degeneration durch Inzucht?

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MIXED FAMILIES
Susan Chiang via Getty Images
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Am Mittwoch, den 8. Juni 2016, äußerte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu einem biologischen Thema und löste damit eine Medienwelle aus. Der Jurist warnte die Europäer angesichts immer größerer Hürden für Migranten aus arabisch/afrikanischen Ländern eindringlich vor einer Einigelung.

Zitat: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe", sagte er wörtlich in der Wochenzeitung Die Zeit.

Mehr Nachwuchs für Deutschland?

Ist das als Aufruf an die hunderttausende zugewanderter Männer zu verstehen, endlich in Deutschland für gemischten Nachwuchs zu sorgen?

Der Politiker Schäuble glaubt offensichtlich, wie seine christlich-rot-grün-linken Gruppenpartei-Genossen, dass alle Europäer bezüglich ihrer körperlich-geistigen Eigenschaften weitgehend identisch sind, und somit einen einheitlichen Genpool bilden. Das ist jedoch nicht der Fall. Wie ich im Fachbuch Das Gender-Paradoxon 2016 dargelegt habe, unterscheiden sich Männer und Frauen verschiedener europäischer Länder u. a. in ihrer durchschnittlichen Körpergröße erheblich voneinander.

So sind z. B. Männer/Frauen in Deutschland im Durchschnitt 178,0 bzw. 165,0 cm hoch, während in Dänemark und Schweden größere Menschen leben: die durchschnittlichen Körpergrößen der Männer und Frauen betragen dort 182,6 bzw. 168,7 cm und 182,5 bzw. 166,8 cm. In Spanien sind Männer wie auch Frauen, mit Körpergrößen von 174,0 bzw. 163,0 cm, hingegen deutlich kleiner.

Da die Körpergröße maßgeblich genetisch vorgegeben ist, zeigen diese Zahlen jenseits aller Zweifel, dass die verschiedenen ethnischen Gruppen Europas (z. B. in Deutschland, Dänemark, Schweden oder Spanien) durch mehr oder weniger separate Genpools gekennzeichnet sind.

Transkultureller Austausch ist schon im Gange

Eine Durchmischung dieser unterschiedlich kulturell-religiös geprägten, aber dennoch konfliktfrei zusammenlebender Menschen Europas ist biologisch sinnvoll und findet statt. Die von Schäuble & Co. prognostizierte EU-Degeneration ist daher nicht zu befürchten.

Evolutionsbiologen wissen aber, dass die Identitäts-bestimmende sozio-kulturelle Prägung von Menschen, z. B. aus arabisch/afrikanischen Ländern und aus anderen Regionen der Erde, durch Erziehungsmaßnahmen bzw. „Integrations-Kurse" kaum überwunden werden kann.

Daher sollten eher die existierenden bzw. noch zu erwartenden Konflikte thematisiert werden als mit pseudowissenschaftlichen Argumenten eine „Einigelungs-Gefahr" mit Verarmung des Genpools heraufzubeschwören. Die in den USA kaum zu bewältigenden Probleme zwischen verschiedenen Ethnien, siehe die aktuelle Kriminalitätsstatistik von Chicago, kann in diesem Zusammenhang als Lehrstück dienen.

Literatur: Kutschera, U. (2016) Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. LIT-Verlag, Berlin

Prof. Dr. Ulrich Kutschera, Evolutionsbiologe & Physiologe

In diesem gesellschaftskritischen Evobio-Blog werden Aussagen von deutschen Politikern nach logisch-naturwissenschaftlichen Kriterien bewertet und kommentiert. Mein Ziel ist es, solide Sachinformationen aus den Biowissenschaften (Life Sciences) in politische Debatten einzubringen, um damit einen rationalen Diskurs anzuregen, nach dem Motto: „Glauben heißt nicht Wissen“.

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