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Donald Trumps Darwin'sche Fitness und die deutsche Betroffenheits-Kultur

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DONALD TRUMP
Carlo Allegri / Reuters
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Donald Trumps Darwin'sche Fitness und die deutsche Betroffenheits-Kultur
Als der 70-jährige Donald J. Trump am 09.11.2016, kurz nach seiner Wahl zum neuen US-Präsidenten, eine erste spontane Rede hielt (Acceptance Speech), stand links neben ihm sein zehn Jahre alter Sohn, gefolgt von der 24 Jahre jüngeren Ehefrau Nr. 3 mit den vier weiteren Trump-Sprösslingen aus zwei früheren Partnerschaften.

Sichtlich verunsichert und genervt blickte der in Anzug und Krawatte gekleidete „kleine Trump" auf den Boden, mit dem Satz im Hinterkopf „wann hört Daddy endlich mit seinen langweiligen Sprüchen auf?".

Der unerwünschte Familien-Mann im Gender-Germany

Dieses Bild eines selbstbewusst-erfolgreichen, heteronormalen, alten weisen Family-Businessmannes mit einer überdurchschnittlich hohen Darwin'schen Fitness (fünf leibliche Kinder) und attraktiv-weiblicher Gattin ist im Gender-Germany eine Provokation ersten Ranges.

Unsere Politiker haben diesen eindeutigen Wahlsieg erwartungsgemäß seither mit Betroffenheit, Schockstarren, Bedenken, Warnungen und überheblich-arroganten Belehrungen kommentiert - die „doofen Amis" haben diesen Outsider, der hierzulande vorab als „Clown", „Hassprediger", „blonder Mussolini" usw. beschimpft wurde, zum 45. US-Präsidenten gewählt, obwohl Hillary Clinton doch von fast allen „Wahlforschern" mit klarem Vorsprung als „erste Frau im wichtigsten Amt der Welt" ausgelobt worden war.

Wie ist der Wahlerfolg des „blonden Donald" zu erklären? In meinem Bekanntenkreis in Palo Alto bei Stanford/Kalifornien (USA) gibt es neben vielen Clinton-Fans auch US-Bürger, die sich in persönlichen Gesprächen eindeutig für Trump ausgesprochen haben.

Auf meine Frage, warum sie sich diesen arrogant wirkenden Geschäftsmann ohne politische Erfahrung als Präsident wünschen, erhielt ich die folgende Antwort. Trump hat zielstrebig an einer mit Harvard und Stanford gleichrangigen Ivy-League-Eliteuni (Wharton School/University of Pennsylvania) mit 22 Jahren seinen Bachelor in Economics erworben und ist dann in das Berufsleben eingestiegen.

Obwohl er, wie ein Rockstar, als zweifach geschiedener Playboy mit drei Frauen fünf Kinder hervorgebracht hat, wird er von seinen Anhängern als zielstrebig-hart arbeitender, intelligenter „Realo" gewürdigt, dem man das Präsidentenamt gerne anvertraut.

Hillary Clinton soll hingegen nach Aussage ihrer Kritiker eine politisch erfolglose, egozentrisch-korrupte Quotenfrau sein, die über ihre u. a. von Saudi Arabien unterstützte „Foundation" privat profitiert hat (Zweckentfremdung von Stiftungsmitteln für Reisen usw.). Man wolle keine Präsidentin, gegen die ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden könnte, wurde mir erzählt.

Kinderlose Neider und die biologische Zukunft

Zurück zu Donald Trump und seinen deutschen Kritikern. Der kaukasische Alpha-Mann Trump wird mit hoher Wahrscheinlichkeit vorzugsweise alte weise Männer mit überdurchschnittlicher Darwin'scher Fitness (mehr als zwei Kinder) in sein Regierungsteam berufen.

Damit wird, analog seinem Family-Auftritt am 09.11.2016, symbolisiert, dass seine Mannschaft eine biologische Zukunft hat, die es zu erhalten gilt. In Deutschland gibt es hingegen politische Entscheidungsträger, die kinderlos sind, aber dennoch, trotz fehlender eigener Nachkommen, weitreichende Zukunfts-Entscheidungen treffen, die sie selbst eigentlich nichts angehen (Lebensmotto: „Nach mir die Sintflut").

Trump demonstrierte mit seinem ersten Auftritt, dass er im Alter von 60 Jahren zum fünften Mal Vater geworden ist, und stellte sein klassisches Familienbild zur Schau. Die Fertilität des alten weisen Mannes, der attraktive Frauen mag, bringt unsere Gender-vernebelten Politik-Ideologen (m/w) verständlicher Weise in Rage.

Der Unternehmer, der sein zukünftiges Präsidenten-Gehalt als Taschengeld bezeichnet hat, ruft hierzulande bei Personen ohne vergleichbare Qualifikation und Lebensleistung allergische Neid-Reaktionen hervor. Diese empörten deutschen Herren mögen doch bitte nach Frankfurt ziehen, und dort Unternehmen gründen, um Arbeitsplätze zu schaffen, bevor sie sich über einen Mann wie Trump erheben (unsere quotierten Politik-Damen sollen aus humanitären Gründen von diesem Vorwurf verschont bleiben).

Berechtigte Bedenken gegen Trump-Wahlhelferin Clinton

Als Mitglied des National Center for Science Education (NCSE) in Oakland, Kalifornien (USA), teile ich die Sorgen meiner amerikanischen Kollegen bzgl. mancher Äußerungen von Trump und seiner Mitstreiter (z. B. zum Klimawandel).

Dennoch sollten wir diesem demokratisch gewählten Präsidenten eine Chance einräumen und ihn erst verurteilen, nachdem er seine Unfähigkeit bewiesen hat. In spätestens vier Jahren können ihn die „blöden US-ies" durch einen anderen Präsidenten ersetzen.

Eine Frau wird es wohl leider nicht sein, dafür hat die „in-die-eigene-Tasche-wirtschaftende" Hillary Clinton gesorgt, und Donald hat sich öffentlich für ihre Wahlhilfe bedankt.

Literatur:
Kutschera, U. (2015) Evolutionsbiologie. Ursprung und Stammesentwicklung der Organismen. 4. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

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