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Zweifel am Wissenschaftsbetrieb

03/09/2015 18:24 CEST | Aktualisiert 03/09/2016 11:12 CEST
David Zaitz via Getty Images

Ergebnisse vieler Studien erweisen sich als unhaltbar...

...meldete t-online am 30. 8. Den Schotten schwante das schon lange.

Von den Schotten lernen ...

GLASGOW. Notwendig ist ein starker Wille zum Zweifel. Ihn hat Alasdair Gray ausgebildet, der Autor des Erfolgsromans "Lanark". Gray hat wichtige Erkenntnisse seines Romans nicht seinen Lesern überlassen, sondern selbst formuliert, in einem "Epilog". Dieser Epilog ist so wichtig, dass Gray sich entschlossen hat, ihn mitten in den Roman zu setzen, statt ans Ende - das wäre zu spät.

Gray hält sowieso nichts von Konventionen, sein Adept, der seinen Roman für das Theater bearbeitet hat, David Greig, beginnt deshalb ihre Theaterfassung auch mit dem 2. Akt. Der 1. Akt folgt später.

... heißt lachen lernen.

Gray hat seinem Epilog auf das 40. Kapitel seines Romans einen "Index of Literary Plagiarism" folgen lassen - der geneigte Leser muss sich also nicht selbst die Mühe machen, die Plagiate herauszufinden, er bekommt vom Plagiator selbst ein Inhaltsverzeichnis.

Doch halt! Glauben Sie bitte dem Index nicht. Gray hat einige Plagiate angeführt, die er gar nicht begangen hat.

Ein Aufschneider? Ein Anarchist? Aus Glasgow?

Ganz gewiss, und ein radikal Antiautoritärer dazu - aber einer mit pädagogischem Ehrgeiz. Seine Maxime könnte am besten mit einem Plagiat von Lord Russel umschrieben werden, mit des Philosophen Definition der Skepsis : "Es ist nicht wünschenswert, etwas zu glauben, wenn kein Grund vorliegt, es für wahr zu halten."

Es kommt nicht darauf an, Plagiate zu erkennen, es kommt darauf an, den Zweifel systematisch produktiv weiter zu entwickeln.

Bei uns haben wir uns schrecklich aufgeregt, als herauskam, dass ein millionenschwerer Hocharistokrat seine Doktorarbeit hat fälschen lassen -und er musste wegen erwiesener Plagiate gehen. Aber wäre die Lektion nicht besser eine andere gewesen? Lasst Euch nicht beeindrucken! Weder vom HerzogsKönigsKaiser- oder Grafentitel, noch von den 500 Mio. und schon gar nicht von der Doktorarbeit. Die Kanzlerin hatte verlaut(bar)en lassen: Sie braucht einen fähigen Politiker - auf die Dissertation komme es (ihr) nicht an.

Doktortitel sind dazu da, Naive zu beeindrucken. Klappt das nicht mehr, könn(t)en sie entfallen.

An der Steigerung der Kunst des Zweifels arbeitet, mit Humor, Alasdair Gray.

Zwei Adepten hat Gray bereits gewonnen, David Greig, der Grays Roman "Lanark" für die Bühne bearbeitete, und Graham Eatough, der die Uraufführung inszenierte. Sie haben im Programmheft Hinweise gegeben, wo sie geistige Diebstähle begangen haben, nicht zuletzt bei sich selbst: "Wir haben unser eigenes Werk, das wir bisher erarbeitet haben, plagiiert, um unser jetziges Stück aufzupeppen."

Macht mal halblang!

So ist es, man baut auf - auf dem Werk anderer und dem eigenen. Darauf können wir uns doch einigen.

Und originell muss nicht jeder sein. Ein Verteidigungsminister braucht andere Tugenden. Obwohl: Wann hatten wir schon einmal einen Kriegsminister, der die Wehrpflicht abschaffen wollte?

Fazit:

Verbietet Plagiate nicht. Lasst Plagiate zu, vor allem die, die im Inhaltsverzeichnis angegeben werden und so ihre Qualität als Plagiat in einer Hinsicht verlieren. Achtet selbst darauf, ob etwas, was jemand sagt oder schreibt, in sich schlüssig scheint. Und wenn nicht, sagt es, auch wenn er Dr. oder Professor gar ist. Gutachten sind gefährlich (Fall Mollath!), sie können Leute ungerechtfertigt in den Knast bringen. Nehmt Euch am Kind ein Vorbild:

Der Kaiser ist nackt!

Ulrich Fischer

Alasdair Gray: Lanark (dieser Titel ist bei Amazon auf Deutsch noch lieferbar).

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