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Zu viel, zu lang, zu opulent

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„Valentin" in Hamburg im Deutschen Schauspielhaus uraufgeführt

HAMBURG. Die Komödie ist das Leichte, das so schwer zu machen ist. Deshalb gibt es so wenig Regisseure, die heitere Lustspiele heiter inszenieren können. Viele Kritiker und Theaterfreunde zählen Herbert Fritsch zu diesen Meistern. Aber: Fritsch wird überschätzt. Das erwies sich jetzt mal wieder, als seine Inszenierung von "Valentin" mit Texten des Komikers (1882 - 1948) im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt wurde.

Karl Valentin selbst war ein Meister der Beschränkung, meist trat er selbst auf und mit ihm nur (s)eine Partnerin, Liesl Karlstadt - in Hamburg besteht das Ensemble aus neun Köpfen - hinzu kommen zwei Bands. Zu groß, viel zu opulent. Michael Wertmüller hat Musik komponiert, die der Komik auf die Sprünge helfen soll - vor allem, indem sie den Rhythmus der seltsamen Verse und der Wortzerklauberei unterstreicht - aber es klappt nicht. Häufig sind die Musiker zu laut, sie decken die Schauspieler zu, das Verständnis des Aberwitzes wird erschwert. Dada ertrinkt in Dissonanzen.

Und es ist schwer herauszubekommen, was gemeint ist. Josef Ostendorf beispielsweise spielt den Teufel, der über zu viel Arbeit klagt. Ostendorf schlüpft in das Kostüm einer alten, herrsch(damsch?)süchtigen Jungfer - warum? Und wer ist mit dem Teufel gemeint? Die Szene ist nicht komisch, sie befremdet.

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In der Mitte in Türkis: Josef Ostendorf - Foto: Thomas Aurin, 2017

Und das ist meistens der Fall - jeder Schauspieler bekommt seinen großen Auftritt und geht dann zurück ins Ensemble. Aber die Szenen missraten, die Darsteller verbergen hinter hilfloser Hampelei nur notdürftig ihre Ratlosigkeit. Entsprechend wenig Witz kommt über die Rampe. Es wird kaum gelacht bei der Uraufführung am Sonntag im Großen Haus. Der ganze Abend langweilt, wo er amüsieren möchte/sollte. Die Schauspieler wirken, obwohl (weil?) sie viel Freiraum von der Regie bekommen für Soli, allein gelassen, verrenken sich und grimassieren. Sie können einem leid tun. Zumal Herbert Fritsch kein Ende fand. Nach einem Finale kam noch ein Finale. Und noch eins. Und dann noch eins.

Wer erwartet hätte, dass das Uraufführungspublikum protestiert, wurde enttäuscht. Es gab nicht enden wollenden Beifall, durch eine geschickte Schlussapplaus-Regie in die Länge gezogen, so dass der Anschein des Erfolgs erzeugt wurde.

Doch der Schein trügt. Künstlerisch ist "Valentin" ein Desaster. Es erreicht nie die Qualität des Vorbilds - und zu einem Porträt rundet es sich auch nicht. Es ist eben unheimlich schwer, das Leichte leicht zu machen.

Ulrich Fischer

Aufführungen am 17., 21. u. 29. Juni..; Aufführungsdauer: über 2 Std. (seufz!) - Kartentel.: 040 24 87 13 - Internet: www.schauspielhaus.de