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Ruhrtriiiennale er├Âffnet mit Gluck in Bochum

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Hochproblematisch: Ruhrtriiiennale er├Âffnet mit Gluck in Bochum

BOCHUM. Als das Land Nordrhein-Westfalen und der Regionalverband Ruhr Anfang des neuen Jahrtausends die Ruhrtriennale gr├╝ndeten, entschieden sie, die Produktionen sollten in Industriedenkm├Ąlern inszeniert werden - die Orte der Arbeit, des Schaffens, sollten integraler Bestandteil der Kreationen werden. Das gelang nur selten wirklich. Jetzt begann die neue Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle Bochum - Johan Simons, derzeit k├╝nstlerischer Leiter, inszenierte ÔÇ×Alceste" - eine Barockoper von Christoph Willibald Gluck.

Oper in der Fabrik?

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Birgitte Christensen als Alceste - Foto: Ruhrtriennale

Das Libretto (Ranieri de' Calzabigi) beruht auf einem antiken Mythos. K├Ânig Admeto ist sterbenskrank. Der Tod soll ihm nur erspart werden, so lautet ein Orakel, wenn jemand bereit ist, an seiner Stelle zu sterben. Admetos Gemahlin Alceste entschlie├čt sich dazu. Der K├Ânig nimmt das Opfer seiner Frau an und ├╝berlebt.

Die Geschichte ist befremdlich. Was soll sie erz├Ąhlen? Dass eine wahrhaft Liebende, ein wahrhaft Liebender bereit ist, f├╝r den anderen das Leben zu geben? Wer soll das glauben? Ebenso weltfremd wie sentimental.

Und so ist auch das Libretto geworden. Gerade im letzten Teil, wenn Admeto erf├Ąhrt, dass Alceste ihm ihr Leben opfern will, singt er (zu) viel dar├╝ber, dass er ihre gro├čm├╝tige Opferbereitschaft nicht annehmen k├Ânne - aber er wirkt nie aufrichtig. Er ist ganz froh, dass er noch nicht in die Grube fahren muss - alles andere wirkt unaufrichtig, Dekor.

├ähnlich ist es mit der Musik Glucks - sie klingt konventionell, die Geigen schrammeln unentwegt, ein wirkliches Gef├╝hl kann so nicht aufkommen. Ren├ę Jacobs am Pult des B'Rock Orchestras findet nie einen ├╝berzeugenden oder zu Herzen gehenden Ton - der Dirigent neigt ein bisschen zur Korpulenz, entsprechend fehlt seinen Bewegungen Eleganz, Dynamik, Nachdruck; manchmal klingt das Orchester geradezu mau, f├╝llt nicht den riesigen Raum: Es wurde in der Jahrhunderthalle gespielt.

Gigantisch: Die Jahrhunderthalle

Das Industriedenkmal steht in lebhaftem Kontrast zum Barock und zur Oper. In den Zeiten Glucks (1714 - 1787), im 18.Jahrhundet, gab es keine Fabriken, die Umgebung der Oper war h├Âfisch und prunkvoll -genau das Gegenteil der Jahrhunderthalle. Und doch gibt es zwei Gr├╝nde, weshalb es sich als richtig erwies, eben dort zu spielen. Die gigantischen Ausma├če: wenn die S├Ąnger ganz weit (gef├╝hlte 15 Lichtjahre) in den Hintergrund gingen, wurde anschaulich, wie klein der Mensch angesichts des Schicksals ist, das die G├Âtter verh├Ąngen. Und es war genug Platz, das Orchester auf der Spielfl├Ąche unterzubringen. Wir Zuschauer konnten die Musiker sehen, sie waren nicht in den Graben oder in die Versenkung verbannt. Es ist wunderbar, Musikern bei der Arbeit zuzusehen, zu erkennen, wo welcher Klang, den wir h├Âren, herkommt, und mit welchem Instrument er erzeugt wird.

Es war gut, den Musikern zuschauen zu k├Ânnen, weil ansonsten das Geschehen auf der B├╝hne wenig fesseln konnte. Die S├Ąnger gingen auf und ab, von links nach rechts, griffen auf uralte, bis zur Fadenscheinigkeit abgebrauchte Gesten zur├╝ck: Die Hand auf die Brust legen, wenn es um Gef├╝hle geht, oder die Arme weit ausbreiten, wenn frau Emphase ausdr├╝cken m├Âchte. F├╝r die Mimik blieb kein Platz, das Singen erforderte das Aufrei├čen des Mundes - mehr war nicht. Birgitte Christensen kam mit Alceste gerademal s├Ąngerisch zu recht - schauspielerisch war sie ├╝berfordert. Das hatte mit ihrer Figur zu tun - die S├Ąngerin ist alles andere als ein zartes Pers├Ânchen - und jugendliches Flair, das im Libretto angedeutet wird, sowie Sch├Ânheit gehen ihr ganz ab. Alceste ist nicht ihre Rolle. Am komischsten war Georg Nigl als Oberpriester. Er riss die dramatisch Augen auf - das war sein st├Ąrkstes Ausdrucksmittel; solche Ungeschicklichkeiten sollten Operns├Ąnger tunlichst im ersten Studiensemester ablegen.

Traum von der Liebe

Der Hauptangriffspunkt f├╝r die Kritik dieser ÔÇ×Alceste" bliebt, dass die Frage Warum? von Regisseur und Ruhrtriiienale-Intendant Johan Simons unbeantwortet bleibt. Warum diese Oper zur Ruhrtriennale? Warum zu deren Er├Âffnung? Was hat der Alceste-Mythos mit unserer Zeit zu tun?

Die gro├če Liebe, Entsagung - das sind keine wirklich ├╝berzeugenden Rezepte f├╝r die gro├čen Krisen unserer Zeit. Im Gegenteil: Diese ÔÇ×Alceste" wirkt wie ein Ausdruck des lebhaften Wunsches nach Weltflucht.

Purer Eskapismus.
Ulrich Fischer


Auff├╝hrungen: 12., 20., 25. und 27. 8. - 20.00 Uhr; 14. Aug. - 11.00 Uhr; 21. und 28. Aug. - 17.00 Uhr in der Jahrhunderthalle Bochum - Spieldauer: 3 Std. 20 Min.
Kartentel.: 0221 - 280210 - Internet: www.ruhrtriennale.de