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Feuerk├Âpfe

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Festival in Avignon beginnt

AVIGNON. Das Festival d'Avignon ist das gr├Â├čte Sommerfestival Frankreichs, es gilt als tonangebend in Europa und seine Ausstrahlung ist weltweit. Die Einladung, in Avignon aufzutreten, bedeutet f├╝r jeden K├╝nstler einen Zuwachs an Prestige. F├╝r Besucher ist Avignon w├Ąhrend des Festivals so attraktiv, weil neben dem internationalen noch ein Festival der Freien Gruppen ├╝ber die Bretter geht, die die Welt bedeuten, und viele Stra├čenk├╝nstler Pl├Ątze und Boulevards in der Altstadt beleben.

Es geht los!

Hell klangen die Fanfaren am Mittwochabend, wie es die Tradition gebietet, und wie die Tradition es gebietet ging die erste wichtige Inszenierung im Ehrenhof des Papstpalastes ├╝ber die B├╝hne. Auf dem Programm stand "Les Damn├ęs" - "Die Verdammten" - nach Luchino Viscontis gleichnamigem Film. Visconti st├╝tzt sich auf die "G├Âtterd├Ąmmerung", Themen sind Macht und Reichtum, Verbrechen und Zerst├Ârung, Liebe, Dekadenz und Zerfall. Visconti hatte in seinem epochalen Film die Handlung in der ├ära des Nationalsozialismus in Deutschland spielen lassen. Eine reiche Industriellenfamilie, die Z├╝ge der Krupps tr├Ągt, zerfleischt sich gegenseitig. Ivo van Hove f├╝hrte Regie, er legte nahe, dass Deutschland sich bis heute nicht grunds├Ątzlich gewandelt hat.

Van Hove ist als Regisseur inzwischen arriviert, auf allen gro├čen Festivals zu Hause und hat sich, um ├╝berall kompatibel zu sein, eine an Routine grenzende Eleganz zugelegt, seine geschmeidige Regie nimmt rauen Stoffen das Anst├Â├čige. So auch in Avignon. Dem kommt entgegen, dass sein Ensemble aus Akteuren der Com├ędie-Fran├žaise besteht, das makellos spielt; besonders ihr Franz├Âsisch ist un├╝bertrefflich, die Aussprache von klassischer Klarheit, die Dialoge, selbst in ├Ąu├čersten Exaltationen noch, voll kultivierter Musikalit├Ąt.

Die Steine sprechen

Aber der Ehrenhof des Papstpalastes setzte sich gegen Gef├Ąlligkeiten durch. Der riesige Raum wirkt wegen seiner hohen Mauern weniger als Schutz, mehr wie ein Gef├Ąngnis. Viscontis These, dass unermesslicher Reichtum zu Gier, Verbrechen, Zerfall und Untergang f├╝hrt, die behauptete Zwangsl├Ąufigkeit, wird anschaulich in diesem m├Ąchtigen B├╝hnenbild - die Steine sprechen. Die Inszenierung klagt den Kapitalismus an. Aber auch das neue, aktuelle Hegemoniestreben Deutschlands.

Der Chef, ein Revolution├Ąr

Intendant des Festival d'Avignon ist Olivier Py, weit ├╝ber Frankreichs Grenzen hinaus bekannt als Ma├čst├Ąbe setzender Vertreter des katholischen Volkstheaters. Er hat sich als Dramatiker profiliert, als Schauspieler, als Regisseur und als Theaterleiter. Jetzt macht er als Intendant von sich reden.

Py nutzte seine Pressekonferenz zur Er├Âffnung des Festivals, um seinen lebhaften Unmut ├╝ber die Politik seines Landes, gegen die L├Ąhmung, den Reformstau in Frankreich zum Ausdruck zu bringen. Er selbst inszeniert den "Gefesselten Prometheus" nach ├äschylos - und will den Ungehorsam, das Rebellentum feiern und entfesseln - ein Gedanke, der das ganze Programm durchzieht. Das gleicht dem Geist von St├ęphane Hessel und seiner kleinen, so wirksamen, flammenden Schrift: "Indignez-vous!" - "Emp├Ârt Euch!"

Ein Jubeljahr

In diesem Jahr geht das Festival d'Avignon zum 70. Mal ├╝ber die Bretter, die die Welt bedeuten. Als Jean Vilar 1947 das Festival aus der Taufe hob, ├╝berwog die Skepsis: Kultur gibt es nur in Paris, nicht auf dem Land, unkten viele Konservative. Inzwischen ist das Festival weltber├╝hmt. Nie hat es dem Publikum nach dem Mund geredet, im Gegenteil, das Festival fordert seine Zuschauer.

Py ist beim Publikum gef├╝rchtet, weil er lange St├╝cke schreibt, inszeniert und einl├Ądt. Starkes Sitzfleisch m├╝ssen z.B. Theaterfreunde mitbringen, die "2666" sehen wollen, eine Inszenierung von Julien Gosselin, die sich auf einen Roman des chilenischen Autors Roberto Bola├▒o st├╝tzt. Eine wilde negative Utopie wird angek├╝ndigt, Bola├▒o greift auf Erfahrungen in seinem mexikanischen Exil (die ber├╝chtigte Ciudad Juarez) zur├╝ck - das Festival setzt f├╝r die Urauff├╝hrung sage und schreibe: 12 Stunden an!

Das ist kein Spa├č!

12 Stunden - wer st├Âhnt da nicht. Aber immer wieder gab es in den letzten Jahren beim Festival d'Avignon lange Theatern├Ąchte - sie haben sich in die Erinnerung eingegraben, sind unvergesslich. Die M├╝he lohnt. ├ťberdies wird meistens unter freiem Himmel gespielt, bei gutem Wetter sind die proven├žalischen N├Ąchte balsamisch. Dieses Flair hat kein anderes europ├Ąisches F├╝nfsterne-Sommerfestival, weder Salz- noch Edinburgh.

Dies ist die 70. Ausgabe des Festivals in der Provence. Py hat zum Jubil├Ąum ein ├╝berreiches Programm zusammengestellt; er bleibt dem Motto des Gr├╝nders, Jean Vilar, und des Volkstheaters treu, das in aller Welt gilt:

Kunst f├╝r alle!
Ulrich Fischer

Das Festival d'Avignon dauert noch bis zum 24. Juli.
Internet: www.festival-avignon.com

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