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„Eisler on the Beach" im Deutschen Theater Berlin

17/11/2015 13:14 CET | Aktualisiert 17/11/2016 11:12 CET

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„Kommunistische Familienaufstellung mit Musik"

BERLIN. Die Kommunisten waren die geschworenen Erzfeinde der Nationalsozialisten. In der braunen Ära wurden sie willkürlich verhaftet, eingekerkert, gefoltert und ermordet. Viele flohen ins Ausland, die meisten suchten Zuflucht in der Sowjetunion, nur wenige in den Vereinigten Staaten. Dort bildete sich ein Exilzentrum in Kalifornien, in der Nähe von Hollywood. Kommunistische Künstler versuchten, dort Arbeit zu finden, Hanns Eisler gehörte dazu.

Kalter Krieg

Eisler hatte damals als Komponist schon Weltruf. Heute ist er weithin vergessen - zu Unrecht, meint das Deutsche Theater. Deshalb collagierten Tom Kühnel und Jürgen Kuttner Material vor allem aus den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, um wichtige Stationen seines Lebens ins Gedächtnis zurückzurufen.

Manchen Bilderfolgen war schwer zu folgen, die Schauspieler sangen einige seiner Lieder - aber die sprachen nur selten. Eisler war Schüler von Schönberg, seine Musik ist alles andere als eingängig. Andere Szenen wirkten wie Schulfunk, Informationen mussten geliefert und nachgetragen werden, manchmal etwas trocken. - Indes gab es zwei Stränge, die den Abend trotz dieser Einwände sehenswert machen.

Hanns Eisler geriet zu Beginn des Kalten Krieges in die Mühle des Komitees für unamerikanische Umtriebe - hier griff das Autorenduo, das auch Regie führte, auf die Protokolle dieser Hexenjäger zurück. Besser und überzeugender kann man wohl kaum nachweisen, dass die Freiheit in Amerika suspendiert war.

Hanns Eisler, so legt die Aufführung nahe, blieb angesichts der ungeheuerlichen und grotesken Vorwürfe gelassen und verteidigte sich klug, listig und gewandt. Die Mitglieder des Komitees waren nie fair, immer voreingenommen, bösartig und gefährlich. Und unendlich plump.

Die Szenen erinnerten an eine Pointe George Bernard Shaws: „Ich bin als großer Satiriker bekannt, aber nicht einmal mir wäre es eingefallen, die Freiheitsstatue in den Vereinigten Staaten aufzustellen."

Wirrnis

Der zweite geglückte Handlungsstrang berichtet von Eilsers Schwester Ruth Fischer. Sie war in Deutschland während der Weimarer Republik eine führende Kommunistin, hat sich später von der Partei abgewandt, wurde zur glühenden Antistalinistin und klagte ihren Bruder Gerhart an, er sei ein Geheimpolizist Stalins und habe ihren Freund, Gefährten, Geliebten und Genossen Arkadi Maslow ermordet.

In den Kammerspielen des Deutschen Theaters spielt Simone von Zglinicki die alte Ruth Fischer als schwer gemütskrank. Ihren Anklagen kann man kaum Glauben schenken. Vielleicht ist sie krank geworden, weil sie von der GPU verfolgt und ihr Freund ermordet wurde?

Jo Schramm hat ein flexibles Bühnenbild entworfen, mit dem er bewusst immer wieder an Gemälde von Edward Hopper erinnert, an ein Amerika, das mit seiner (auch geistigen) Schlichtheit schwermütig wirkt, tief melancholisch.

So ergibt sich ein komplexes Bild des Kalten Krieges, jener Epoche, in der der Komponist seine Werke schaffen wollte und musste - die nicht nur seine Zeit spiegeln, sondern auch auf sie einwirken wollten - zum Besseren.

Aufgaben für engagierte Künstler auch heute. Gut, dass das Deutsche Theater daran und an Hanns Eisler erinnert.

Ulrich Fischer

Aufführungen am 28. Nov.; 5., 13. und 22. Dez. Dauer 2 Std. 10 Min.

Kartentel: 030 284 41 225 - Internet: www.deutschestheater.de

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