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Frau Merkel, werden Sie doch Bundespräsidentin

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MERKEL GAUCK
ASSOCIATED PRESS
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Die halbe Republik grübelt, wer denn ein würdiger Nachfolger, besser noch eine honorige Nachfolgerin von Joachim Gauck sein könnte. Dabei gibt es eine Persönlichkeit, die überzeugender als jede andere für das Amt qualifiziert wäre. Ein offener Brief!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

darf ich Sie mit einem unerbetenen Ratschlag behelligen? Warum kandidieren Sie nicht für das Amt der Bundespräsidentin? Es gäbe niemanden geeigneteren! Es wäre für unser Land gut, und, gestatten Sie mir den Hinweis, es wäre auch für Sie ganz persönlich von erheblichem Vorteil.

Erst drei Bundeskanzler haben die 10-Jahres-Grenze im Amt überschritten: Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Sie. Adenauer und Kohl waren große Kanzler, die allerdings, weil sie leider zu lange am Stuhl klebten, ein eher mickriges Amtsende erleiden mussten, das ihrem historischen Rang überhaupt nicht angemessen war.

Sie wären bei der nächsten Bundestagswahl bereits zwölf Jahre Kanzlerin, streben Sie ernsthaft vier weitere an? Ich meine, man kann da nur vom Kapitän unserer Fußball-Weltmeister lernen: Lieber zwei Jahre zu früh aufhören, als zwei Spiele zu spät.

Übrigens hatte Konrad Adenauer 1959 mit der Idee geliebäugelt, vom Palais Schaumburg in die Villa Hammerschmidt zu wechseln. Leider hatte er dieses Ansinnen rasch verworfen und sich damit selbst um den glänzendsten aller möglichen Abgänge gebracht. Seine Mission (Wiederaufbau, Aussöhnung mit Frankreich und Israel, Westbindung usw.) hatte er nach zehn Amtsjahren bereits erledigt. Was folgte, war nur noch ein trauriges Finale.

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Ich möchte Sie gar nicht dazu überreden, mit der Politik ganz aufzuhören, aber wenn Sie 2017 vom höchsten operativen ins oberste repräsentative Amt dieses Staates wechseln sollten, würden Sie einmal mehr Geschichte schreiben - und das nicht nur als erste Frau im Präsidentenamt, wenngleich dieser Nebeneffekt auch nicht unwichtig wäre. Hinzu kommt, dass Sie einen präsidialen Politikstil doch seit Jahren schon wie wenig andere beherrschen.

Hand aufs Herz, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, was soll denn in einer eventuellen vierten Amtszeit als Regierungs- und Parteichefin noch kommen? In Europa wird nichts besser werden, wollen Sie es sich am Ende zumuten, womöglich mit einer Madame Le Pen am Verhandlungstisch zu sitzen? Und in Berlin? Mit acht, neun, zehn Prozent weniger als bei Ihrem Kantersieg 2013 nochmal eine GroKo bilden? Eine Regierung, bei der Sie jede CSU-Stimme zur Kanzlermehrheit brauchen? Das sollten Sie sich nicht antun.

Überraschen Sie Deutschland, Europa und die Welt mit diesem Jobwechsel. Ihren historischen Markstein haben Sie längst gesetzt: Ihre mutige Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 belegte, dass sie nicht, wie Ihre Kritiker immer behauptet haben, nur reagieren, sondern, dass Sie kühn zu regieren verstehen, dass Sie keine kalte, sondern eine Politikerin mit Herz sind, mit "freundlichem Gesicht", wie Sie das bescheiden selber ausgedrückt haben.

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Gerade dieser Imagewandel von der "Eiskönigin", wie eine Hamburger Gazette noch im Frühsommer 2015 geschrieben hat, hin zum Vorbild in Sachen politischer Empathie qualifiziert Sie für das allerhöchste Amt im Staate.

Stellen Sie sich den Triumph in der Bundesversammlung vor. Heißt es nicht immer, der Bundespräsident solle das Staatsoberhaupt aller Deutschen sein. Ich sage Ihnen ein Wahlergebnis von 95-plus-X voraus! Und Sie hätten als Präsidentin (viel besser als noch einmal im Kanzleramt) die Möglichkeit, Ihre Ära abzurunden.

Weg vom Klein-Klein der Tagespolitik hin zum Großen-Ganzen. Noch heute schwärmen viele von der Rede, die Richard von Weizsäcker einst zum Jahrestag des 8. Mai hielt. Ich würde mich auf Ihre Ansprache zum Jahrestag des 4. September freuen...

Ersparen Sie sich und uns eine zähe Kanzlerdämmerung und werden Sie stattdessen unsere Bundespräsidentin der Herzen.

Hochachtungsvoll

Ihr Ulrich Berls

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Debattenplattform "The European".

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