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Die Ehe für alle kommt - und ich habe Merkel die entscheidende Frage gestellt

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KOEPPE
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Dass eine einzelne Frage zu einer historischen Entscheidung führen kann, hätte ich bis zu diesem Montagabend nicht gedacht.

Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich derjenige sein würde, der eine solche Frage stellt.

Und jetzt kommt vermutlich die Ehe für alle - innerhalb weniger Tage. Das Land diskutiert darüber. Und ich war der Auslöser.

So ist es dazu gekommen: Ich wollte die Kanzlerin schon immer einmal live hören. Man kennt sie ja nur aus dem Fernsehen. Sie einfach einmal hautnah erleben, um zu hören was sie sagt und wie sie es sagt.

Eine Freundin von mir war bei der Organisation der Veranstaltung am Montag beteiligt, spontan bekamen mein Freund und ich noch zwei Karten.

Nur wenige Meter von der Kanzlerin entfernt

Ich war bereits überrascht, dass wir so weit vorne saßen. Zweite Reihe, nur wenige Meter von Angela Merkel entfernt.

Ich fand prima, was sie den Abend über gesagt hat. Dann kam die Fragerunde. Bis auf Barbara Schöneberger, die ein paar Stühle neben uns saß, traute sich keiner zu fragen.

Da ich politisch interessiert bin, für einen Schwulen-Verlag arbeite und schon auf mehreren Christopher-Street-Days war, habe ich mich spontan gemeldet.

"Wann kann ich meinen Freund 'Ehemann' nennen?"

Ich fragte also die Kanzlerin:

"Wann kann ich meinen Freund 'Ehemann' nennen, wenn ich ihn denn heiraten sollte?"

Sie reagierte anders als bei den Themen zuvor. Merkel hatte während der Diskussionsrunde nie lange überlegt, nicht gestottert. Doch nach meiner Frage überlegte sie ein paar Sekunden.

Vielleicht hat Merkel nachgedacht, ob sie wirklich an dieser Stelle, an diesem Ort und zu dieser Zeit offen sein sollte.

Doch dann kam auch die für mich überraschende Antwort:

"Ich möchte die Diskussion mehr in die Situation führen, dass es eher in Richtung einer Gewissensentscheidung ist, als dass ich jetzt per Mehrheitsbeschluss irgendwas durchpauke."

Die Entscheidung bedeutet mir viel

An dem Abend war mir noch nicht ganz klar, was dieser Satz konkret bedeuten würde. Doch nach und nach trudelten die Nachrichten auf Facebook und per SMS ein.

Persönlich freue ich mich über die Entscheidung, sie bedeutet mir viel. Natürlich habe ich mich mit meinem Freund darüber unterhalten. Doch wir planen derzeit nicht zu heiraten.

Aber es ist toll, dass wir nun endlich die Möglichkeit dazu hätten. Nur darum geht es.

Ich mag Merkel dafür, dass sie ihre Meinung korrigieren, sich anpassen und ändern kann. Sie zeichnet sich auch durch ihr diplomatisches Handeln aus.

Zugleich respektiert sich auch konservative Stimmen.

In ihrer Entscheidung für die Ehe für alle kann ich sie nur unterstützen - und beglückwünschen.

Der Text wurde von Marco Fieber protokolliert.

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(ll)