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Trump Jr. ist ein Verräter - und er ist auch noch auf einen uralten Spionage-Trick hereingefallen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP JR
Brian Snyder / Reuters
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Donald Trump Junior ist ein Verräter.

Eines ist klar und bewiesen: Donald Trump Junior traf sich mit einer russischen Agentin in der Hoffnung, so an Informationen zu gelangen, die seinem Vater von Nutzen sein könnten.

Zum Thema: "Dumm, dumm, dumm": US-Presse geißelt Trump Junior - und warnt vor gefährlichem Kult im Weißen Haus

Diese Tatsache wirft ein neues Licht auf den US-Präsidenten und die Untersuchungen zu seinen möglichen Russland-Verbindungen.

Seit Monaten beharrt die Trump-Regierung darauf, dass es sich bei den Treffen mit russischen Regierungsmitarbeitern stets um Treffen mit russischen Diplomaten gehandelt habe. Diese Treffen hätten nicht stattgefunden, um die US-Präsidentschaftswahl zu beeinflussen.

Trump Junior ist ein Verräter

Allerdings war Trump Junior fest davon überzeugt, dass die russische Staatsanwältin, mit der er sich traf, über Dokumente verfügte, die der Clinton-Kampagne einen herben Schlag versetzen könnten.

Begrüßt ein Land die Aufstellung eines bestimmten Kandidaten in einer Wahl, ist das noch lange kein Verbrechen. So hat es die US-Regierung schon immer mit Wahlen auf der Welt gehandhabt.

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Anders sieht das aus, wenn der Sohn eines Kandidaten versucht, Informationen aus dem Ausland zu bekommen. Besonders wenn er sich davon erhofft, die Ergebnisse der Wahl beeinflussen zu könnten. Das ist Verrat und Spionage.

Ich bin kein Fan von Vladimir Putin. Er ist ein Spion, noch dazu ein ganz außergewöhnlicher Spion. Aber als ehemaliger Spion weiß ich auch, dass Putin viel zu gerissen ist, um sich erwischen zu lassen.

Putins Hände bleiben sauber

Nach Jahrzehnten beim KGB und dessen Nachfolger, dem FSB, hat er in Russland einen Neo-KGB-Staat geschaffen. Das Treffen von Donald Trump Junior weist alle Merkmale des klassischen russischen Spionage-Handwerks auf. Und Putins Hände bleiben dabei sauber.

Natalja Veselnitskaja, die attraktive russische Staatsanwältin, gab an, dass sie nicht für die russische Regierung arbeiten würde. Das stimmt nicht. Sie verneinte es, weil Putin berüchtigt dafür ist, Menschen verschwinden zu lassen, die nicht in seinem Sinne handeln. Man erinnere sich an Alexander Litvinienko.

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Während meiner Ausbildung beim CIA war es kein Geheimnis, dass der russische Modus Operandi oft darauf basierte, attraktive Frauen auf amerikanische Männer anzusetzen. Außerdem ist Putin bei einem Treffen dieser Größenordnung nicht so naiv, Trump Junior jemanden ganz ohne Referenzen gegenüberzusetzen.

Natalja Veselnitskaja - die perfekte Spionin

Mit Natalja Veselnitskaja hat Putin die perfekte Spionin gefunden.

1. Sie ist kein Mitglied der russischen Regierung. Vielmehr ist sie eine einflussreiche Staatsanwältin. Das macht es Putin einfach, eine direkte Regierungsbeteiligung abzustreiten.

2. Durch ihren Beruf ist es für Veselnitskaja einfach, die wahren Hintergründe des Treffens mit Trump Junior im Dunkeln zu halten.

Laut eigener Aussage ging es bei dem Treffen darum, den Magnitsky Act zu besprechen. Wenn das aber tatsächlich der Grund des Treffens war, warum wurde darüber dann nicht offen berichtet?

Es stimmt, Veselnitskaja ist eine Kritikerin des besagten Gesetzes. Es gibt zahllose Interviews von ihr zu diesem Thema. Die Kernpunkte in diesen Interviews wurden vom Kreml vorgegeben. Damit wäre ihre Verbindung zur russischen Regierung bewiesen.

3. Natalja Veselnitskaja ist in fast jedem großen Nachrichtenmagazin aufgetreten. Sie hatte verneint, im Besitz von Informationen zu sein, die sie Trump Junior bei einem Treffen hätte überreichen können. Meine Erfahrung sagt mir, dass Putin ihr aufgetragen hat, sich so zu verhalten.

4. Ein bekannter Popstar, den die Trump-Familie gut kennt, fungierte für dieses Treffen als Mittelsmann. Wenn Veselnitskaja wirklich eine Lobbyistin ist, warum hat sie dann für dieses Treffen auf einen Mittelsmann zurückgegriffen?

Putin hat Veselnitskaja geschickt, um bei der Trump-Familie vorzufühlen. Und sie haben angebissen. Wir werden nie erleben, dass Putin selbst Informationen an die Trump-Regierung oder Mitglieder der Trump-Familie weitergibt.

Aber es wurden in den USA schon Menschen bei einer weitaus geringeren Beweislast verurteilt. Für mich ist das alles nicht politisch. Ich würde in so einem Fall jeden Präsidenten zu einem Rücktritt auffordern, ganz ungeachtet seiner politischen Verbindungen.

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Donald Trump wusste ohne Zweifel über das Treffen seines Sohnes Bescheid. Er hat noch nie ein Geheimnis aus dem engen Verhältnis zu seiner Familie gemacht. Auch wenn er dieses Mal nicht selbst zugegen war, so schickt er doch oft seine Kinder als Vertretung zu wichtigen Treffen.

Viele liberale Medien-Experten spielen dieses Treffen herunter. Sie umgehen die Frage, ob es sich hier um Verrat oder Spionage handelt, anstatt den Vorfall klar beim Namen zu nennen: Eine Verletzung des Campaign Finance Reform Act. Diese Menschen scheinen nicht zu verstehen, wie Spionage und der Einsatz eines Agenten funktioniert.

Heute haben wir erfahren, dass die Trump-Regierung mit Russland konspiriert hat. Daran besteht kein Zweifel.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

(jz)

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