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Deutschland auf der Couch: Höcke und das schlechte Gewisssen

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Wahlkampf ist die schönste Zeit in einer Demokratie, er zeigt uns immer wieder, wie wir wirklich ticken, das ist diesmal nicht anders. Plötzlich kommen Dinge wieder hoch, über die lange nicht nachgedacht, geredet oder gestritten wurde. Lieber verdrängt. Im Verdrängen sind wir Deutschen ja Weltmeister.

Die Fähigkeit, Dinge nicht sehen zu wollen, die eigentlich nicht zu übersehen sind, gehört zu unseren großen Stärken? Oder Schwächen? Auf alle Fälle zu unserer Geschichte und die spaltet gerade mal wieder das Land. Nicht unsere rote, sondern mal wieder unsere braune deutsche Vergangenheit.

Obwohl die meisten von uns in dieser Zeit gar nicht existierten. Unser Deutschland war ja nicht das Deutschland des Gasbefehls, sondern des Schießbefehls. Trotzdem schlägt braun immer noch rot beim Blick zurück in unsere Vergangenheit.

Hätte Björn Höcke also über die Toten an der Mauer gesprochen, wäre die Aufregung darüber nicht so groß gewesen.

Zumindest nicht auf der linken Seite. Auch die Medien hätten nicht so reagiert. Ihnen kam der Auftritt des ‚Rechten' gerade Recht. Jetzt haben sie endlich den Beweis, dass sie nie eine „Lügenpresse" waren. Im Gegenteil: Alles Nazis! Sogar ihren Führer haben sie schon:

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Höcke wird sich gefreut haben. Dreimal auf dem Titelblatt. Schafft auch nicht jeder. Wahr könnten die Schlagzeilen aber nur werden, wenn die Mehrheit unter uns ‚Heil Höcke' auch wirklich zu unserem nächsten Adolf wählen würde.

Und wenn man im Wahlkampf ‚Schluss mit der dämlichen Erinnerungskultur' fordert, da muss man fest daran glauben, dass die Mehrheit genauso denkt. Und das macht er. Er glaubt, dass er uns aus dem Herzen spricht, mit dem was er will. Und was will er? Darüber ist ja schon viel geschrieben, diskutiert, sogar philosophiert worden, also verdichten wir es auf die eine Zeile:

Schluss mit dem schlechten Gewissen.

Das gehört ja auch zu uns unseren Stärken? Oder Schwächen? Auf jeden Fall wieder zu unserer Geschichte. Die ‚Commitments' haben in ihrem Blockbuster mal gesagt: ‚Wir Iren sind die Schwarzen Europas.' Dann sind wir Deutschen die schwarzen Schafe Europas. Sogar der ganzen Welt. Schuldig gesprochen für so ziemlich Alles, was sie am stärksten erschüttert hat. Immerhin hat das den Vorteil, dass wir uns für nichts mehr schämen müssen. Getreu dem Motto:

'Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.'

Zumal es ja nicht wirklich stimmt. Wenn man die Welt fragt, ist die Antwort:

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Weil Deutschland für den Rest der Welt nicht nur Hitler war und ist. Anders als für uns. Hier ist Hitler immer noch der beliebteste Deutsche, wenn es um uns und unsere Vergangenheit geht. Und je nachdem wie Sie selbst zu der stehen, haben Sie dabei ein schlechtes Gewissen oder ein gutes. So wie Höcke, der als Geschichtslehrer, wie als Politiker beklagt:

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Weil Deutschland es nicht verdient hat, auf seine Geschichte stolz zu sein. Das sagen die, die dabei lieber an Hitler, statt an Goethe glauben.

Was ist nun der Mehrheit der Deutschen aus dem Herzen gesprochen?

Die Frage ist eine gesamtdeutsche, der Streit darüber ein westdeutscher. Geführt von denen, die auf dem linken Auge schon immer völlig verblindet waren, während sie auf dem rechten noch immer und am liebsten natürlich bis zur Vergasung gut sehen.

In der Politik, den Medien und der Bildung, überall sorgen die vielen Gaskranken dafür, dass das immer weiter so bleibt mit dem ‚schlechten Gewissen'. Und wer das anders sieht, sogar anders sagt, sogar in aller Öffentlichkeit, dann Herzlich Willkommen in der Auweia Gesellschaft, in der inzwischen auf jede andere Meinung ein neuer, medialer Schrecken folgt. Erst recht, wenn es um diese Zeiten geht. Auweia, hat der das jetzt wirklich gesagt?

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Das geht doch nicht!

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Und seine Rede:

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Der gleich die nächste folgte. Nicht von rechts - sondern Linksaußen.

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Natürlich wie immer im Namen des Guten. Es ging ja gegen einen ‚Bösen'. Dessen größtes Verbrechen bisher war, öffentlich seine Meinung zu sagen. Anders als der Bundestagsabgeordnete der Linken, Diether Dehm. Der sagt zwar auch nur öffentlich seine Meinung, aber, im Gegensatz zu Höcke müsste er dabei ein schlechtes Gewissen haben.

Für das, was er selbst verbrochen hat. Nicht unter Hitler. Dann wäre er ein IM der Gestapo gewesen. Sondern für Honecker. Als ein IM der Stasi. Im Auftrag ihrer Auslandsabteilung spionierte er als ‚IM Willy' sein politisches, wie menschliches, Umfeld aus und gab das Anvertraute heimlich weiter. Voller Überzeugung, wie Honeckers willige Vollstrecker im Osten über einen ihrer willigen Vollstrecker im Westen zufrieden festhielten:

Der IM arbeitet zuverlässig, auf der Basis der politischen Überzeugung, mit dem MfS zusammen.

Das verdrängt auch der Genosse Dehm bei seinem Kampf für das Gute lieber. Aber das ändert nichts daran. Wer von Verbrechern überzeugt ist, sogar für sie spioniert, ist selbst einer. Und überall wo das nicht mehr gilt, sind den nächsten Verbrechern und ihren Verbrechen wieder Tür und Tor geöffnet. So wie hier gerade wieder. Wo Menschen, die selbst kein schlechtes Gewissen haben, obwohl sie müssten, Menschen eines machen dürfen, die keines haben müssen. Auch das zeigt, wie wir wirklich ticken, mit immer dem gleichen Ergebnis, auch diesmal:

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Ich bin da anderer Meinung. Wissenschaftliche Vorträge darüber hatten wir schon genug und Wahlkampf kann man mit denen nicht machen. Ich bin sogar der Meinung, man sollte mit diesem Thema überhaupt keinen Wahlkampf mehr machen. Es geht im September schließlich nicht um unsere Vergangenheit, sondern um unsere Zukunft und die fängt in unserer Gegenwart an.

In der wiegt schon das schwer genug, was man wirklich selbst zu verantworten hat. Den Partner betrügen, das Sozialamt, die Steuer, jeder hat sein Päckchen zu tragen, ein Holocaust fehlt da gerade noch zum Glücklich sein. Und gesund ist das auch nicht. Wer sich für etwas schuldig fühlt, das er nie getan hat, der muss ja eigentlich zum Psychiater.

Nicht in die Medien, die Politik oder die Bildung. In den Medien, der Politik und der Bildung steckt er andere nur immer weiter damit an. Beim Psychiater wird er von seiner Krankheit geheilt. So wie hier. Sie brauchen nur immer wieder kommen,

bis zum nächsten Termin, ihr Dr.Top