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Deutschland auf der Couch: Glücksfall AfD

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AFD
Wolfgang Rattay / Reuters
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Auf dieser Couch liegt immer das ganze Volk. Linke wie Rechte, die aus der Mitte und die von ganz außen. Denn, egal für was sie stehen und kämpfen, am Ende sind es alles Deutsche, auch die von der AfD.

Aber sie sind die einzigen, die daraus kein Geheimnis machen. Nicht nur im Wahlkampf, aber der läuft längst auf Hochtouren und ohne die AfD wäre er nur so langweilig wie die letzten auch. Schon deshalb ist sie ein Glücksfall für uns alle. Stellen Sie sich vor, die AfD würde es gar nicht geben? Die etablierten Parteien würden dann einfach nur weiter das versprechen was sie immer versprechen und wie immer lassen wir sie damit davonkommen.

Obwohl jeder weiß, dass von dem gerade noch so fleißig Versprochenem nichts umgesetzt werden wird. Warum auch? Wir wählen sie ja trotzdem immer wieder. Für eine lebendige Demokratie ist das wie Sand im Getriebe, irgendwann bleibt sie stehen und Diktatur beginnt.

In der entscheidet nicht mehr die Mehrheit, sondern eine Minderheit über die Mehrheit. Und jeder, der das ändern will, wird darin zum Feind erklärt. Politisch wie medial. So wie heute, im Deutschland des Jahres 2017. Das kann jeder am Umgang mit der AfD sehen:

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Und daraus folgt:

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Darüber ist sich nicht nur seine SPD einig, alle Parteien haben im Superwahljahr als größtes Wahlkampfthema „den Kampf gegen Rechts" und wer dazu gehört bestimmen Sie, jeder Widerspruch ist zwecklos.

Das ging auch der AfD schon so, als sie die politische Bühne am 14. April 2013 in Berlin betrat. Gegründet von ein paar Gleichgesinnten um den Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke. Bis dahin war er CDU Mitglied, schon seit er mit 14 Jahren in die Junge Union eintrat.

Aus Protest gegen die Entspannungspolitik, die Willy Brandt damals gegenüber dem Osten führte. Er hatte Verwandte in der DDR und wusste daher, dass die Politik Brandts die Verhältnisse im Osten Deutschlands nicht verbesserten, sondern verschlimmerten.

33 Jahre blieb er Mitglied der CDU, bis er die Partei 2011 verließ. Aus Protest gegen den Eurorettungsschirm. Als Wirtschaftsprofessor ahnte er von Anfang an, dass der Weg, Schulden mit immer neuen Schulden zu bezahlen die in immer noch größere Schulden führen der falsche Weg ist. Deshalb war er auch der Meinung:

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Gründungsmitglied Alexander Gauland sah das genauso, auch er ein westdeutsches CDU Mitglied der ersten Tage, der in seiner Partei keine Zukunft mehr für seine politischen Ansichten gesehen hatte. So ist die AfD von Anfang an ein Kind der westdeutschen CDU, die eigentlich nur eine bessere FDP sein sollte, geboren aus dem Willen etwas Neues für Deutschland zu erschaffen, eine ‚Alternative".

In der ist Bernd Lucke heute nur noch eine Figur aus der Vergangenheit, denn der AfD von heute, geht es nicht zuerst um eine wirtschaftliche Alternative, sondern eine geistige. Um Deutschland wieder zu dem zu machen, was sie darunter verstehen...

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Hin zu einem, in dem es wieder selbstverständlich ist, nicht gegen, sondern für Deutschland zu sein. Bisher war diese Frage nie Teil des deutschen Wahlkampfes. Weil sie nie jemand stellte. Auch deshalb ist die AfD ein Glücksfall für uns. Erst Recht im Wahlkampf. In dem muss jeder Farbe bekennen, als Politiker, wie Wähler

Auf welcher Seite stehe ich? Wenn es um uns, also Deutschland und seine Rolle in Europa und der Welt geht.

Alleine, dass man diese Frage überhaupt stellen muss, zeigt uns wieder wie wir ticken. In anderen Ländern wäre das ja keine. Dass man für sein Land steht, ist rund um den Globus eine Selbstverständlichkeit. Ein anderes hat man ja nicht. Nicht solange man Deutschland als seine Heimat sieht. In der fühlen sich immer mehr wie Heinrich Heine, der bekanntlich schon lange vor uns an uns verzweifelte:

„Denke ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht."

Heute könnte man auch treffender „um den Verstand gebracht" sagen. Weil diejenigen, die ihren eigentlich für uns einsetzen sollen, ihn entweder verloren haben oder nie welchen hatten. Sonst würden sie nicht immer weiter ein Klima des Hasses schüren, das uns immer weiter in die ‚bösen Rechten' und den Rest der ‚Guten' spaltet.

Die sind gegen den Brexit, gegen Trump und gegen die AfD. Was ihr gutes Recht in einer Demokratie ist. Noch leben wir ja in einer. Obwohl es schon nicht mehr so zugeht. Weil diejenigen, die anders über den Brexit, Trump, die AfD und die Flüchtlingskrise denken, nicht mehr Teil der politischen Debatte sind, sondern von ihr ausgeschlossen werden. Mit Worten:

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Denen Taten folgen:

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Obwohl der Goebbels der SPD jede Mitschuld von sich weist. Aber, auch das ist ja längst wahr:

Wer Hass sät, wird Hass ernten.

Das gilt für alle die ihren nicht mehr zurückhalten können im „Kampf gegen Rechts." Der ist inzwischen zu einer Art Volkssport geworden:

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Die etablierten Parteien haben es damit geschafft, dass die eigentlichen Probleme Deutschlands keine Rolle mehr spielen. Kaputte Straßen, runtergekommene Schulen, verkeimte Krankenhäuser, nicht mal einen Flughafen können sie bauen, und auch alle anderen Großprojekte nur mit jahrelanger Verzögerung und nur mit dem doppelten Geld, all das soll lieber nicht an- und ausgesprochen werden und so ist die AfD auch für sie das beste, was ihnen passieren konnte. Mit ihr haben sie etwas, mit dem sie die Menschen von ihrem eigenen Versagen als Volksvertreter ablenken können. Das ist dringend nötig:

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Davor haben sie die größte Angst. Sie würden alles verlieren. Dabei ist das in einer Demokratie ganz normal, die lebt davon, dass es Veränderungen gibt. Auch daran erinnert die AfD das Land. Auch wenn sie nicht jeder leiden kann, aber die linken Hasstiraden muss man ja auch ertragen, und am Ende hat jeder die Wahl. Obwohl? Der Kandidat, der Deutschland wieder zusammenbringt, fehlt ja immer noch.

Egal welcher Farbe. Die beste wäre Schwarz-Rot-Gold. Im Herzen wie im Hirn. Aber solange uns das Politiker wie Journalisten weiter fleissig mit Braun vernebeln, werden wir weiter so gespalten sein. Es sei denn, wir lachen sie dafür nur noch aus und benutzen einfach wieder unseren eigenen Kopf, wenn es um uns und unserer Rolle in Europa wie der Welt geht. Ohne jede Angst davor ein „Nazi" zu sein. Und wenn Ihnen das in diesen Zeiten schwerfällt, kommen Sie weiterhin zu mir, hier hat der Hass keine Chance. Weder auf unser Land noch uns selbst.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Termin, ihr Dr.Top

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