BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Torsten Preuß Headshot

Deutschland auf der Couch: Sind wir zu dumm zum wählen?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

2017-02-17-1487331192-5034424-Drtop2017FBTitel.jpg

In dieser Kolumne sind Wahlkampf und Wahlen ja immer die beste Antwort auf die Frage, wie wir wirklich ticken und eine dieser Wahlen haben wir gerade alle erlebt. Standesgemäß zur Eröffnung des Superwahljahres, die Wahl für das höchste Amt im Staat. Obwohl? Wahl?

Es war ein bisschen wie die Machtübergabe von Honecker auf Krenz.

Auch wenn Steinmeier nicht Gaucks Kronprinz war. Nicht mal der einer Einheitspartei. Er war am Ende der Kronprinz aller Parteien.

Die bestimmen ja immer noch, wer das deutsche Volk, also uns, vor und in aller Welt repräsentiert. Und immer noch, ohne uns vorher zu fragen. Was immerhin immer mehr, immer lauter in Deutschland beklagen.

Zwar noch vorsichtig, aber die Frage, ob das Amt wie seine Besetzung überhaupt noch zeitgemäß ist, wurde nicht mehr nur auf der Straße sondern auch in der „Lügenpresse" immer dringender gestellt.

Nur dort, wo die Wahl, die keine ist, ihr zu Hause hat, will weiter niemand etwas davon hören.

Weil die, die sie veranstalten, ganz anderer Meinung sind. Sogar einer, von der sie denken, dass sie damit Deutschland mal wieder nur Gutes tun.

Mit dem Verweis auf die Karriere von Adolf unserem Hitler, der es mit Volkes Stimme vom obdachlosen Postkartenmaler in den Gassen von Wien nach Berlin, zum Alleinherrscher über Deutschland geschafft hatte. Das war 1933. In einer Zeit vor unserer Zeit also.

Aber die Angst, es könnte einen neuen Adolf geben, steckt bis heute tief in Deutschland drin, wie eine Angst mal wieder vor uns selbst.

Berechtigt? Unberechtigt? Er müsste ja einer von uns sein. Aber wer sollte das heute sein? Wenn Sie es nicht machen wollen? Ich glaube, Günter Jauch lag bei der letzten Umfrage vorn. Helene Fischer war auch mit dabei und natürlich Thomas Gottschalk.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Drei Wunschkandidaten des Volkes für den obersten Repräsentanten des Volkes, die nicht dafür bekannt sind, uns in einen Krieg führen zu wollen. Steinmeier auch nicht. Aber wetten, dass sie alle drei gegen ihn gewonnen hätten?

Dann hätte Günter Jauch zur Abwechslung mal seinen eigenen Jackpot geknackt oder Helene Fischer die Welt ab jetzt in unserem Namen atemlos gesungen.

Auch wenn Sie Schlager hassen aber ich glaube, dass würde die Welt friedlicher machen als jede Rede vor der UNO.

Aber die Idee, das Volk, also wir, wählt sich seinen Repräsentanten selbst, hat bei denen, die uns eigentlich vertreten auch weiterhin keine Chance. Weil sie uns schon lange nicht mehr zutrauen, selbst über uns entscheiden zu können. Und dass wir es gerade in Zeiten wie diesen erst Recht wollen, überhören sie einfach.

Weil auch sie einer Meinung sind, die nicht nur von Politikern gerne geglaubt wird, wenn es um uns, also das Volk, geht. Zum ersten Mal bekannt wurde sie mit einem Buch des Franzosen Gustave Le Bon: "Die Psychologie der Massen".

Der berühmte Bestseller, über die Kunst Massen zu verführen, dient noch heute jedem, der mal hoch hinaus will, als Einstieg in den Aufstieg. Gelernt haben sie daraus alle das gleiche:

"Die Masse ist dumm"

Das hat schon Johann Wolfgang unser Goethe zu seiner Zeit geahnt. Auch, wenn er die Masse noch den "Pöbel" nannte. Der soll sich um Politik am besten nicht kümmern. Und warum?

Weil redegewandte Schwätzer ihn alsbald für ihre eigenen Zwecke missbrauchen könnten.

Davon gibt es in Deutschland ja gerade wieder mehr als man hören möchte. Aber im Gegensatz zu Goethe leben wir nicht in einem Ein-Mann-Staat, wie er damals im Herzogtum Weimar, nicht mal in einem Ein-Frauen-Staat, auch wenn es seit 17 Jahren hier so zugeht, sondern immer noch in einer parlamentarischen Demokratie. Und wenn Wahlkampf ist, ist die Zeit derjenigen, die redegewandt alles Mögliche schwätzen, auf ihrem Höhepunkt.

Sie ziehen durchs Land oder besser noch die Medien versprechen das Blaue vom Himmel und wecken damit das Grüne: die Hoffnung. Dass alles besser wird, das ganze Leben.

"Ihr müsst uns nur wählen, ihr seid doch so dumm, das seid ihr immer"

Das stimmt. Aber nur, weil es schon lange keine andere Wahl mehr gibt. Außer zu Hause zu bleiben. Um Amerika beim Wählen zuzusehen. Gewonnen hat dort auch einer, der „redegewandt schwätzen" kann. Aber im Gegensatz zu allen seinen deutschen Kollegen weiß er wovon er redet.

Erst wenn du dich selbst mal reich gemacht hast, kannst du auch anderen dabei helfen.

Angefangen hat er schon. Die einen finden das als eine Erlösung, die anderen als eine Bedrohung. Wenn er einfach nur seinen Job machen würde, wie alle anderen Präsidenten vor ihm auch, aber so?

Nicht mal im Traum denkt er daran und wer das immer noch nicht glauben will, der kann sich jeden Tag auf Twitter neu davon überzeugen.

Politik wie von einem anderen Stern

Von dem auch einer kommt, der uns ein bisschen darüber lehren kann, wie es in unserem Innersten wirklich zugeht. Als Sieger der ersten Wahl dieses Superwahljahrs, in der das Volk wirklich gefragt wurde.

Mehr zum Thema: SPD-Politiker und Merkel gratulieren Steinmeier - Grüne und Linke geben ihm eine Aufgabe mit

Die hat drei Mal so viele Zuschauer wie die von Steinmeier vor den Fernseher gelockt. Kein Wunder. Sie war auch spannender. Obwohl beide am Ende einen klaren Sieg einfahren konnten. Sogar mit den gleichen Zahlen:

2017-02-15-1487159666-5959179-Steinmeier2Klein.jpg

2017-02-15-1487159702-3072775-terenziProzent.Klein.jpg

74,3 Prozent für Klaus-Walter Steinmeier als unser nächster Bundespräsident und 74, 3 Prozent für Marc Terenzi als unser nächster Dschungelkönig. Der eine Sieger war keine große Überraschung. Der andere schon. Hatte er doch schon zum Anfang einen großen Fehler vor laufender Kamera gemacht.

Moderatorin Sonja Zietlow war jedenfalls beinah sprachlos, als Mark Terenzi auf die eher nebenbei gestellte Frage „wen hast du denn gewählt", wie selbstverständlich sagte: Donald Trump. Und wer das heute sagt, ist in der Öffentlichkeit ja erledigt.

So hätte auch er eigentlich ein Opfer des medialen Atomschlages sein müssen, der schon von Anfang an gegen Trump und alle seine Anhänger geführt wird.

Aber das Ergebnis zeigt mal wieder, wie groß in Deutschland heute der Unterschied zwischen der öffentlichen, also der auf der Straße, und der veröffentlichten Meinung, also der in den Medien, ist

Die sind immer das Spiegelbild einer Gesellschaft und wenn die so wäre, wie sie es beschreiben, hätte er eigentlich verlieren müssen, schon an dem Tag, als er sich als Trump-Fan outete. Das Gegenteil war der Fall. Millionen Deutsche fanden ihn damit erst recht wählbar. Für Steinmeier stimmten nur 931 Deutsche.

So repräsentiert ein Amerikaner, der Trump gut findet und wählt, mehr Deutsche als einer, der ihn einen „Hassprediger" nennt.

Lieber Putin verstehen. Was nicht wirklich ein Wunder ist. Beides sind Genossen und für die ist Amerika schon immer das größte Übel der Welt.

In der haben wir jetzt einen Präsidenten, der von den Parteien bestimmt wurde und einen König, der vom Volk gewählt wurde. Die Frage, wer uns repräsentiert, ist damit geklärt. Ab jetzt geht es darum, wer uns regiert? Also der, der beides zusammenbringt.

Mehr zum Thema: Medien sehen große Schwachstelle bei Steinmeier - sie könnte aber noch zur Stärke werden

Von den Parteien bestimmt und vom Volk gewählt. Dann ist er Kanzler. Oder bleibt Kanzlerin. Von Deutschland. In dem die Sehnsucht nach etwas ganz Neuem vielleicht doch schon größer ist, als die Angst davor? Dann wären wir doch nicht so dumm, wie manche es glauben.

Diesen optimistischen Gedanken gebe ich ihnen mit. Bis zum nächsten Termin,

ihr Dr.Top

mehr von Torsten Preuß gibt es hier: http://www.toponlineverlag.com

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.