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Torsten Preuß Headshot

Cuba Libre?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FIDEL CASTRO
Andres Stapff / Reuters
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Fidel Castro ist gegangen, Kuba bleibt. Es war die "karibischste Baracke des Kommunistischen Lagers", angeführt seit der Revolution 1958 vom „Verehrten Genossen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Cubas, Fidel Castro", der Kuba bis zum Schluss nach den Lehren von Karl Marx regierte. Was dabei herauskam hat der Dresdner Autor und Journalist Torsten Preuß nach einem Besuch auf der Insel aufgeschrieben, als ewige Erinnerung an Fidel's Zeiten....

*

Am Horizont versinkt die Sonne wie ein glühender Tennisball im Golf von Mexiko. Das Meer ist müde, der Wind steht still. Vor dem Hotel Inglaterra ist der „Rarque Central" nur schwach beleuchtet. Die ganze Gegend sieht aus wie die stehen gelassene Filmkulisse eines Streifens über die Zeit, als Batista zuließ, dass Havanna der größte Nachtclub der Karibik wurde. Im matten, gelben Schein der wenigen, schmiedeeisernen Laternen fahren aufpolierte Straßenkreuzer aus den fünfziger Jahren

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an verfallenen spanischen Kolonialvillen vorbei, in denen vor der Revolution Casinos, Hotels oder Puffs waren.

Anders als heute.

Nur in einer dunklen Seitengasse erwacht die Nacht. Eine Tür steht offen. Musik, Geschrei und Lachen dringen auf die leere Straße. Wir gehen hinein und nehmen die letzten Plätze an einem Tisch ziemlich in der Mitte des Raumes. Die Mulattin hinter der Bar hat blondgefärbte Haare. Aus den kleinen Boxen dringen Gitarren, Trompeten und ein Sänger, dem die Frau weggelaufen ist. Der Raum ist voll. Die Gäste auch.

Er ist 23 Jahre. Sein schwarzer Körper scheint gut trainiert. Er trägt ein weißes Unterhemd ohne Ärmel, eine dunkelrote Weste mit Indianermuster und einen Strohhut auf dem Kopf. Den Rum trinkt er pur. Sein Englisch hat er an der Universität gelernt, aber die hat er abgebrochen. Er wollte eigentlich Ingenieur werden, aber das war einmal.

Jetzt ist er Chullo, und Chullo steht in Kuba für Zuhälter. Arme Ingenieure gibt es schon genug, meint er lächelnd und dirigiert mit einem Kopfnicken eine seiner drei Mädchen an unseren Tisch

Die Luft ist stickig, der Ventilator an der Decke schwach, die Mädchen betrunken. Es geht darum zu leben, sagt er, und um zu leben, brauchst du Dollars. Wenn er erzählt, fliegen seine langen Arme und Finger wie die eines Raptänzers durch die Luft. Er ist guter Laune, ziemlich betrunken und bestellt eine Runde Bier auf unsere Rechnung.

Nach vier weiteren hauen wir ab.

Es ist drei Uhr nachts, wir suchen ein Schwarztaxi.

Der öffentliche Nahverkehr existiert praktisch nicht mehr. An den Bushaltestellen könnte man genauso gut auf die Ankunft von Außerirdischen warten.

An einer schwach beleuchteten Ecke stehen ein paar Männer um alte russische Autos und lachen über etwas.

Als sie uns sehen, stellt einer das Lachen ein, kommt auf uns zu und fragt leise: Taxi? Wir kurbeln die Fenster in dem uralten Moskwitsch bis ganz runter. Langsam entweicht der Benzingestank. Havanna bei Nacht ist ein bizarres Schauspiel. Die Straßen sind absolut dunkel. Nur dort, wo sich die Touristen aufhalten, brennt vereinzelt die Straßenbeleuchtung. Alle anderen Viertel sehen aus, als hätten Millionen ihre Stromrechnung nicht bezahlt. Die vielen Sterne am Nachthimmel leuchten doppelt so stark.

Im Licht des Vollmondes sehen die verfallenen Häuser wie Scherenschnitte von Beirut aus.

Ein alter Mann verkauft auf der Straße an Touristen Münzen mit Che-Guevara-Porträt, die umgerechnet fünf Cent wert sind, für einen Dollar.

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An einer Ecke bohrt ein Schwarzer Wegwerffeuerzeuge auf und füllt sie für Geld wieder nach. In einem Hauseingang hat eine Frau ein Brett über zwei Stühle gelegt und einen großen gelben Eimer aus Plastik daraufgestellt.

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Der Behälter hat unten einen Wasserhahn, und daraus fließt selbstgemachte Limonade. Der Becher für fünf Pesos oder einen halben Dollar für Touristen.

In einem Kino läuft am Abend „Pulp Fiction" als Raubkopie. Es ist erst der Anfang vom Ende der Planwirtschaft.

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Am unteren Ende des Malecon, der berühmten Uferpromenade, in Sichtweite der Festung El Morro, sitzen vielleicht vierzig Jugendliche, die meisten Schwarze, und warten auf ein gutes Geschäft. Sie sind zwischen elf und zwanzig Jahren alt und gehören zu denen, die entlang der berühmten Uferpromenade von Havanna mit allem handeln, was der Tourist begehrt: Zigarren, Rum, Marihuana, Kokain und Mädchen. Die Kinder des Malecon gehen nur noch selten in die Schule, und arbeiten gehen sie schon gar nicht mehr. Die vier Dollar, die sie dabei in einem Monat verdienen würden, machen sie hier auf der Straße mit etwas Glück in fünf Minuten.

*

Er heißt Miguel, und für fünf Dollar führt er uns in eine der vielen halblegalen Privatunterkünfte, in den Seitenstraßen des Malecon. Den Häusern sieht man an, dass der Sack Zement auf dem Schwarzmarkt 50 Dollar kostet. Immer wenn ich denke, in diesem Haus wohnt aber nun wirklich keiner mehr, schaut prompt jemand zum Fenster raus. Manchmal bleibe ich stehen, um zu sehen, was passiert, wenn jemand auf seinen Balkon tritt oder sich sogar darauf setzt.

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Unser Ziel ist ein Haus, direkt am Malecon, und nachdem alles klar ist, bekomme ich das schönste Zimmer.

Türkisfarbene Wände, ein Doppelbett, ein Schaukelstuhl und ein kleiner halbrunder Balkon, zu dem man eine Flügeltür öffnen muss, die fast bis zur Decke des quadratigen Raumes reicht. Wenn sie offen steht, kann man auf dem Bett liegen und durch die Brüstung den Wellen dabei zuschauen, wie sie sich vor Havanna schäumend übergeben. Zwanzig Dollar will sie dafür haben, und als ich o.k. sage, hebt sie den Zeigefinger und sagt: „Herzlich willkommen". Sie ist bestimmt schon an die Sechzig, dick und gemütlich, aber wenn es darum geht, ein gutes Geschäft zu machen, rotiert sie wie eine Notenpresse.

Aus ihrer Wohnung hat sie eine kleine Pension gemacht. Sie selber wohnt in dem hinteren Teil der Fünf-Zimmer-Wohnung, dort, wo an der Decke das Licht des Fernsehers flackert. Ich laufe ihm entgegen. Obwohl die Kubaner fernsehverrückt sind und allein dreimal die Woche geschlossen zu Hause sitzen und mit der Leidenschaft von Abhängigen Folge für Folge einer brasilianischen Seifenoper verfolgen, kümmert sich jetzt außer mir niemand um das Gerät.

Die Familie sitzt mit dem Rücken zum Bild, der Ton ist abgestellt, keiner hört Fidel Castro zu.

Er spricht in einer Kaserne zum 35. Jahrestag der Invasion in der Schweinebucht. Die Zuhörer in den Schnittbildern sind in jenem Alter, in dem der Begriff Zukunft nur noch einen überschaubaren Zeitabschnitt benennt. Sie tragen Uniformen, die an Auslaufmodelle erinnern.

Castro redet immer noch ohne Manuskript und produziert sich vor der Kamera mit der Selbstsicherheit eines Schauspielers, der sich seine Rolle selbst geschrieben hat.

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Mal reißt er den rechten Arm nach oben, als müsste er im Himmel einen Kampfgenossen grüßen, mal fällt er in sich zusammen, hält einen Augenblick inne, verschränkt die Arme und führt den Zeigefinger seiner rechten Hand zum Kinn. Dann blitzen seine Augen auf, sein Mund verzieht sich zu einem selbstverliebten Grinsen, dann reißt er einen Witz. Ein alter Mann erzählt alten Männern alte Geschichten aus einer alten Zeit. Die Schnittbilder lachen. Ich drehe den Ton auf. Die Unterhaltung in dem Raum bricht ab. Alle blicken mich an.

In ihren Augen steht geschrieben, was sie denken. Aber sie lächeln und zeigen Mitleid für die Neugier des Reporters. In seiner Rede ist Commandante Fidel in der Gegenwart angekommen. Und die ist düster. Das weiß er auch. Aber er versucht gar nicht erst, mit alten Parolen neue Hoffnung zu beschwören. Mit seinen Mitteln ist er am Ende.

Aus dem Mund des Revolutionärs klingt es wie eine Bankrotterklärung: Ich muss lernen, wie ein Kapitalist zu denken, sagt er, und das Volk muss es auch.

Er ruft die Kubaner auf, intelligent zu sein, und Geschäfte mit den Touristen zu machen. Dafür müsse das Volk aber wieder lernen, Qualitätsarbeit zu verrichten.

Miguel zeigt mit seiner rechten Hand auf Fidels rechten Arm und lacht hämisch. Castro trägt eine Rolex. Miguel nicht. Er hatte überhaupt noch nie eine Uhr besessen. Genauso, wie die allermeisten seiner Landsleute nicht.

Er erzählt doch immer dasselbe, sagt Miguel und macht dabei diese Handbewegung, die jeder Kubaner benutzt, wenn er Castro meint: Er deutet mit der rechten Hand unter dem Kinn einen Bart an.

Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn er hier mit uns zusammen leiden würde, wäre alles o.k. Aber so? Mir geht`s schlecht, und ihm geht´s gut.

Für ihn ist Castro nur noch ein alter Sack, der ihm das Leben schwermacht. So denken alle, die ich kenne, sagt er, und ich kenne viele.

*

Sein Auto ist ein rostiger, alter russischer Lada. Für zwei Dollar will er uns damit an das andere Ende des Malecon bringen. Wir steigen ein. Plötzlich geht die Beifahrertür auf. Vielleicht ist es seine Frau, oder seine Schwester oder einfach nur eine gute Freundin. Sie setzt sich neben ihn. Er fährt los und wir blicken in ihr Gesicht. Es muss ein gutes Geschäft gewesen sein, für denjenigen, der ihr auf dem Schwarzmarkt die ganze Schminke verkauft hat. Und das Mittel zum Blondierend er Haare.

In dem engen Wagen riecht es, als wäre eine Kiste Deo-Roller ausgelaufen. Sie spitzt den Mund und spielt mit ihren Fingern an den Trägern ihres ärmellosen T-Shirts. Im Rückspiegel blitzen seine Augen wie Dollarzeichen. Sie ist kurz davor sich auszuziehen,

Es bleibt keine andere Wahl: Wir sind Schwul, sagen wir.

Sie bekommt einen steifen Hals. Er reagiert, als hätte er gerade eine Fliege verschluckt. Der Lada gerät einen Moment aus der Bahn. Dann lache sie uns einfach aus. Aber eigentlich sind sie sauer über das geplatzte Geschäft.

Wir bezahlen und gehen in einen Laden, aus dem Coolio mit seinem ‚Gangstas Paradise' lockt. Es ist dunkel wie in einer Faust. Einzig die kleine Tanzfläche ist schwach beleuchtet. Am Tresen gibt es nur Rum. Auf der Toilette fragt mich jemand, ob ich ihm fünf Dollar schenke. Oder eine Zigarette. Oder einen ausgebe. Und seinen Kumpels auch.

*

Es ist drei Uhr morgens, und wir setzen uns in die warme Nacht, auf den Rand eines stillgelegten Springbrunnens zu einer Gruppe Schwarzer. Wir trinken den Rum aus leeren Coca-Cola-Büchsen. Plötzlich kommen zwei Polizisten im matten Schein einer funktionierenden Straßenlaterne auf uns zu. Die Hartgummiknüppel hängen wie Trophäen an ihren schwarzen Gürteln. In den Halftern stecken sowjetische Pistolen. Zwei Mädchen aus der Gruppe müssen mit.

Ein paar Meter weiter fangen die Polizisten an, ihre Ausweise wie die Tagebücher von Massenmördern zu lesen.

Sie heißt Angelieta, und nach einer ganzen Weile darf sie wieder zurück. Ihre Freundin nicht. Die nehmen die Polizisten mit. Wir fragen sie, warum. Sie weiß es nicht. Wir sind eben Schwarze, sagt sie, als wäre das die Antwort auf alle Fragen.

„Wir werden überall kontrolliert und haben die schlechtesten Jobs. In die besseren Hotels kommen wir gar nicht erst rein. Rassismus hat es hier immer gegeben."

In einer Seitenstraße pinkelt ein junger Schwarzer an die Hauswand. Mitten im Geschäft kommt aus dem Dunkel der Straße ein Polizist auf ihn zu. Er zieht seine Pistole und drückt sie dem Jungen mit der rechten Hand an die Stirn. Dann reißt er ihn mit seiner linken Hand herum, packt ihn am Kragen und treibt ihn vor sich her, die Straße herunter. Als er durch die Jugendlichen muss, die vor der Diskothek den Auftritt der Staatsmacht angewidert verfolgen, presst der Polizist den jungen Mann wie eine Geisel an sich.

An der Ecke wartet ein russischer Mannschaftswagen der Polizei. Sie stoßen ihn auf die Ladefläche wie ein BSE-Rind.

Jemand bringt zwei neue Flaschen Rum, und sie erzählen, dass das Alltag ist. Ein paar Stunden auf dem Revier, immer ein paar Schläge, dann darf man wieder gehen. Über Politik wollen sie nicht mehr reden. Was sollen wir machen, fragt Angelieta und blickt mich lange an. Ihre schwarzen, großen Augen wirken müde, wie abgefahrene Reifen. Sie halten uns hier wie Sklaven.

Keiner widerspricht.

Am nächsten Morgen holen sie uns zu einem Ausflug aufs Land ab. Ihre Freundin ist wieder frei. Und, wie war´s?, wollen wir wissen. Sie blickt uns etwas übernächtigt an und sagt: voll.

*

Wo er wohnt, soll ich vergessen, und wie er heißt, soll ich nicht schreiben. Über seinen Job soll ich schweigen, und sein Alter soll ich fälschen. Also nennen wir ihn Rico und sagen, er ist alt genug.

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Zwei- bis dreimal in der Woche kommt die Polizei und kontrolliert seine armselige Hütte. Dann jagen sie die Hühner aus dem einzigen Raum und schauen unter das Feldbett, das in der Mitte steht. Der Fußboden ist aus Stein, das Dach aus Blech. An den Wänden fehlt die Farbe. Sein schwarzer Oberkörper ist muskulös, auf der rechten Schulter hat er eine Tätowierung. Ich frage ihn, was sie bedeutet. Er schiebt sich zögerlich seine alte Baseballmütze ins Genick. Wir rauchen kubanische Zigaretten ohne Filter. Nach jedem Zug ruft die Lunge nach dem Arzt. Während er redet, denke ich an Angelietas Worte: Sie halten uns wie Sklaven.

Es war Ende der Siebziger. Rico hatte einen Haufen Mist gebaut, und dafür kam er ins Gefängnis. Mit der Strafe hatte er sich irgendwann abgefunden, aber an einem Sommermorgen im Jahre 1980 ging die Tür seiner Zelle auf:

Sie kamen rein, schrien ein paar Kommandos und legten mir Ketten an die Füße. Dann führten sie mich durch den Gang in den Hof, sagt er, und sieht dabei aus wie jemand, der von jemandem erzählt, der erlebt haben will, wie die Welt unterging.

Im Hof traf er die anderen Gefangenen. Sie standen aufgereiht wie Zuckerrohr in der Sonne.Ohne es zu wissen, waren sie plötzlich zu einem lukrativen Exportartikel geworden. Castro brauchte Geld. Also ließ er damals 125.000 unzufriedene Landsleute in die USA ziehen. Die meisten von ihnen gingen freiwillig. Rico nicht. Ihn hatte keiner gefragt, ob er seine Heimat verlassen wollte. Aber Castro benutzte die Massenausreise auch zur Entsorgung derer, die für den Aufbau seines Sozialismus ungeeignet waren: Straftäter und Geisteskranke. Viele derer, die Kuba damals verließen, kamen aus psychiatrischen Anstalten oder den Gefängnissen. Rico steht von dem Stein auf und erzählt im Stehen weiter. Es klingt jetzt, als müsste er sich rechtfertigen: Was sollte ich machen? Fragt er, ohne uns anzuschauen.

Praktisch über Nacht war ich in einem Land, dessen Sprache ich nicht sprach und in dem niemand lebte, den ich kannte. Also handelte ich mit Koks. Vielmehr kann ein Schwarzer dort nicht machen.

Schon gar nicht, wenn er aus Kuba kommt und ganz allein ist. Eine Weile ging es gut, aber dann ging es schief. Sie schnappten ihn und verurteilten ihn zu 8 ½ Jahren Knast, abzusitzen im Staatsgefängnis von Atlanta. Er zeigt auf seine Tätowierung.

Eh, Mann, die Zeit war wirklich hart, sagt er, und wenn er von ihr erzählt, leiden seine Augen mit.

Er nahm sich damals vor, im Knast die Sprache richtig zu erlernen und danach irgendetwas Anständiges zu machen. Aber dann? Es war zum Verzweifeln, erzählt er weiter und blickt nach oben. Sie kamen eines Morgens in die Zelle und sagten, ich soll meine Sachen packen, einfach so. Mann, es war unglaublich. Es war dasselbe wie in Kuba. Keiner hat mich gefragt, es ging einfach ab. Erst kam ich in einen Laster, dann in ein Flugzeug und zack, war ich wieder hier. Castro hatte sich 1991 für gutes Geld bereit erklärt, den USA die untergejubelten Sorgenkinder wieder abzunehmen.

In Ketten bin ich gegangen, in Ketten bin ich gekommen, sagt Rico und zieht einmal kurz an seiner Zigarette.

Als wir in Kuba ankamen, standen Soldaten an der Gangway. Mit Büchern, in denen unsere Namen standen. Es waren dieselben Bücher wie bei unserer Ausreise. Hinter jedem, der wieder zurückkam, machten sie einen Strich, hinter dem Rest ein Kreuz.Die untergehende Sonne sieht aus wie Blutorange. Der Kaffee ist über dem Reden kalt geworden. Rico blickt uns an, als könnten wir mit einem plötzlichen Lachen die ganze Geschichte in einen guten Witz umwandeln. Ich versuche es gar nicht erst.

Immerhin, sagt er wie zum Trost, jetzt kenne ich beide Systeme. Mir kann keiner mehr etwas erzählen

. Dann tritt er die Zigarette aus, blickt einem Huhn hinterher, das gerade aus seinem Wohnzimmer kommt, und sieht dabei aus wie jemand, der alles durchschaut hat.

Mehr über die geteilten Zeiten gibt es hier:

http://www.toponlineverlag.com

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