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Assads Meisterwerk

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ASSAD
Getty
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Die USA überlegen nun, die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), früher auch Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS), auch in Syrien anzugreifen. Erste Aufklärungsflüge finden wohl bereits statt. Damit ginge Assads strategischer Plan für den Bürgerkrieg völlig auf. Der Westen wird ihm letztendlich helfen, die Rebellion niederzuschlagen.

Für das Assad-Regime war es von Anfang an klar, dass ein Sieg im Kampf gegen die Aufständischen im eigenen Land vor allem auch auf der Propagandafront erreicht werden musste. Gaddafis Versuch, die Aufstände in seinem Land rein militärisch niederzuschlagen, endete bekanntlich mit einem Eingreifen eines Militärbündnisses unter Führung Frankreichs und Großbritanniens.

Wenn sein Regime also ein fremdes Eingreifen verhindern, dann musste es sicherstellen, dass die Rebellen als schlechtere Alternative zu dem Assad-Regime dastehen.

Assads Hilfe für Islamisten

Während das syrische Regime die Aufstände gegen sich als das Werk radikaler Islamisten verkaufte, erließ es zugleich eine groß angelegte Amnestie, bei der unter anderem führende Gründer bzw. Köpfe der beiden späteren Terrororganisationen al-Nusra und IS freigelassen wurden. Wie The National aus Abu Dhabi berichtete, blieben viele politische Gefangene in Haft, während hingegen bekannte islamische Radikale und Gewalttäter entlassen wurden. Die Freilassung gerade zu diesem Zeitpunkt ist für sich sicherlich kein Beweis, aber doch ein sehr gewichtiger Hinweis für eine bewusste Islamisierung der handlungsfähigen Opposition durch Assad.

„Anonyme Quellen" von The National berichten zudem, dass das Regime den Islamisten selbst die Waffen übergeben haben soll, um den steigenden Einfluss der Radikalen unter den Gegnern Assads zu garantieren. Wie weit dies glaubwürdig ist, ist unklar. Kein Zweifel besteht jedoch daran, dass das syrische Regime sein Vorgehen gegen die Aufständischen von Anfang an als Kampf gegen Islamisten verkaufen wollte.

Der jordanische Generalmajor Fayez Dwairi sagte The National, dass 46 führende Mitglieder von al-Nusra zu Beginn der Proteste noch in syrischen Gefängnissen gewesen seien und dann auf Anraten der syrischen Geheimdienste entlassen worden wären.

Assads Waffenstillstand mit IS

Dass das syrische Regime trotz seiner säkularen Natur keine Berührungsängste mit dem radikalen Islam hat, zeigt seine Unterstützung für die libanesische Hisbollah und die palästinensische Hamas.

Im Januar 2014 warf der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu dem syrischen Regime vor, insgeheim mit den Radikalen in Verbindung zu stehen. Dies erscheint zunächst absurd, sieht IS Alawiten doch als Häretiker an und tötet sie. Doch angesichts vergangener Bündnisse von radikalen Islamisten mit ihren ideologischen Feinden kann dies nicht ausgeschlossen werden.

Schon während des Irakkriegs ermöglichte das säkulare syrische Regime al-Quaida-Kämpfern das Einsickern in den Irak durch das eigene Land.

Lange Zeit gab es nur sporadische Kämpfe zwischen IS und syrischen Regierungstruppen, während IS das von den syrischen Rebellen der FSA kontrollierte Gebiet eroberte und hochrangige FSA-Kommandeure ermordete. Im Gegenzug wurde das von IS kontrollierte Gebiet scheinbar über viele Monate völlig oder zumindest weitgehend von Luftangriffen durch die syrische Luftwaffe verschont. Gleichzeitig handelte das syrische Regime mit den Islamisten und kaufte ihnen das Öl ab, das in dem von ihnen kontrollierten Gebiet gefördert wurde. Die dadurch gewonnenen Geldmittel machten einen wesentlichen Teil der Finanzierung von IS aus.

Vieles davon ist unbewiesen. Aber es gibt Indizien. Fakt ist, dass IS nach ihrem Erscheinen auf dem syrischen Schlachtfeld lange Zeit vorrangig gegen andere Rebellen gekämpft hat. Ob dies in Absprache mit dem Regime erfolgte, wie teilweise unterstellt wird, ist unklar. Klar ist, dass dort leichter Bodengewinne zu erziehen waren. Die amerikanische Journalistin Sarah Birke berichtete, IS sei mehr an der Etablierung eines eigenen Herrschaftsgebietes als an der Bekämpfung des syrischen Regimes interessiert.

Eine starke islamistische Opposition ist ein Vorteil für Assad

Für das syrische Regime war diese Entwicklung gleich mehrfach vorteilhaft. So lange IS die anderen Rebellen bekämpfte, waren diese geschwächt und abgelenkt und somit ein schwächerer Gegner für Assads Truppen.
Sobald IS und al-Nusra ein relevanter Faktor in dem Kampf wurden, konnte Assad darauf bauen, dass der Westen sich Waffenlieferungen an die Aufständischen verweigerte, weil zu befürchten war, dass IS und Konsorten sie in die Hände bekommen würden.

Je stärker die Islamisten in Syrien werden, desto fester sitzt das säkulare Assad-Regime wieder im Sattel. Nun kann es sogar erklären, es gehe gegen radikale Islamisten vor und unterstütze damit den internationalen Kampf gegen den islamistischen Terrorismus.

US-Luftunterstützung für Assads Streitkräfte

Wenn die US-Luftstreitkräfte jetzt Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien fliegen sollten, was, was von Seiten des Militärs als notwendig angesehen um IS zu besiegen, werden die USA de facto CAS (close air support) für Assad-Truppen leisten. Auch eine direkte Zusammenarbeit mit dem Assad-Regime wird es geben. Denn alle US-Luftschläge müssen faktisch mit der syrischen Regierung koordiniert werden, schon alleine damit es nicht zu Konflikten mit der syrischen Luftwaffe und Luftabwehr kommt.

Durch diesen Informationsaustausch wird Assad erfahren, an welchen Orten Offensiven zur Rückeroberung des von IS kontrollierten Gebietes am vielversprechendsten sind. Somit wird das Assad-Regime von diesen Luftschlägen profitieren. Als Resultat wird am Ende mindestens eine Stabilisierung der Assad-Regierung, wenn nicht gar ihr totaler Sieg stehen. Forderungen wegen IS mit Assad Frieden zu machen gibt es bereits.

Die fehlende Unterstützung für die FSA war der Fehler

Im spanischen Bürgerkrieg setzte sich die Verteidiger der Republik zunächst aus einer breiten Front zusammen, die gemeinsam gegen die Nationalisten kämpften. Unterstützung für die Republik kam im Wesentlichen aus der Sowjetunion, die Waffen und Ausbilder schickte. Die damit verbundene Möglichkeit, nur ihr eigenes Klientel zu stärken, hat den Einfluss der Sowjets und ihrer Statthalter rapide wachsen lassen, weshalb die Republik sehr bald durch Stalinisten dominiert wurde.

In Syrien war dies ähnlich. Die zumindest zu Anfang noch als moderat zu bezeichnenden Teile seiner Opposition erhielten keine nennenswerte Unterstützung, während die Türkei, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate die islamistischen Teile der Opposition mit Ausbildern, Kämpfern und Waffen verstärkten. Dies ermöglichte den radikalen Kräften eine dominante Rolle einzunehmen.

Die Lehre daraus: Die USA hätten die FSA von Anfang an stark unterstützen müssen, um ihre Dominanz unter den Aufständischen sicherzustellen. So aber wurde die Befürchtung, "es werden am Ende die Islamisten obsiegen" dank der tatkräftigen Unterstützung für die Islamisten aus dem islamischen Ausland zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.