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Das prorussische Propaganda-Kabarett des Volker Pispers

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Ukraine-Konflikt. Im Deutschen Staatsfernsehen, Abteilung 3sat, hat Volker Pispers eine Märchenstunde auf Kosten der GEZ-Zahler halten dürfen. Dabei präsentierte er sich in einer ekelhaft antiwestlichen Art, die ihm zu Eigen ist und brachte es mit zahlreichen Falschaussagen und Klitterungen zu billigen Lachern.

Minute 1:08: "Ein paar Betten sollten wir vielleicht auch bereithalten, für die Flüchtlinge, die demnächst aus der Ukraine zu uns herkommen werden. Sie wissen, auch da entsteht die Zivilgesellschaft gerade durch einen sehr schönen Bürgerkrieg."

Fakt ist: es ist kein Bürgerkrieg. Der Krieg war von Russland geplant, wurde durch russische Truppen ausgelöst und wird durch 90% russische Truppen und Söldner geführt. Es ist kein Bürgerkrieg und kein Aufstand, sondern eine Invasion durch Russland.

Minute 1:28: "Keiner kann verstehen, warum Moskau im Osten der Ukraine Separatisten unterstützt, anstatt beim Aufbau eines schönen NATO-Stützpunktes mitzuhelfen.

Fakt ist: Der Aufnahmeantrag in die NATO wurde 2008 in Bukarest abgelehnt. Ein Beitritt des Landes in die NATO stand somit außer Frage. Zudem waren Militärstützpunkte auf der Krim von Russland gepachtet, womit eine fünfstellige Zahl russischer Soldaten auf Jahrzehnte dort stationiert werden durften. Ein Beitritt des Landes stand somit, solange Nicht-NATO-Truppen dort stationiert sind, nicht mehr zur Debatte.

"Wann hat es das jemals gegeben?" Ahistorische Apologetik für den Aggressor

Ab Minute 1:41 fängt er mit einer antiamerikanischen Litanei an, in der Interventionen der USA aufgezählt werden.

Minute 1:48: "Ich erinnere mich dunkel daran, dass die USA in Afghanistan die Taliban und die Mudschaheddin unterstützt haben."

Fakt ist: Das ständige Wiederholen einer Lüge macht sie nicht wahr. Die USA haben Mudschaheddin in Afghanistan unterstützt, das ist richtig. Die Taliban existieren jedoch erst seit 1994, lange nachdem die USA aufgehört hatten, Kämpfer in Afghanistan zu unterstützen!

Die Unterstützung der Mudschaheddin fand im Rahmen des Kalten Krieges statt, wo der Rechtsvorgänger Russlands, die Sowjetunion, ihrerseits nicht nur Rebellengruppen, sondern auch Terroristen aller Couleur gegen den Westen unterstützt hat. Jedwede Terrorgruppe mit "rot" im Namen, sei es die RAF, die Japanische Rote Armee oder auch der Berufsterrorist Ramirez Sanchez - alle wurden durch "Russland" in Form seines Rechtsvorgängers unterstützt.

Dies war allerdings im Rahmen des Kalten Krieges und sollte und kann daher heute kein Maßstab mehr sein. Weder um Russland zu kritisieren, noch um es den USA vorzuhalten. Dinge müssen an ihrer Zeit gemessen werden.

Minute: 1:57: "Ok, in Nicaragua, haben die USA die Contras finanziert im Kampf gegen die Sandinisten, die waren auch demokratisch gewählt. Äh. Wenn wir jetzt schon dabei sind. Iran 1953. Der demokratisch gewählte Ministerpräsident wurde vom CIA geputscht. Weggeputscht, um den alten Shah wieder zu installieren und Salvador Allende, der demokratisch gewählte linke Präsident Chiles, wurde mit einem faschistischen Putsch hinweggefegt, organisiert von den USA. Sie haben in Libyen die Rebellen unterstützt, um Gaddafi loszuwerden.

Man könnte auch zusammenfassend sagen: Die vereinigten Staaten von Amerika haben in den letzten 40 Jahren nochmal [wohl: "noch mit"] jedem Schwein und Verbrecher auf der Welt zusammengearbeitet, solange die wirtschaftlichen Interessen der amerikanischen Großkonzerne gewahrt geblieben sind.

Fakt ist: Lassen wir kleine Fehler weg und ignorieren sie. Ob Pinochets Putsch beispielsweise "faschistisch" zu charakterisieren ist, möchte ich bezweifeln, doch das ist irrelevant.

Ja, er hat Recht. Die USA hat eine lange Liste der Interventionen in ihrer Vergangenheit. Und ja, die USA hat im Kalten Krieg mit Diktaturen zusammengearbeitet, solange sie antikommunistisch waren. Noch auf FDR, vor dem Kalten Krieg, geht das Bonmot zurück: "Somoza may be a son of a bitch, but he's our son of a bitch.". Diese Politik prägte durchaus einige der Präsidenten des Kalten Krieges, wenngleich beispielsweise Carter mitten im Kalten Krieg Shah Reza Pahlevi fallen ließ, gerade weil er eine Diktatur führte.

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Die Aufzählung Pispers ist jedoch an Geschichtsvergessenheit und Einseitigkeit nicht zu überbieten, wenn sie zur Verteidigung Russlands aufgeführt wird, während gleichzeitig die unzähligen Verbrechen "Russlands" zur gleichen Zeit, also der Sowjetunion, nicht aufgezählt werden.

Russland hat mit Waffengewalt mehrere demokratische Bewegungen blutig niedergeschlagen. 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei. Die Sowjetunion war es, die in Afghanistan einmarschiert ist, weshalb die USA überhaupt erst auf die Idee kamen, die Mudschaheddin zu finanzieren. Schon 1948, fünf Jahre vor dem Iran, hat die Sowjetunion die Regierung der Tschechoslowakei wegputschen lassen, um dort ein Kommunistisches Regime zu installieren. Die Sowjetunion feuerte unzählige Bürgerkriege und Aufstände im Kalten Krieg an. Sie führte Putsche und Mordanschläge am Fließband durch, während ihre Statthalter und Verbündeten, zumannen mit der Sowjetunion selbst, wohl 150 Millionen der eigenen Staatsbürger ermordeten.

Die von der Sowjetunion unterstützte Revolution Maos kostete mit Großem Sprung nach vorne und Kulturrevolution rund 80 bis 90 Millionen Menschenleben (nach Rudolph Rummel), dazu kommen die über 60 Millionen unter Stalin (Rummel) und die Millionen unter Pol Pot. Auch jedes andere der kommunistischen Klientelregimes hat im Inland fleißig gemordet, der durch die Sowjetunion erschaffene und unterstützte und bis heute von Russland unterstützte Staat Nordkorea mordet noch heute.

All dies ignoriert Pispers, was die Einseitigkeit seiner Aufzählung offensichtlich werden lässt und seinen Auftritt zu einem infamen Propagandastück macht.

Kleinere Fehler ignorierend und einige tatsächlich lustige Spitzen später sagt er dann bei Minute 4:03: "Man darf vielleicht auch mal daran erinnern, dass Russland den Westen nie überfallen hat."

Fakt ist: Auch hier ist schlicht Unsinn, was er schreibt. Wo Pispers den "Westen" sieht, weiß ich nicht. Ich würde aber durchaus Schweden, Finnland und Polen dazu zählen, die alle in den letzten Jahrhunderten ihre dicke Portion russischer Angriffe erleiden durften. Finnland und Polen wurden zuletzt 1939 von Russland überfallen!

Doch auch sonst ist die Aussage in etwa so aussagekräftig wie "Angola hat den Westen nie angegriffen." Ja, es konnte aber auch gar nicht! Russland war Zeit seiner Geschichte vor allem eine Landmacht, was die Projizierung seiner militärischen Macht auf die unmittelbaren Außengrenzen beschränkte. Die Nachbarn, die mit Russland eine Grenze teilen oder teilten, haben folglich in den letzten Jahrhunderten Krieg auf Krieg mit Russland geführt. Nicht immer durch Russland begonnen, wohl aber sehr oft.

Dass Russland beispielsweise Amerika nie angegriffen hat, mag stimmen, aber es konnte es auch schlicht nicht. Die Seeherrschaft war stets bei den westlichen Mächten, erst Großbritannien, dann den USA. Russland konnte damit nie konkurrieren und KONNTE den Westen somit gar nicht angreifen. Soll die Ermangelung von Fähigkeiten inzwischen tatsächlich der Entlastung dienen? "Herr Richter. Ja, mein Mandant hat die Frau vergewaltigt. Er hat sie aber nicht erschossen, weil er keine Schusswaffe dabei hatte. Das muss strafmildernd wirken!"

Bei Minute 4:17: "Es gibt noch ein Land, das noch nie seine Nachbarn überfallen hat. Eines der aggresivsten Länder, das wir überhaupt kennen, der Iran. Der Iran hat noch nie ein Nachbarland überfallen. Die sind immer von ihren Nachbarländern überfallen worden.

Fakt ist: Auch hier heißt es: Ständiges Lügen macht keine Wahrheit. Dies ist natürlich blanker Unsinn, und zwar in epochalem Ausmaß. Nur weil es das Mantra der Amerikahasser ist, wird es noch lange nicht richtig. Nicht nur, dass der Iran inzwischen massiv militärisch in Syrien und dem Irak interveniert, also Truppen in andere Länder schickt, was für Pispers bei den USA ein nennenswertes Verbrechen wäre. In den 70ern intervenierte das Land beispielsweise auch im Oman. Doch lassen wir die Interventionen beiseite.

Am 28. Juli 1826 überquerte eine 35.000 Mann starke persische (damals hieß das Land noch Persien, nicht Iran = Land der Arier) Armee unter der Führung von Abbas Mirza die Landesgrenzen und führte eine Invasion der Kahate Talysh und Karabakh durch. 1837 griff Persien/der Iran Afghanistan an und belagerte Herat. 1821 griff Persien das Osmanische Reich an.

"Noch nie ein Nachbarland überfallen" stimmt also wohl nicht ganz. Man könnte zahlreiche weitere Kriege aufzählen. Der Iran selbst sieht sich in der Tradition der persischen Reiche der Vergangenheit. Das gäbe mehrere Jahrtausende Militärgeschichte und Kriege, die man nun aufzählen könnte.

Dabei ist es keine Ausrede, von "Iran" und nicht von Persien zu sprechen. Das Land besteht in voller Kontinuität weiter und hat seine Umbenennung 1934 einem Rebranding zu verdanken, das es dem westlichen Kulturkreis näherbringen sollte und eine Anlehnung an das Dritte Reich erleichtern sollte, in dem gerade "Arier" die "Rasse" der Stunde waren.

Das "Land der Arier", so die Bedeutung von "Iran", ist Persien. Die Kontinuität vom Iran zu Persien ist dabei weitaus größer, als es die der Bundesrepublik Deutschland zum Dritten Reich ist. Dennoch würde niemand auf die Idee kommen, von "Deutschland hat in seiner Geschichte nie ein Land überfallen" zu sprechen und dann zu behaupten, Deutschland existiere ja erst seit 1949 oder 1990. So wie Thailand Siam ist und Siam Thailand, so ist auch der Iran Persien oder Persien der Iran.

Dass es seither eng mit Angriffen geworden ist, kann erneut nur unter Berücksichtigung der Umstände fair beurteilt werden. Der Iran war spätestens ab Mitte des 19. Jahrhunderts schlicht zu schwach für weitere militärische Abenteuer. Unter diesen Umständen niemanden anzugreifen ist kein Verdienst, sondern ein Zwang der Umstände. Dass Liechtenstein schon eine Weile niemanden mehr überfallen hat, wird dem Land ja wohl auch nicht wirklich ernsthaft als positiv angerechnet.

Ekelhafte Faktenverzerrung

Weiter oben wurde ein Teil seines Auftritts bereits erwähnt, der jedoch eine genauere Kommentierung verdient. Es ist der Teil, in dem Pispers sagt:

Man könnte auch zusammenfassend sagen: Die vereinigten Staaten von Amerika haben in den letzten 40 Jahren nochmal [wohl: "noch mit"] jedem Schwein und Verbrecher auf der Welt zusammengearbeitet, solange die wirtschaftlichen Interessen der amerikanischen Großkonzerne gewahrt geblieben sind.

Dies ist so dermaßen abscheulich, dass es seinen Geist wahrhaft enttarnt. Ja, die USA haben Diktaturen unterstützt oder zumindest geduldet. Auch wenn sie immer wieder zeigten, dass sie prinzipiell an freiheitlichen Werten und Menschenrechten interessiert waren, waren zumindest einige US-Präsidenten bereit, über diese Dinge hinwegzusehen, wenn die Alternative eine kommunistische Übernahme zu sein schien.

Entscheidend ist hier jedoch, dass diese Politik weitestgehend mit dem Kalten Krieg geendet hat. Auch heute werden noch Länder wie Saudi-Arabien als Partner und Verbündete gesehen, in denen die Menschenrechtslage alarmierend ist. Dies jedoch den USA vorzuhalten ohne zu erwähnen, dass Russland in der Sowjetunion Völkermörder gestützt hat und sich noch heute jedes noch so ekelhafte Regime der russischen Unterstützung sicher sein kann, solange es nur antiwestlich und antiamerikanisch ist, wird beflissentlich ignoriert.

Syrien und der Iran sind Käufer russischer Waffen und werden durch Russland mit Vetos im Weltsicherheitsrat geschützt.

Überhaupt: Den USA Interventionen und Kriege vorzuhalten, den USA die Unterstützung von Diktaturen vorzuhalten, um damit Russland zu entschuldigen, ist absurd. Ja, die USA machten und machen viel falsch und haben und hatten falsche Freunde. Sie haben sich jedoch nie einen derart abscheulichen Schlächter wie Ramsan Kadyrov als Satrapen im eigenen Land gehalten! Russland fängt mit der Unterstützung von blutrünstigen Diktaturen bereits im Inland an. All das ist Pispers jedoch keine Silbe wert!

Was darf Satire? Natürlich alles. So auch Volker Pispers. Aber wer unter Kabarett Propaganda und Lügen versteht, der muss auch damit leben, dass ihm jemand genau dies vorhält.

Dieser Artikel erschien zuerst auf torstenh.de

 

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