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Mutterschiff auf Erfolgskurs

19/03/2016 08:11 CET | Aktualisiert 20/03/2017 10:12 CET
Bloomberg via Getty Images

Der Online-Blog Mothership berichtet über Singapur und erreicht dabei vor allem junge Leute

Im Umfeld regulierter Medien ist es nicht leicht, in den Genuss unabhängiger, politischer Berichterstattung zu kommen. Entsprechend groß ist das Verlangen danach. In Singapur springt der Blog Mothership genau in diese Lücke - mit großem Erfolg, vor allem bei der jungen Zielgruppe.

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Glaubt man dem Vertrauensbarometer der PR-Agentur Edelman, sinkt die Glaubwürdigkeit von Zeitungen, Radio- und TV-Sender zunehmend, während gleichzeitig die Online-Medien an Vertrauen zulegen. Für die Millennium-Generation ist das Internet bereits eine ebenso vertrauenswürdige Nachrichtenquelle wie die klassischen Medien.

Das hat Auswirkungen auf den politischen Willensbildungsprozess - bis hin zur Wahlentscheidung, meint Alan Soon, Medienberater aus Singapur. „Entscheidend ist heute doch, wen die jungen Leute in ihrer Timeline bei Facebook abonniert haben", sagt er. Denn danach entscheidet sich, welche Nachrichten sie überhaupt erreichen.

Anzahl guter Nachrichten überschaubar


Gleichzeitig ist die Anzahl der guten Nachrichtenquellen für eine junge Zielgruppe äußerst überschaubar. In Singapur hat sich der 2013 gegründete Online-Blog Mothership einen Namen gemacht.

Das Projekt setzt sich ganz bewusst von den zahlreichen „Anti-Establishment-Seiten" ab und versucht neutral und fair zu arbeiten. „Unser Ziel ist es, unter den Millennials ein stärkeres Interesse für Nachrichten aus Singapur zu wecken", sagt Chefredakteur Martino Tan. Dabei sei das Konzept der Website, dass Singapurer für Singapurer berichten. Die Zielgruppe? „Ganz normale Leute", sagt Tan.

Und das Konzept geht auf. „48 reasons why you still feel for Singapore" hieß der Beitrag von Mothership zum 48. Nationalfeiertag des Stadtstaates. Er ging viral und zeigt deutlich die Herangehensweise der Macher: weniger kritisch als andere Blogs, dafür kreativer und lustiger. Die Leser werden die Ironie schon bemerken. Zum 90. Geburtstag von Singapurs Staatsgründer und Übervater gratulierten sie ebenfalls ironisch mit „90 reasons why you secretly fancy Lee Kuan Yew". Es ist immer eine Gratwanderung.

Mit solchen Beiträgen erreichen sie die jungen Singapurer vor allem über die sozialen Netzwerke und ziehen sie auf ihre Seite. 58 Prozent ihrer rund eine Million Leser sind zwischen 18 und 34 Jahre alt. Die monatlich 3,8 Millionen Zugriffe erfolgen zu über 70 Prozent per Smartphone.

Seriöse Berichterstattung und aktuelle Themen


Mothership ist allerdings keine Satire-Seite. Die Mehrheit der Artikel sind seriöse Berichterstattungen über aktuelle Themen. Zu den Parlamentswahlen 2015 startete die Redaktion am Tag der offiziellen Kandidatennominierung eine Microsite. Neben der (nach Wahlkreisen geordneten) aktuellen Berichterstattung wurden dort die Kandidaten porträtiert, Wahlkampfveranstaltungen bekanntgegeben und am Ende die Ergebnisse verkündet. Die sechsköpfige Redaktion steuerte die zahlreichen freischaffenden Journalisten in der ganzen Stadt per Whatsapp.

Während des Wahlkampfs konnte Mothership einige „Scoops" landen und sich so gegenüber den etablierten Medien behaupten. „Die oppositionelle Arbeiterpartei vertraut uns mehr als den staatlich regulierten Medien", erklärt Martino Tan. Deshalb hätte Mothership einen besseren Zugang zu den Oppositionskandidaten und hätte über viele Entwicklungen zuerst berichtet. Besonders gern erzählt er, dass die mächtige Singapore Press Holding in ihren chinesischen Zeitungsausgaben Beiträge von Mothership nachgedruckt hätte.

Allerdings bewertet Tan sein Projekt durchaus realistisch: „Wir können den traditionellen Medien keine Konkurrenz machen. Wir füllen aber die Lücken, die sie hinterlassen", erklärt er. Dann zieht er Parallelen zu Jon Stewarts Daily Show: „Wir sind das Dessert zu den Nachrichten."

2016-03-16-1458129773-3608458-HuffPost.Stephan_A.v1.2.pic.jpg Chefredakteur Martino Tan und Redakteurin Jeanette von mothership.sg am Clark Quay Singapur.

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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