Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Tonia von Gunten Headshot

Für Kinder ist es das Größte, wenn sie einfach mal spielen dürfen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHILDREN PLAYING GARDEN
knape via Getty Images
Drucken

Spielen ist für Kinder einfach alles. Sie sollten so viel wie möglich spielen, am besten täglich, so lange sie möchten, alleine und mit andern Kinder, immer und immer wieder. Und wenn wir sie lassen, tun sie das auch.

Sie spielen und entdecken, sie probieren aus, sie spielen alleine oder mit andern, sie streiten und versöhnen sich und ... sie lernen dabei jede Menge! Und was denken viele Erwachsene? Die Kinder würden dabei nicht viel lernen.

Sie sollten statt dessen lieber was Sinnvolleres machen. Ihre Hausaufgaben, ihre Ämter, ihre Übungen für die Musikstunde und Sport. Und dann werden die freien Stunden der Kinder verplant, als ob im Leben eines Kindes keine freie Minute mehr sein dürfte! Dabei gibt es für Kinder nichts besseres im Leben, als zu spielen! Sie brauchen dazu Material, Raum und Natur und Erwachsene, die sie spielen lassen.

Manchmal gilt es dabei auch, Langeweile auszuhalten. "Mir ist so langweilig! Ich habe nichts zum spielen! Niemand spielt mit mir." Am besten hält man sich dann mit Vorschlägen, was die Kinder spielen könnten, zurück. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird denen nämlich nach 15, höchstens 20 Minuten selber etwas einfallen.

"Es gibt für Kinder nichts besseres, als zu spielen!"

Klar spielen kleine Kinder noch nicht selbstständig und stundenlang. Und manch ein Spielzeug liegt plötzlich in der Ecke rum und wird anscheinend nicht mehr gebraucht, doch das kann täuschen! Vielleicht ist es für den Moment nicht mehr von Interesse?

Ich räume deshalb mit den Kindern immer mal wieder ein paar Sachen weg, denn ein bis oben mit Spielsachen vollgestopftes Zimmer bringt schließlich niemandem was. Ein paar Wochen oder Monate später lassen sich die Sachen wieder mir großer Freude aus dem Keller holen und werden dadurch fürs Kind mit Sicherheit wieder interessant.

Zudem braucht ein Kind nicht immer die allerneusten Spielsachen. So manches lässt sich dazu in der Natur finden, mit Freunden tauschen, ausleihen oder an einer guten Börse second hand kaufen.

Mit den kleinen Kindern ihre ganz eigenen Spiele zu spielen, das passt nicht allen Eltern gleich gut. Dabei wäre es relativ einfach! Was muss man tun? Eigentlich gar nichts! Ich zum Beispiel setze mich zum Kind hin und frage: "Was spielen wir denn jetzt? Wer soll ich sein?" Und dann fällt es mir meist viel leichter, so ein bisschen mitzuspielen.

Dabei halte ich mich meist schön brav zurück und überlasse die Geschichte dem Kind. Denn meine Ideen kommen selten gut an. Oder, wenn es mir gar nicht drum ist, dann guck ich auch mal nur ein bisschen zu. Das gefällt den Kindern meist viel besser als wenn wir Erwachsenen das Spiel bestimmen. Und plötzlich sagen sie: "Ach, jetzt kannst du wieder gehen." Auch gut!

"Ich halte mich zurück und überlasse die Geschichte im Spiel dem Kind."

Und wenn die Kinder größer werden? Ich finde es schön, wenn wir zusammen am Tisch sitzen und ein Spiel spielen. Da findet man wieder zusammen, kann lachen oder auch mal zum Ärger des Alltags Abstand gewinnen.

Wir haben mal in den Ferien ein Spiel so abgeändert, dass man sich zu den gewonnenen Steinen jeweils noch eine Süßigkeit schnappen darf (kann natürlich auch durch was Gesünderes wie Fruchtstücke, Nüsse oder Sultaninen ersetzt werden).

Dieses Spiel wurde kurzerhand zu unserem neuen "Schokoladenspiel" und es gewann urplötzlich enorm an Attraktivität. Klar, die Schleckereien standen bei den Kindern natürlich im Vordergrund, und doch ging es auch um das Spiel. Man muss ja zählen, würfeln, Regeln einhalten, nicht aufgeben, sich konzentrieren, gewinnen oder auch verlieren. Ach, was man doch beim Spielen alles lernt!

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Sollte aufräumen - will aber nicht. Inspiration für Eltern" von Tonia von Gunten, erschienen im Blue Bubble Verlag. Hier könnt ihr das Buch kaufen.

2016-07-04-1467625862-3737507-HUFFPOST1.png

Die Spielzeugindustrie boomt. Ob Elsa-Puppe, Spiderman-Kostüm oder die neueste Spielkonsole: Viele Kinderzimmer quellen über mit Spielsachen. Und die Kinder wollen immer mehr, denn nach kurzer Zeit ist das Spielzeug bereits langweilig und etwas Neues muss her.

Doch wie viel Spielzeug braucht ein Kind eigentlich? Bedeuten zu viele Spielsachen eine ständige Überforderung oder benötigen Kinder tatsächlich viele unterschiedliche Spielsachen für ihre Entwicklung?

Diskutiert mit. Schreibt uns eine E-Mail an Blog@huffingtonpost.de

Mehr zum Thema Spielzeugahn findet ihr hier.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-09-1468043190-9784650-2016060214648668675342179HUFFPOST3.jpgHier geht es zur Umfrage.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V." möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen."Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.