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Die größte Lüge, die ich meinen Kindern erzähle

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AXEL BERNSTORFF MOTHER
axel bernstorff via Getty Images
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Lügen ist schlecht. Das weiß ich.

Als Eltern aber lügen wir alle unsere Kinder manchmal an. Der Weihnachtsmann, der Osterhase und die Zahnfee - wir verpacken die Lüge in netten Geschichten und unterhaltsamen Erfahrungen, aber letzten Endes ist und bleibt sie eine Lüge.

Die größte Lüge allerdings, die ich meinen Kindern erzähle, ist nicht in Märchen gehüllt oder mit Glitzer bestreut. Sie ist einfach, schlicht und vier Wörter lang.

Ich bin fast fertig.

Das ist alles.

Wenn ich gerade angefangen habe, das Abendessen zu kochen und meine Kinder jammern und schreien "Mama! Essen!", sage ich ihnen "Ich bin fast fertig".

Ehrlicherweise müssen sie aber noch zehn Minuten warten, bis ich die Zutaten vorbereitet habe, 20 bis 30 Minuten, bis ich mit dem Kochen fertig bin und weitere zehn Minuten, bis das Essen abgekühlt ist, damit sie sich nicht die Zungen verbrennen, wenn sie sich gierig die Münder vollstopfen.

Wenn ich meiner zweijährigen Tochter die Haare kämme und sie sich nörgelnd versucht, aus meinen Armen zu befreien, sage ich ihr "Ich bin fast fertig", obwohl ich die mühselige Arbeit eben erst begonnen habe.

Ihre Haare zu entwirren und all die Dinge, die sie zuletzt gegessen hat, aus den Knoten zu fummeln, dauert seine Zeit. Wenn sie sich windet und kreischt und versucht zu entkommen, ändert das nichts an der Tatsache, dass wir eine Weile damit beschäftigt sein werden.

Doch das sage ich ihr nicht. Ich lüge sie an.

Wenn ich mich an meinen Computer setze und versuche, etwas zu arbeiten und meine Kinder beschließen, dass sie das, womit sie sich eben noch prima beschäftigt haben, auf einmal nicht mehr unterhaltsam ist, sage ich ihnen "Ich bin fast fertig".

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Die Wahrheit ist: Ich bin nie fertig oder fast fertig. Es gibt immer einen Blogbeitrag, den ich schreiben, ein Buch, an dem ich arbeiten, Emails, auf die ich antworten, eine Website, die ich updaten will.

Doch das sage ich ihnen nicht. Ich lüge sie an.

Wenn ich mich anziehe, aber sie mit mir spielen wollen...

"Ich bin fast fertig."

Wenn sie im Supermarkt den dritten Ausraster in den ersten drei Minuten hatten und sie unbedingt nach Hause wollen...

"Ich bin fast fertig."

Wenn ich ihren Badespaß unterbreche, um ihre erstaunlich klebrigen Körper zu waschen...

"Ich bin fast fertig."

Ich fühle mich nicht gut dabei, wenn ich meine Kinder anlüge, aber wenigstens erzähle ich ihnen nicht, ein Typ im roten Anzug steige unseren nicht-existenten Schornstein hinab, um ihnen Spielzeug zu bringen. Nicht bis kommendes Jahr zumindest.

Dieser Blog erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Lea Kosch aus dem Englischen übersetzt.

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(ame)