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Drei Jahre nach Fukushima kehrt das Leben im Meer zurück

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Drei Jahre sind seit dem großen Erdbeben in Japan vergangen. Das zeitweise völlig verwüstete Land gewinnt wieder an Farbe.

In Minamisanriku, in der Präfektur Miyagi, verloren 567 Menschen ihr Leben und weitere 217 gelten bis zum heutigen Tag als vermisst. Ich führte in meiner Nachrichtensendung ein Gespräch mit Nagaaki Sato, einem Unterwasserfotografen und Besitzer eines Tauchladens, der das vielfältige Unterwasserleben im Meer von Minamisanriku seit über 20 Jahren beobachtet. Dabei gilt seine Aufmerksamkeit insbesondere einer bestimmten kleinen Fischart namens Grunzgroppe. „Diese Fische sind für mich wie die als Glücksbringer geltenden Blauvögel. Ich kann unmöglich über meine Taucherlebnisse sprechen, ohne diesen Fisch zu erwähnen", erläutert er. Eine schicksalhafte Begegnung mit diesem kleinen Meeresbewohner war der Auslöser dafür, dass Sato einen Tauchladen eröffnete - den er passenderweise auch gleich nach diesem Fisch benannte - und mit der Unterwasserfotografie begann.

Im Juni 2011 ging Sato zum ersten Mal nach dem Erdbeben wieder auf Tauchgang in den Gewässern rund um Minamisanriku und musste feststellen, dass die ihm vertraute Unterwasserlandschaft nicht mehr wiederzuerkennen war. „Es gab keine Farben mehr. Die Meereswelt hatte ihre Farbe verloren." Die farbenprächtigen Fische und schönen Sandbänke, die das Meer bisher geziert hatten, waren vom Tsunami mitgerissen worden. Übrig blieben armselige Trümmer.

In den drei Jahren nach dem Unglück hat sich die Küstenlandschaft nur wenig verändert - doch im Meer fanden gewaltige Änderungen statt. „Ah! Hier, diese Fische, das sind Alectrias benjamini. Der Laich wird jeden Moment schlüpfen!", freut sich Sato. Diese Fische haben Seepocken zu ihrem Wohnort auserkoren. Wenn die Eltern bereit zum Schlüpfen ihres Nachwuchses sind, vibrieren sie mit der Schwanzflosse neben den Eiern, sodass die jungen Fische im Handumdrehen quicklebendig aus dem Ei schlüpfen.

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Bildnachweis: Nagaaki Sato

Die Grunzgroppe, der Fisch der Satos Leben so grundlegend verändert hat, ist nach drei Jahren in die Gewässer von Minamisanriku zurückgekehrt. „Diese Jungfische sind immer noch sehr klein. Doch sie sind in diesen Gewässern nach der Katastrophe aufgewachsen. Ich bin stolz darauf, dass sie bereits diese Größe erreicht haben. (zu den Fischen) Ihr seid so lebhaft! Und könnt schon so flink schwimmen!"

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Bildnachweis: Nagaaki Sato

Die Natur bemüht sich nach Kräften, ihr Überleben zu sichern und ihren ursprünglichen Zustand wiederzuerlangen. Die Tiere verschwanden nach dem Verlust ihres Ökosystems. Jetzt aber, nachdem sie sich drei Jahre lang um seine Wiederherstellung bemüht haben, nimmt ihr Leben immer häufiger wieder seinen gewohnten Gang.

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Bildnachweis: Nagaaki Sato

Und auch im Hinblick auf die Stadt und ihre Bewohner, die von diesem Unglück heimgesucht wurden, möchten wir darüber berichten, was sich in den vergangenen drei Jahren geändert hat. Seit der Einführung der HuffPost Japan im Mai letzten Jahres ist dies der erste Bericht zum Jahrestag der Ereignisse vom 11. März 2011. In diesen schweren Zeiten möchten wir mit den Menschen sprechen, die derzeit am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi arbeiten. Was hat sich in den letzten drei Jahren geändert, was ist gleich geblieben? Wissen wir genau, was im Reaktor vor sich geht und welche Risiken die Arbeit in dieser Umgebung birgt? Wir möchten auch mehr zur Stimmung im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 erfahren. Des Weiteren berichten wir weiterhin über den harten Alltag dieser Arbeiter sowie über die Helfer, die sie seit drei Jahren unterstützen.

Anlässlich des dritten Jahrestages des Erdbebens haben wir zahlreiche Kommentare und Blogbeiträge erhalten, darunter von Regierungsmitarbeitern, Journalisten, Entertainern und vielen anderen. Wir möchten an dieser Stelle allen ganz herzlich für ihre Mühe und ihre Unterstützung danken. Die HuffPost Japan wird auch weiterhin die Schauplätze des Unglücks besuchen und mit Betroffenen sprechen, damit wir diese Tragödie und ihre Konsequenzen niemals vergessen werden.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der HuffPost Japan.

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