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Wimbledon ohne Erdbeeren? Die Briten schimpfen auf den Brexit

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STRAWBERRIES
Ron Chapple Stock via Getty Images
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Im Londoner Vorort Wimbledon wird nicht einfach nur Tennis gespielt, dort wird auch ein gewisser Lifestyle zelebriert. Wer etwas auf sich hält, der kommt mit Hut, und wer keine Erdbeeren mag, der sollte besser gleich zuhause bleiben.

Erdbeeren mit Sahne gehören zum weltberühmten Tennisturnier wie der heilige Rasen, aber die Briten sind in diesem Jahr sehr beunruhigt, denn bedingt durch den Brexit ist der Nachschub der süßen Früchte in Gefahr.

Ein Markenzeichen mit Tradition

Genau zehn Erdbeeren mit einem Gewicht von 120 bis 130 Gramm und ca. 60 Gramm halb geschlagene Sahne passen in die kleinen Schalen, die am Rande des Tennisturniers in Wimbledon verkauft werden. Die Besucher sind besessen von den fruchtigen Köstlichkeiten und vertilgen in nur zwei Wochen 28 Tonnen, was übrigens dem Gewicht von 32 erwachsenen Eisbären entspricht.

Die Erdbeeren haben eine fast so lange Tradition wie das weltberühmte Tennisturnier selbst, denn schon im Jahre 1893 wurden die ersten Erdbeeren als kleiner vitaminreicher Snack für die Tennisfans angeboten. Die Erdbeeren wachsen in der Grafschaft Kent und werden dort von Saisonarbeitern, die ausschließlich aus Bulgarien und Rumänien kommen, gepflückt, gewaschen und für den Transport vorbereitet. Diese Saisonarbeiter und der Brexit bereiten den Briten jetzt große Sorgen.

Es geht nicht ohne

Bereits um vier Uhr in der Frühe beginnen die Bulgaren und Rumänen mit ihrer Arbeit auf den Erdbeerfeldern und wenn sie die Beeren nicht ernten würden, dann gäbe es in Großbritannien keine funktionierende Obstindustrie mehr. Im nächsten Jahr könnten zum ersten Mal Erdbeeren aus dem Ausland in den kleinen Schalen landen, wenn es keine Ausnahmeregelungen für die Saisonarbeiter aus der EU geben sollte.

Natürlich könnten auch gebürtige Briten diese Arbeit übernehmen, aber der Stundenlohn ist offenbar wenig attraktiv und so findet sich niemand, der vor Sonnenaufgang auf den Erdbeerfeldern stehen und pflücken möchte. Wenn importiert werden sollte, dann werden die Erdbeeren auch in Wimbledon um einiges teurer werden. In diesem Jahr zahlen die Besucher noch 2,50 Pfund für eine Schale, wird importiert, dann müssten die Preise zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder erhöht werden.

Die Erdbeeren gehören einfach zu Wimbledon und viele passionierte Tennisfans blicken sorgenvoll in die Zukunft. Sie müssen schon mit dem Brexit irgendwie leben, aber dass sie Erdbeeren essen müssen, die nicht unter der Sonne Großbritanniens gereift sind, das können viele nur schwer verkraften.

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