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Welche Schwangerschaftsuntersuchungen sind wirklich sinnvoll?

26/11/2015 19:22 CET | Aktualisiert 26/11/2016 11:12 CET
PhotoAlto/Ale Ventura via Getty Images

Bluttest und Ultraschall, Fruchtwasserentnahme und Urintest - es gibt viele verschiedene Möglichkeiten um herauszufinden, ob es dem Baby im Bauch der Mutter auch gut geht. Es gibt 56 verschiedene Verfahren rund um die Schwangerschaft, aber nicht alle dieser Untersuchungen und Tests sind auch für jede Frau wirklich sinnvoll.

Die Kosten für die Untersuchungen, die im Mutterpass aufgeführt sind, werden immer von den Krankenkassen übernommen, alle anderen Vorsorgeuntersuchungen müssen die Eltern aus eigener Tasche bezahlen.

Eine Ausnahme wird bei diesen kostenpflichtigen Tests nur dann gemacht, wenn es einen konkreten Verdacht gibt, dass mit dem Baby etwas nicht stimmen könnte. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass Untersuchungen, für die die Eltern selbst aufkommen müssen, weniger sinnvoll sind als die Untersuchungen, die im Mutterpass aufgeführt werden.

Wer sicher sein möchte, dass alles in Ordnung ist, sollte sich vom Arzt über diese verschiedenen Möglichkeiten informieren lassen.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sind im Mutterpass zu finden?


Jede schwangere Frau hat nach dem Gesetz einen Anspruch auf bis zu 14 Vorsorgeuntersuchungen. Unter anderem werden bei diesen Untersuchungen der Urin, das Blut und auch das Gewicht der Mutter kontrolliert.

Dazu kommen bis zu drei Untersuchungen mit dem Ultraschallgerät, die meist in der zehnten, in der 22. und in der 30. Schwangerschaftswoche (SSW) vorgenommen werden. Besteht ein erhöhtes Risiko, zum Beispiel beim Wachstum des Kindes oder wenn es zu Komplikationen kommt, dann übernehmen die Krankenkassen auch eine vierte oder sogar fünfte Ultraschalluntersuchung.

Eine junge gesunde Frau, bei der weder gesundheitliche Probleme zu befürchten sind und die auch keine Erbkrankheiten in der Familie hat, kommt mit diesem von der Kasse bezahlten Vorsorgeangebot aus.

Rund 97 % der Kinder, die in Deutschland geboren werden, kommen gesund zur Welt, aber es bleiben drei Prozent, bei denen das leider nicht der Fall ist. Um Krankheiten oder Behinderungen frühzeitig erkennen zu können, bieten Geburtskliniken und Frauenärzte einen erweiterten Katalog von Vorsorgeuntersuchungen an.

Die Fruchtwasseruntersuchung


Um festzustellen, ob es Veränderungen in der Struktur oder bei der Anzahl der Chromosomen gibt, ist eine Untersuchung des Fruchtwassers eine sichere Methode. Mittels einer dünnen Kanüle wird der Schwangeren durch die Bauchdecke direkt aus der Fruchtblase Fruchtwasser entnommen und auf mögliche Veränderungen wie Fehlbildungen des Gehirns und des Rückenmarks untersucht.

Durch eine Fruchtwasseruntersuchung kann der Arzt aber auch eine Trisomie 21 feststellen, und wenn das der Fall ist, dann haben die Eltern die Gewissheit, dass ihr Kind mit dem Down-Syndrom zur Welt kommt.

Fruchtwasseruntersuchungen gelten als sehr treffsicher, aber sie haben den großen Nachteil, dass das Baby bei der Entnahme des Fruchtwassers verletzt wird oder dass es im schlimmsten Fall sogar zu einer Fehlgeburt kommt.

Sinnvoll ist die Untersuchung für Frauen, in deren Familien es zu Erbkrankheiten wie Muskelschwund oder Mukoviszidose gekommen ist. Auch sogenannte späte Erstgebärende, also Frauen, die beim ersten Kind älter als 35 Jahre sind, sollten diese Untersuchung, die in diesem Fall von der Krankenkasse bezahlt wird, vornehmen lassen.

Ist ein Nackentransparenztest sinnvoll?


Der Nackentransparenztest, auch Nackenfaltenmessung genannt, ist ebenfalls eine Vorsorgeuntersuchung für ältere Frauen, die ihr erstes Kind bekommen. Die Nackenfalte im unteren Nackenbereich des Babys beschreibt eine Ansammlung von verschiedenen Flüssigkeiten.

Überschreitet diese Nackenfalte eine bestimmte Dichte, dann deutet das auf eine Veränderung in den Chromosomen hin. Anhand der Nackenfalte kann der Arzt einen Herzfehler, eine Verformung des kindlichen Skeletts oder auch die Trisomie 21 erkennen.

Untersucht wird die Nackenfalte mit dem Ultraschallgerät in Verbindung mit einem Hormontest, denn das erhöht die Genauigkeit der Ergebnisse. Die Kosten von 100 bis 250,- Euro müssen die Eltern selbst tragen.

Was ist ein Toxoplasmosetest?


Wenn im Haushalt der werdenden Eltern Katzen leben, dann ist ein Toxoplasmosetest auf jeden Fall sinnvoll. Katzen, aber auch ungewaschenes Obst oder Gemüse kann ein Überträger von Toxoplasmoseerregern sein und wenn diese Erreger in den Blutkreislauf des Kindes geraten, dann kann das schwerwiegende Folgen haben.

So kann es zu Verwachsungen der Augen kommen, aber auch zu gravierenden Fehlbildungen des kindlichen Nervensystems.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Toxoplasmosetest allerdings umstritten, denn der Erreger kann nicht zufällig gefunden werden. Das Ergebnis ist nicht sonderlich aussagekräftig und es müssen weitere Untersuchungen vorgenommen werden, bis es ein eindeutiges Testergebnis gibt.

Schwangere sollten deshalb kein rohes Fleisch essen, Obst und Gemüse immer sehr gründlich waschen und das Reinigen der Katzentoilette dem Ehemann oder Partner überlassen. Der Test kostet rund 50,- Euro und die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur dann, es einen konkreten Verdacht für eine Infektion gibt.

Wann sollte eine kardiotokografische Untersuchung gemacht werden?


Fast 90 % der schwangeren Frauen in Deutschland lassen eine kardiotokografische Untersuchung machen. Diese Untersuchung, die viele unter der Abkürzung CTG kennen, kontrolliert die kindlichen Herztöne und misst gleichzeitig mittels spezieller Drucksensoren, wie stabil die Gebärmutter ist.

Ein CTG dauert zwischen 20 und 30 Minuten und anhand der grafischen Darstellung kann der Arzt erkennen, ob das Herz des Kindes im gleichmäßigen Rhythmus schlägt. Ein CTG ist auch dann sinnvoll, wenn eine Fehl- oder Frühgeburt droht und es zu einer vorzeitigen Wehentätigkeit kommt.

Video: Winziger Babybauch: Raten Sie mal, im wievielten Monat diese Frau schwanger ist

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