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Schlafen international: Wer wo und wie zur Ruhe kommt

11/02/2016 16:46 CET | Aktualisiert 12/04/2017 11:12 CEST
Ghislain & Marie David de Lossy via Getty Images

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Schlafen ist eine köstliche Erfindung, meinte Heinrich Heine und Kurt Tucholsky war davon überzeugt, dass man den Leuten mehr Schlaf geben muss, denn dann werden sie wacher sein, wenn sie wach sind.

Schlafen ist etwas, was die Menschen überall auf der Welt miteinander verbindet, aber jede Nation und jeder Mensch schläft anders. Die einen gehen mit den Hühnern zu Bett, die anderen steigen mit dem ersten Hahnenschrei wieder aus den Federn.

Manche machen gerne ein kleines Nickerchen nach dem Essen und wieder andere sind nur dann wirklich fit, wenn sie mindestens acht Stunden tief und fest geschlafen haben.

Schlafen ist aber auch etwas Individuelles und auch etwas sehr Intimes. Geschlafen wird in einem weich gepolsterten Bett oder auf einer harten Matratze, viele Menschen können auf jeder Unterlage ihre Ruhe finden, andere schlafen nur dann gut, wenn sie im eigenen Bett liegen.

Auch wenn schlafen die Völker dieser Welt verbindet, ist es doch sehr interessant, mal über die eigene Bettkante hinaus auf die internationalen Schlafgewohnheiten zu schauen.

Bonne nuit oder schlafen wie Gott in Frankreich


Wer schläft, den hungertnicht, sagt ein französisches Sprichwort, eine Weisheit die zeigt, wie wichtig den Nachbarn in Frankreich die Nachtruhe ist. Die Franzosen schlafen, wie es sich gehört, in einem französischen Bett, das ohne störende „Besucherritze" auskommt, denn die Matratze ist durchgehend.

Da die Breite eines französischen Bettes selten das Maß von 150 cm überschreitet, laden diese Betten zum Kuscheln ein. Üppige Polsterbetten und eine Flut von Kissen sind ebenfalls sehr beliebt und auch die modernen Boxspring-Betten haben längst Einzug in die französischen Schlafzimmer gehalten.

Kalte Füße sind etwas Unangenehmes und damit es erst gar nicht so weit kommt, schlagen die cleveren Franzosen ihre Decke am unteren Ende der Matratze ein und haben auf diese Weise immer mollig warme Füße.

Inemuri oder wie schlafen die Japaner?


Besucher aus Deutschland werden sich wahrscheinlich die Augen reiben, wenn neben ihnen in der U-Bahn ein Japaner ein gepflegtes Nickerchen hält, aber keine Angst, das gehört im Land der aufgehenden Sonne zum guten Ton. Japaner nutzen praktisch jede sich bietende Gelegenheit, um zu schlafen.

Sie dösen auf dem Weg zur Arbeit ebenso gerne mal weg wie am Schreibtisch, in der Mittagspause, während eines Meetings oder in einer wichtigen Konferenz, sogar wenn Schüler im Unterricht eine kleine Schlafpause machen, dann stört sich nicht einmal der Lehrer daran. Inemuri heißt das Phänomen, was übersetzt so viel heißt wie: anwesend sein, aber schlafend.

Das Nickerchen der Japaner ist eine Art Halbschlaf, denn nur so können sie noch am Geschehen ringsum teilnehmen und verpassen in Bus und Bahn keine Haltestelle. Wichtig ist es aber, stilvoll wegzunicken, das heißt, die Damen dürfen den Mund dabei nicht öffnen und müssen die Beine zusammenhalten.

Sabbern, schnarchen oder sich aus Bequemlichkeit an den Nachbarn anlehnen, gehört ebenfalls nicht zum guten Ton. Chefs nicken gerne mal weg, aber nicht, weil ihnen langweilig ist, sie wollen damit ihren Untergebenen ein angstfreies Arbeiten ermöglichen.

Die Fähigkeit, immer und überall schlafen zu können, wird in Japan schon den Kindern antrainiert, denn japanische Häuser sind sehr hellhörig und es gibt im Haus keine separaten Schlafzimmer. Ganze Familien rollen am Abend ihre Futons auf dem Fußboden aus und schlafen im selben Raum.

Die große Vielfalt in amerikanischen Betten


Kaum jemand schläft so vielfältig wie die Amerikaner. Die Auswahl an Betten in den USA ist riesig und es gibt praktisch für jeden das passende Bett. Eine kleine Übersicht macht es einfacher, sich im Betten Dschungel der Amerikaner zurechtzufinden:

Twin oder Single Bett (Einzelbett) 99 x 190,5 cm
Extra Long Twin oder X-Long Twin 99 x 203 cm
Full oder Double (kleines Doppelbett) 137 x 190,5 cm
Queen (ein echter Klassiker) 152 x 203 cm
King oder Eastern King 193 x 203 cm
California King oder Western King 183 x 213 cm

 

Die USA sind die Heimat der Boxspringbetten, denen zwar der klassische Lattenrost fehlt, die aber eine Springbox haben, die den Unterbau des Bettes bildet. Die dicken Matratzen sorgen für einen angenehmen Schlummer und Kissen kann es auf einem amerikanischen Bett einfach nicht genug geben.

Wie die Deutschen, so schlafen auch die Amerikaner rund acht Stunden pro Nacht, aber sie haben auch gegen ein Schläfchen am Tag nichts einzuwenden. Das „Power Napping" wird gerne genutzt, um den Arbeitstag ein wenig zu verkürzen und um wieder fit zu werden.

Sehr traditionell - so schlafen die Deutschen


Die meisten Deutschen schätzen den acht Stunden Schlaf in der Nacht, schlafen am Tag wird allerdings als ein Zeichen von Schwäche ausgelegt und wird nur bei Senioren und bei kleinen Kindern akzeptiert. Wer am Tag ein Nickerchen macht, der gilt schnell als faul, denn schließlich ist die Nacht zum Schlafen da.

Auch die sogenannte Siesta-Kultur, wie man sie aus südlichen Ländern kennt, ist in Deutschland kein Thema, selbst wenn die Sonne am Mittag heiß vom Himmel brennt, würde kaum ein Deutscher auf die Idee kommen, eine kleine Schlafpause einzulegen.

Während sich in Japan die Eltern mit ihren Kindern und manchmal auch mit den Großeltern einen Raum zum Schlafen teilen, schlafen in Deutschland nur die Eltern in einem Zimmer, der Rest der Familie hat sein eigenes Schlafzimmer.

Geschlafen wird im Einzel- oder im Doppelbett, es gibt zwei Matratzen, damit jeder sein eigenes Reich hat. Neben dünnen, atmungsaktiven Decken schwärmen viele Deutsche noch immer vom klassischen Federbett, und auch hier gilt: Jeder bekommt seine eigene Decke, teilen ist kein Thema.

Fakten rund ums Schlafen rund um die Welt


  • 82 % der Mexikaner machen jeden Tag ihr Bett, in den USA und Kanada sind es nur 66 %
  • Deutsche, Briten, Amerikaner und Kanadier schlafen mit zwei Kissen, die Japaner kommen komplett ohne Kissen aus
  • Nur alle drei Wochen lüften die Amerikaner ihr Schlafzimmer, die Deutschen einmal in der Woche
  • In Spanien sind 75 % mit ihrem Schlaf mehr als zufrieden, die Hälfte der Franzosen schläft hingegen schlecht
  • In den USA teilen acht Prozent der Einwohner ihr Bett mit dem Haustier

Übrigens, bei den Inuit bestimmen die Hunde, wie kalt die Nacht ist, je mehr Hunde im Bett, umso tiefer sind die Temperaturen.

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