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Ist die Geldpolitik der EZB gescheitert?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ECB
Maremagnum via Getty Images
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Selten in der Geschichte war die Geldpolitik so locker, wie das aktuell der Fall ist. Historisch niedrige Zinsen, Billionen von extrem billigem Geld, das die Europäische Zentralbank in die Finanzsysteme der europäischen Länder, in die japanische und die amerikanische Wirtschaft pumpt - das alles reicht einfach nicht aus, um das Wachstum in der Welt dauerhaft anzuschieben. Der Glaube an die Finanzpolitik der EZB geht mehr und mehr verloren, dabei hatte es die EZB doch nur gut gemeint, aber leider hat sie es nicht sonderlich professionell ausgeführt.

Die Grenzen des Machbaren sind längst erreicht, trotzdem will die EZB, allen vorn ihr Chef Mario Draghi, nicht nachgeben. Längst steht fest, dass die Produktivität nicht gesteigert werden konnte, dass die Volkswirtschaften nicht wachsen und auch ein Rückgang der Inflation in Europa und in China ist nicht in Sicht.

Der Tropf für kranke Unternehmen

Die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa, hat die verfehlte Finanzpolitik der EZB jetzt mit drastischen Worten beschrieben. Die Ökonomen der OECD vergleichen die Europäische Zentralbank mit einer Art Tropf, der kranke Unternehmen mit billigstem Geld krampfhaft am Leben hält, obwohl diese Unternehmen kaum noch am Leben, sprich wettbewerbsfähig sind. Aus geldpolitischer Sicht wären diese Unternehmen normalerweise überhaupt kein Thema mehr.

Dank der Geldinfusion der EZB bleiben diese Unternehmen aber am Leben und am Markt, sie sorgen dort für ein stetiges Überangebot und verderben so den Unternehmen das Geschäft, die deutlich produktiver und innovativer sind. Wenn die Zinsen gegen Null tendieren, dann können auch Firmen, die krank sind, sehr leicht große Schuldenpakete stemmen, sie können sich ohne Probleme immer wieder neues Geld leihen, um dann die eigenen Aktien zurückzukaufen, oder können das Geld ohne Sinn und Verstand investieren, nur weil das Geld dank der EZB so schön billig ist.

Die Verbraucher sind die Verlierer

Das Ziel der Europäischen Zentralbank ist klar definiert: Das Wachstum und die Konjunktur müssen um jeden Preis gesteigert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Verbraucher zunächst davon abgehalten werden, weiter zu sparen, denn wer spart, der geht nicht einkaufen. Wie wird der Verbraucher vom Sparen abgehalten? Ganz einfach, die Zinsen werden so weit gesenkt, dass keiner mehr Lust verspürt, sein Geld auf die hohe Kante zu legen, denn Dank Negativzinsen vermehrt es sich dort nicht mehr.

Die niedrigen Zinsen verleiden den Verbrauchern aber nicht nur das Sparen, sie verleiten sie auch, Kredite aufzunehmen. Wer heute ein Haus bauen oder kaufen möchte, der kann von einem günstigen Zinssatz profitieren, in der Folge verschulden sich aber viele über Gebühr und denken dabei nicht über die möglichen Konsequenzen nach. Wie man es auch drehen und wenden mag, am Ende sind die normalen Verbraucher die Verlierer der Geldpolitik der EZB.

Die Banken müssen ebenfalls mit den Beschlüssen der EZB leben und sie geben alles nach unten, also zu ihren Kunden weiter. Einige Geldhäuser wie beispielsweise die Sparkasse, verlangen schon Negativzinsen, andere werden folgen. Das Girokonto, das seit Jahren kostenlos geführt wurde, kostet plötzlich Geld, der Verbraucher muss einmal mehr für die Geldpolitik der EZB büßen.

Frische Ideen sind gefragt

Nach Ansicht von führenden Ökonomen kann sich die Weltwirtschaft nur dann wieder vollständig erholen, wenn sie wieder auf die Wachstumsspur geführt wird. Die Geldpolitik muss sich wieder erholen und was noch wichtiger ist, sie muss sich wieder normalisieren. Es fehlt an guten Wachstumsbranchen, und die Gründer, die frische Ideen haben, finden keine Investoren mehr, da diese, unterstützt durch die Geldpolitik der EZB, mit wenig Risiko sehr viel Geld an den Aktienmärkten und auf dem Immobilienmarkt verdienen können. Auf diese Weise kann keine Wirtschaft dieser Welt wachsen, es braucht dringend einen strukturellen Wandel.

Selbst wenn es vielleicht schmerzhaft ist, nur wenn sich kranke Unternehmen vom Markt verabschieden, dann kommt die Wirtschaft wieder in Schwung, das ist jedoch unmöglich, solange die Geldhähne der EZB immer noch weit offen stehen.

Es ist die konventionelle und konservative Geldpolitik, die die Welt jetzt braucht, denn damit lässt sich die Produktivität wieder steigern, und es würde wieder investiert. Junge Unternehmen bekämen die reelle Chance, sich auf einem robusten Markt zu behaupten, aber das gelingt leider nicht, wenn das Geld keine Zinsen mehr bringt.

Mehr fördern

Eine Untersuchung, die die Ökonomen des OECD in Auftrag gegeben haben, kam zu einem erstaunlichen Ergebnis. Unternehmen, die wettbewerbsfähig sind und die stark wachsen, haben zuvor sehr viel Geld in die Entwicklung und in die Forschung investiert. Sie haben es aber auch vermieden, hohe Schulden zu machen, und sie haben sich von den Teilen des Unternehmens getrennt, die nicht mehr rentabel waren. Auf der anderen Seite haben diese Unternehmen kleine Konkurrenten gekauft, um so dem steigenden Druck durch die Konkurrenz standhalten zu können.

Nicht nur Unternehmen wünschen sich, dass die Zeit der Negativzinsen endlich zu Ende geht, auch die Verbraucher möchten wieder eine Geldpolitik, die es erlaubt, dass sie mehr aus ihrem Geld machen können.

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