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Ist der NC für Medizin bald Geschichte?

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Alle, die in Deutschland ein Medizinstudium anstreben, müssen in der Schule sehr fleißig sein. Ein guter Notendurchschnitt auf dem Weg zum Arzt reicht leider nicht aus, es muss schon ein sehr guter Schnitt sein. Aber damit könnte es bald vorbei sein, denn der Numerus clausus, kurz NC, kommt auf den Prüfstand. Nach einem Bericht der „BZ", befasst sich das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ab dem 4. Oktober mit dem NC.

Nicht mit dem Grundgesetz zu vereinbaren

Den Stein ins Rollen gebracht hatte das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen. Die dortigen Richter bezweifeln, dass sich der NC mit dem Grundgesetz vereinbaren lässt. Wer heute Medizin studieren möchte, der muss unter Umständen sehr lange auf einen Studienplatz warten. Für die Vergabe der begehrten Plätze gibt es ein sogenanntes Quotensystem. Rund ein Fünftel der Studienplätze geht an diejenigen, die die besten Noten im Abitur haben. Dann folgt ein weiteres Fünftel, das auf die Warteliste kommt und für die übrigen Plätze hat jede Universität ein eigenes Auswahlverfahren. Wer Pech hat, der muss bis zu 15 Semester auf einen Studienplatz warten.

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Hart umkämpft

Besonders der Bereich Humanmedizin ist sehr hart umkämpft. Alleine für das Wintersemester 2017/2018 gibt es mehr als 43.000 Anwärter, aber nur 9000 Studienplätze. Die Entscheidung der Richter in Gelsenkirchen wird mit der Tatsache begründet, dass die Noten im Abitur bundesweit nicht miteinander vergleichbar sind. Daher sollte es eine Landesquote geben. Die Noten spielen nach Ansicht der Richter zudem eine viel zu große Rolle. Bereits in den 1970er Jahren hat sich das Bundesverfassungsgericht schon einmal mit dem NC beschäftigt. Damals entwickelte das Gericht bestimmte Kriterien für die Vergabe der Studienplätze. Jetzt stellt sich die Frage, ob es in der Rechtsprechung eine Weiterentwicklung geben muss.

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Ärzte dringend gesucht

Rar sind in Deutschland vor allem Ärzte, die auf dem Land arbeiten möchten. In den weniger dicht besiedelten Regionen arbeiten Landärzte nicht selten weiter über das Rentenalter hinaus, weil sie keinen Nachfolger finden. Die Abschaffung des Numerus clausus könnte ein erster Schritt sein, um die Situation zu entspannen. Befürworter sehen zudem die Chance, dass auch denjenigen der Weg zu einem Medizinstudium geebnet wird, die keine vermögenden Eltern haben. Viele, die aus einem vermögenden Elternhaus kommen, wollen nicht auf den Studienplatz in Deutschland warten. Sie gehen nach Osteuropa, denn dort gibt es keine Wartezeiten an den Universitäten, allerdings kostet das Studium dort mehr als 10.000 Euro pro Jahr.

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