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Hat der Machtkampf um Horst Seehofer schon begonnen?

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Ist die CSU im freien Fall? Die Bundestagswahlen lassen es vermuten, denn die Partei um Ministerpräsident Horst Seehofer musste derbe Verluste hinnehmen. Damit nicht genug, jetzt bläst auch noch die Junge Union zur Attacke auf den Landesvater. Einflussreiche Mitglieder im Vorstand der Partei forcieren eine Doppelspitze und das alles mitten in den Jamaika-Verhandlungen. Viele fragen sich: Wie lange hält Seehofer noch stand und wie loyal ist Markus Söder eigentlich?

Immer mehr in der Defensive

Als Horst Seehofer auf dem Gipfel seiner Macht war, gab es in der CSU höchstens mal „Schmutzeleien" oder auch „Zwieseligkeiten". Diese Zeiten sind offenbar vorbei, denn der Ton wird rauer. Jetzt sieht sich Seehofer einem „Trommelfeuer" und einem „Kesseltreiben" ausgesetzt und sein Einfluss in der Partei ist deutlich kleiner geworden. Die „Augsburger Allgemeine" sieht einen erbitterten Machtkampf, an dessen Ende Seehofer sein Amt als Ministerpräsident verlieren könnte. Offenbar ist Finanzminister Markus Söder die treibende Kraft und das macht vielen in der CSU große Sorgen. Söder gilt als ehrgeizig und sein Machtkampf mit Seehofer kann der Partei großen Schaden zufügen. Nach dem Debakel bei der Bundestagswahl könnte es bei der kommenden Landtagswahl für die Christdemokraten noch dicker kommen.

Zurück nach Berlin

Am Rande der Sondierungsgespräche diskutieren die Granden der CSU darüber, wie die Zukunft für Horst Seehofer aussieht, wenn es zu einem Jamaika-Bündnis kommt. Der Ministerpräsident müsste dann zurück nach Berlin, denn nur vom Kabinettstisch aus kann er zum Angriff auf die anderen Koalitionsparteien übergehen. Die Landtagsfraktion der CSU möchte Markus Söder als kommenden Ministerpräsidenten in Bayern. Seehofer könnte dann die CSU auf bundespolitischer Ebene vertreten. Diese Doppelspitze bietet ein „breites politisches Spektrum". Im Notfall ist es dann kein Problem mehr, wenn München dagegen und Berlin dafür ist. Mit Edmund Stoiber und Theo Waigel hat das in den 1990er Jahren schließlich auch geklappt.

Es gibt einen Haken

Die Doppelspitze ist im Moment nicht mehr als ein Gedankenspiel und hat einen großen Haken: So gut wie niemand in der CSU glaubt daran, dass Seehofer dieses Arrangement mitmacht. Er ist nicht bereit, sein Amt zugunsten von Markus Söder aufzugeben. Freundschaften zählen in der Politik nicht, was aber zählt, das sind die gewachsenen Feindschaften. Söder ist klar im Vorteil, denn der Aufstand der Jungen Union hat gezeigt, dass Horst Seehofer angezählt ist.

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