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Buchmesse Frankfurt oder sieht so Demokratie aus?

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Die renommierte Frankfurter Buchmesse war lange Jahre ein Sinnbild für Seriosität, Qualität und Weltoffenheit. Neue Bücher und interessante Autoren standen im Mittelpunkt, die Worte Polarisierung und Chaos hatten auf der Messe in der Mainmetropole nichts zu suchen.

Das hat sich bei der diesjährigen Buchmesse drastisch geändert. Schlägereien, gegenseitige Beleidigungen, Pöbeleien, Drohungen und Rangeleien standen im Fokus, Bücher spielten dabei nur eine Nebenrolle. Wie konnte es so weit kommen und was haben die vollkommen überforderten Organisatoren falsch gemacht?

Demonstrieren um jeden Preis

Meinungsfreiheit heißt, dass jeder mit einer eigenen Meinung diese Meinung auch frei äußern darf. Die zahlreichen Demonstranten auf der Buchmesse in Frankfurt sahen das leider etwas anders. Da waren die linksorientierten Störer, die lautstark „Nazis raus" skandiert haben.

Die Antwort aus der rechten Ecke ließ nicht lange auf sich warten, „Jeder hasst die Antifa", war dort zu hören. Anlass für diese Auseinandersetzungen, bei der auch die Fäuste flogen, waren der Stand des Antaios-Verlages und der Auftritt des AfD-Politikers Björn Höcke, der am Stand des Verlages sein Buch vorstellte. Polizisten mussten für Ruhe sorgen, es flogen Fäuste und mehrere Besucher kamen in Gewahrsam.

Politisch wie noch nie

Der Bericht des „Tagesspiegel" macht schnell klar, in welcher Zwickmühle die Veranstalter der Buchmesse steckten. Auf der einen Seite betonten die Organisatoren, dass sie „dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung verpflichtet sind". Auf der anderen Seite hingegen lehnen sie die verlegerischen Aktivitäten der „Neuen Rechten" „entschieden" ab.

Die Stände dieser Verlage wurden immer wieder heftig attackiert, einige über Nacht leer geräumt und Lesungen mussten abgebrochen werden. Der Verleger eines linken Verlags bekam eine Faust ins Gesicht, er musste sich im Krankenhaus behandeln lassen und erstattete schließlich Strafanzeige. Die Frankfurter Buchmesse ist nie ganz unpolitisch gewesen, aber so kontrovers wie in diesem Jahr, ging es noch nie zu.

Die neue Demokratie

Es ist einfach, sich die Welt nach eigenen Wunschvorstellungen zurechtzubiegen und alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, zu verdammen oder zu ignorieren. Den offenen Dialog zu suchen, ist schon schwerer, aber es passt zu einer neuen, modernen Demokratie.

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