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40 Jahre nach dem Attentat - Terroristin bittet Sohn des Opfers um Verzeihung

02/12/2017 16:54 CET | Aktualisiert 02/12/2017 16:54 CET
sharpner via Getty Images

Vor 40 Jahren wurde der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer von den Mitgliedern der RAF kaltblütig ermordet. Jetzt, vier Jahrzehnte später, hat eines der Mitglieder den Sohn des Opfers um Verzeihung gebeten. Kommt diese Entschuldigung zu spät und wie hat der Sohn von Hanns Martin Schleyer reagiert?

Sieben Stunden

Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel" berichtet, haben die frühere Terroristin Silke Maier-Witt und der Sohn von Hanns Martin Schleyer über sieben Stunden miteinander gesprochen. Das Gespräch kam auf Initiative von Maier-Witt zustande, die zugab, dass sie sich in den vergangenen Jahren einer Verantwortung immer wieder entzogen hat. Heute, so die 67-jährige Witt, habe sie erkannt, dass es nichts hilft, immer nur auszuweichen, es ist wichtig, sich der Verantwortung zu stellen. Maier-Witt, die seit ihrer Entlassung aus der Haft in Skopje lebt, war es wichtig, Jörg Schleyer um Vergebung zu bitten.

Antworten auf viele Fragen

Seit nunmehr 40 Jahren sucht Jörg Schleyer eine Antwort auf die Frage, mit welchen RAF-Mitgliedern sein Vater die letzten Lebenstage verbracht hat und wer letztendlich die Schüsse auf ihn abgab. Jetzt hat ihm eine wegen Mordes verurteilte Terroristin seine Fragen beantwortet. Aus seiner Sicht, so Jörg Schleyer, wirkt Silke Maier-Witt glaubhaft und er hofft, dass dieses Gespräch erst der Anfang war. Vielleicht entscheiden sich noch mehr Täter von damals, ihr Wissen preiszugeben und über die Hintergründe zu sprechen.

Bitte an den Bundespräsidenten

Noch sind die Akten zum Mord an Hanns Martin Schleyer unter Verschluss. Jörg Schleyer hat jetzt den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gebeten, die Akten freizugeben. Das Bundespräsidialamt hat in den vergangenen Jahren immer wieder Einsicht in die Akten bekommen, zum Beispiel im Rahmen eines der acht Gnadengesuche, die die RAF-Mörder an den Bundespräsidenten gerichtet haben. Jörg Schleyer plädiert jetzt dafür, dass auch den Angehörigen der Opfer ein Einblick in die Akten nicht verwehrt werden darf.

Wer hat geschossen?

Das Attentat auf den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer war der Höhepunkt des dramatischen Geschehens im sogenannten „Deutschen Herbst" 1977. Schleyer wurde entführt und sechs Wochen später im Kofferraum eines Wagens im Elsass erschossen aufgefunden. Welcher der RAF-Terroristen Schleyer erschossen hat, ist bis zum heutigen Tag nicht vollständig geklärt. Ob Silke Maier-Witt im Gespräch mit Jörg Schleyer tatsächlich die Wahrheit sagte, lässt sich jedoch nicht beweisen. Für den 63-jährigen Jörg Schleyer wäre es aber wichtig, um mit diesem Kapital abschließen zu können.

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