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Der Dalai Lama hat dem Westen nicht alles erzählt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DALAI LAMA
James Sparshatt via Getty Images
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Es heißt immer, die Tibeter sind die Guten und die Chinesen die Bösen. So einfach ist das nicht. Das kann man sogar von der Playstation lernen. Das Videospiel Uncharted 2 von 2009 verarbeitet eine scheinbar absurde Idee: Nathan Drake, der Held, trifft im Himalaya auf Karl Schäfer, der behauptet, die Nazis hätten vor 70 Jahren eine Expedition Nach Tibet entsandt.

Kenner des Fachs nicken an der Stelle anerkennend. Offensichtlich hat jemand bei den Entwicklern richtig Ahnung von Geschichte. Die Abteilung Ahnenerbe war 1939 tatsächlich in Lhasa. Sie haben nur nicht den Cintamani-Stein gesucht wie im Spiel sondern die Ursprünge der arischen Herrenrasse. Ihr Auftraggeber: Heinrich Himmler. Der Anführer der Expedition: SS-Sturmbannführer Ernst Schäfer. Es ist eine fast unbekannte Episode des Dritten Reiches. Das hat der Dalai Lama dem Westen nicht erzählt.

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Follow the money

Dafür kann man vom Dalai Lama etwas anderes lernen. Wer Geschichte besser verstehen möchte, muß oft nur fragen, wer der Banker hinter dem König ist. Beim tibetischen Gottkönig sind das der CIA und sein verlängerter Arm, das National Endowment for Democracy (NED).

Dass der Ozean der Weisheit, wie man ihn auch nennt, auf der Gehaltsliste der Amerikaner steht, ist mittlerweile ein offenes Geheimnis. Die US Agenten haben ihn auch auf der Flucht nach Indien begleitet. Wobei mit dem Dalai Lama das gesamte Staatsvermögen außer Landes geschafft wurde. Der Gottkönig macht im Gegenzug, was sein Investor von ihm verlangt. Er ärgert China.

Dabei unterstützt ihn die „Free Tibet" Bewegung. Unter dieser Fahne wurden weltweit zahlreiche Organisationen gegründet, die Ihre Heiligkeit im Medienkrieg gegen Beijing Rückendeckung geben. „Free Tibet" hat sich aber auch zu einer Geldmaschine entwickelt. Das Netzwerk sammelt Spenden gutgläubiger und Erlösung suchender Menschen ein.

So können Lamas genau von dem Wirtschaftssystem gut leben, dessen mangelnde Spiritualität sie von Berufs wegen kritisieren. Damit das so bleibt stellt der Dalai Lama überzogene politische Forderungen, die China beim besten Willen nicht erfüllen kann. Der Buddha des Mitgefühls wurde im Laufe der Zeit zu einem zuverlässigen wirtschaftlichen Zugpferd. Mit Blick auf seine zumeist gut betuchte Anhängerschaft wie Richard Geere könnte man ihn wie eine Art Luxuslabel auf dem internationalen Markt der Heilsgüter betrachten.

Dalai Lama braucht ein Image

Als Marke gesehen braucht der Dalai Lama ein Image und eine Werbebotschaft. Er ist aber kein Auto. Er ist ein Gott und ein König. Es geht um Religion und um Politik. Seine "Produkte" sind Frieden und Gewaltlosigkeit. Wie erschafft man dafür ein künstliches Image? Das funktioniert über den Umbau der Basis, auf der alles ruht, den tibetischen Buddhismus, und über das Ausbügeln von historischen Falten.

Tibets Religion ist ursprünglich eher ein finsterer Woodoo Glaube mit schamanischen Elementen der uralten Bön Religion. Die Geschichte des Landes wurde wie fast überall auf der Welt mit Blut und Tränen geschrieben. Solche Dinge wecken negative Gefühle. Das ist schlecht fürs Geschäft. Also wurden sie rausgenommen.

Wild Kopulierende Schreckensgötter oder mit Leichen übersäte Schlachtfelder tauchen im westlichen Erscheinungsbild des tibetischen Buddhismus und in den Büchern des Dalai Lamas nicht mehr auf. Am augenfälligsten wird dieser Anpassungsprozess an der Entfernung des Swastikas. In Indien und Tibet ist das ein unbelastetes Symbol des Glücks. Aus naheliegenden Gründen hätte ein Hakenkreuz aber besonders in Deutschland zu Missverständnissen und Irritationen geführt.

Die Autobiographie

Der Dalai Lama hat viele Bücher geschrieben und gut verkauft. Seine erste Autobiographie war jedoch vergleichsweise ein Flop. Sie war nüchtern und sachlich. Sie beginnt mit dem Satz, dass Tibet schon lange keine Militärmacht mehr ist.

Das interessiert heute Historiker und die Chinesen. Aber nicht Petra Kelly und westliche Esoteriker, die in den 80ern anfingen, den Dalai Lama für Ihre Zwecke zu entdecken. Für sie war das ein Ausrutscher ihrer Heiligkeit. Sie wollten das nicht hören. Sie wollten in ihm einen new age Popstar und Hoffnungsträger für die Sinnkrise der Postmoderne sehen.

Extra für solche Menschen hat der Dalai Lama eine zweite Autobiographie geschrieben, eine Art historischen Weichspüler voller Magie und Wunder. Darin erzeugte er eine so perfekte Scheinidylle, dass ihm letztlich die ganze westliche Welt zu Füßen lag. Von Staatsoberhäuptern über Filmproduzenten bis hin zum Komitee des Friedensnobelpreises.

Er und vermutlich seine Berater schufen den Mythos vom friedlichen tibetischen Volk und vom gewaltlosen Widerstand gegen den chinesischen Einmarsch. Die zweite Autobiographie verkaufte den Menschen einen Traum. Sie wurde ein Bestseller.

Krieg im Namen Buddhas

Jetzt kommt die Playstation wieder ins Spiel. In den Berichten von Ernst Schäfer steht etwas ganz anderes. Dort lesen wir von Sex and Crime. Es sieht nicht danach aus, als ob Politik und Religion besondere Erfolge bei der Bändigung menschlicher Aggressionen oder Sexualität erzielt hätte. Erst recht nicht bei den erleuchteten Lamas.

Die Nazis hatten keine esoterische rosa Brille auf und sahen Tibet wie es wirklich war mit dem finsteren Okkultismus und einem drakonischen Strafvollzug. Sie sahen orgiastische Exzesse beim Neujahrsfest, ausufernde Prostitution und wie junge Mädchen zu Ritualen mit Lamas gezwungen wurden.

Keiner der heutigen Bewunderer Ihrer Heiligkeit hätte es lange im alten Lhasa ausgehalten. Das hat der Dalai Lama dem Westen nicht erzählt. Das steht auch im denkbar schärfsten Gegensatz zu Filmen wie 7 Jahre in Tibet.

Guerillakrieg in Tibet

In Geschichtsbüchern findet sich noch mehr. Dort erfahren wir etwas über Chushi Gangdrug. So heißt die bewaffnete Widerstandsbewegung, die sich den Chinesen beim Einmarsch in den Weg gestellt hat. Natürlich haben die Tibeter zurückgeschossen. Und wie! Es gab einen Guerillakrieg in Tibet. Unterstützt von der CIA.

Hauptdrahtzieher war der Bruder Ihrer Heiligkeit aber sie hat den Kampf moralisch unterstützt und gerechtfertigt. Das ist brisant für das Image des Dalai Lamas. Er und sein Volk haben das Versprechen des gewaltlosen Widerstands nicht eingehalten.

Seine Botschaft des Friedens entpuppt sich als nicht real. Aber gut, mit Blick auf die "Marke Dalai Lama" gilt im deutschen Werberecht die sogenannte erkennbar reklamehafte Übertreibung als zulässig. Red Bull verleiht ja in Wirklichkeit auch keine Flügel.

Soweit ein Einstieg oder eine Zusammenfassung dessen, was jeder schon oft gehört hat, der sich mit Tibet und dem Dalai Lama befaßt hat. Darauf lassen sich sehr aufschlußreiche Gedankenspiele aufbauen. Das folgt im nächsten Beitrag.

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