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17 Dinge, die Sie noch nicht über Drohnen wussten

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Drohnen töten Menschen, machen spektakuläre Videoaufnahmen und sollen demnächst sogar Pakete und Pizzas ausliefern. Vieles, das wie Science-Fiction klingt, ist heute bereits möglich. Hier einige Fakten über Drohnen, die sie vermutlich noch nicht kannten.

1. Es gibt über 1000 verschiedene Drohnenarten

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Nach einer Studie des Brandenburgischen Instituts für Gesellschaft und Sicherheit existierten 2013 weltweit mehr als 1200 verschiedene Modelle. Die Zahl beinhaltet sowohl zivile als auch militärische Drohnen.

2. Die am häufigsten verwendete Drohne ist ein kleines Flugzeug

Kein anderes Modell dürfte so häufig im Einsatz sein wie der RQ Raven 11. Die Drohne sieht aus wie ein handelsübliches Modellbauflugzeug. Sie wird von Hand gestartet, schießt Fotos und Videos und kehrt auf Knopfdruck zu ihrer Basis zurück.

Alleine die USA besitzen über 7000 Raven-Drohnen. Auch Streitkräfte anderer Länder setzen auf den schlichten Flieger. Insgesamt wurden bereits über 20.000 Stück ausgeliefert.

3. In Deutschland darf jeder Drohnen fliegen lassen

Die Bundesrepublik ist ein Drohnenparadies, zumindest im regulatorischen Sinne: Im Mai 2012 trat das "Vierzehnte Gesetz zur Änderung des Luftverkehrsgesetzes" in Kraft. Seitdem sind unbemannte Luftfahrtgeräte im Prinzip legal.

Voraussetzungen dafür: Sie dürfen nicht schwerer als 25 Kilo sein und müssen in Sichtweite bleiben. Wer das beachtet und seine Drohne lediglich als „Sport- oder Freizeitgerät" einsetzt, benötigt keine Genehmigung, um sie aufsteigen zu lassen.

4. Es gibt Modellbaudrohnen für Fans

Dass es Panzer oder Kampfjets als Modellbausätze gibt, ist nichts Neues. Seit kurzem bietet die Firma Revell jedoch auch die Killerdrohne MQ-9 Reaper zum Selberbasteln an, im Maßstab 1:48.

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5. Das "Fliegende Auge" ist inzwischen Realität

Die britische Firma BAE Systems hat eine neuartige Überwachungsdrohne namens ARGUS-IS entwickelt. Klingt nach Argusaugen? Soll es auch. Das System besteht aus 368 zusammengeschalteten Handykameras, die es gemeinsam auf 1,8 Gigapixel bringen.

Diese Auflösung reicht, um aus mehreren Tausend Metern Höhe knapp 40 Quadratkilometer zu überwachen - das entspricht einer mittelgroßen Stadt. Nicht ausschnittsweise wohlgemerkt, sondern vollständig. Argus kann einzelne Personen oder Fahrzeuge erkennen und speichert die Bewegungen aller beobachteten Objekte ab, sodass man diese später auswerten kann.

6. Drohnen produzieren immense Datenmengen

Die oben erwähnte ARGUS-IS würde im kontinuierlichen Betrieb eine Million Terabyte pro Tag generieren. Doch schon jetzt sind die von Drohnenkameras geschossenen Videos derart zahlreich, dass die Verantwortlichen nicht genau wissen, was sie mit dem ganzen Datenmaterial machen sollen.

2012 bat die US Air Force deshalb den Sportsender ESPN um Hilfe. Die Militärs wollten wissen, wie man aus den 327.384 Stunden Drohnenvideos, die ihnen vorlagen, am besten die Higlights herausfiltert.

7. Kurierdrohnen könnten Entwicklungsländern helfen

Amazon und DHL experimentieren mit fliegenden Kurierdrohnen. Sogar über die Auslieferung von Pizzas wird spekuliert.

Das Startup Matternet aus Palo Alto denkt noch weiter. Es möchte ein ganzes Logistiknetzwerk errichten - eine Art Ponyexpress mit Drohnen. Über das Matternet sollen in Ländern mit schlechter Infrastruktur lebensnotwendige Güter zugestellt werde. Die ersten Feldversuche laufen derzeit auf Haiti. Dort wurden durch das Erdbeben von 2010 viele Straßen zerstört, Drohnen könnten helfen.

Matternet in Haiti from Matternet on Vimeo.

8. Drohnen können Wale retten ...

Die radikale Umweltschutzorganisation Sea Shepherd setzt neuerdings Drohen ein, um die Aktivitäten japanischer Waltrawler zu überwachen.

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9. ... und Nashörner

Das kenianische Reservat Ol Pejeta setzt Flugdrohnen ein, um die wenigen noch lebenden Exemplare des Weißen Rhinozeros vor Wilderern zu schützen. Um die Flieger erwerben zu können, startete das Reservat eine Crowdfunding-Kampagne auf Indigogo und sammelte über 40.000 Dollar ein.

10. Nicht alle Drohnen können fliegen

Die meisten Drohnen sind unbemannte Flugzeuge (UAVs). Es gibt aber auch andere Formen. Die Bundeswehr entwickelt gerade ein Gerät namens „Wireless self-organised electrorheological Micro-Sensorsystem", kurz WOERMS, das wie ein Wurm aussieht.

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Und die britische Royal Navy setzt eine U-Boot-Drohne namens Seafox ein, die Minen neutralisieren kann:

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11. "Das Ding aus der Tiefe" ist eine Drohne

Apropos unter Wasser: Bei der amerikanischen Militärbehörde DARPA gibt es ein Projekt für spezielle Tiefseedrohnen, Codename "Upward Falling Payload" (also in etwa: nach oben fallende Sprengladung).

Diese Schläfer sollen in Friedenszeiten im Meer versenkt werden, um dann eines Tages zu erwachen und aus der Tiefe aufzusteigen, wie ... Godzilla oder der Große Cthulhu.

12. Drohnen machen Militärpiloten arbeitslos

Bereits ein Drittel aller Flugzeuge der US-Airforce sind unbemannt.

13. Die erste Killerdrohne ist über hundert Jahre alt

Die wohl erste Militärdrohne der Geschichte war ein ferngesteuertes Schnellboot aus dem Jahr 1898. Ihr Erfinder: Nikola Tesla.

Er bezeichnete seine Schöpfung als Teleautomaton. Nach seiner Vorstellung sollten Schwärme dieser mit Torpedos und Artillerie ausgerüsteten Boote feindliche Schiffe angreifen, ferngesteuert von Experten.

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Tesla ließ sich sein Boot patentieren und baute funktionsfähige Prototypen. Die Begeisterung der amerikanischen Marine hielt sich jedoch stark in Grenzen.

14. Drohnen werde immer billiger

Kleinere Quadcopter sind bereits für weniger als 500 Dollar zu haben. Sie besitzen eine Videokamera, Stabilisatoren und können vorab einprogrammierte Routen abfliegen.

15. Drohnen werden immer kleiner

Die zurzeit vermutlich kleinste erhältliche Drohne der Welt ist der Black Hornet Nano. Er wiegt lediglich 60 Gramm.

Forscher experimentieren jedoch bereits mit Modellen, die nur noch so groß wie Wespen oder Fliegen sind.

16. Die Zahl der Drohnen nimmt stetig zu

Als die Vereinigten Staaten 2003 ihren Angriff auf den Irak starteten, besaß das US-Militär einige hundert Drohnen. Als die Amerikaner abzogen, waren es fast 10.000. Zur Zahl der weltweit eingesetzten zivilen Drohnen gibt es keine belastbaren Zahlen.

17. Auch Kriminelle setzen Drohnen ein

Im Tatort "Kaltstart" mit Wotan Wilke-Möhring verwendeten Verbrecher eine Drohne. Unrealistisch? Nö. In der Nähe Birminghams benutzen Ganoven seit einiger Zeit anscheinend Drohnen mit Wärmebildkameras, um Cannabis-Plantagen ausfindig zu machen. Dann stehlen sie die Pflanzen oder erpressen die Drogenfarmer.

Tom Hillenbrand ist der Autor des Scifi-Krimis "Drohnenland", der am 15.Mai bei Kiepenheuer & Witsch erscheint.

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