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Vater eines Kita-Kindes: Auch Männer können Glucken sein

21/09/2015 17:38 CEST | Aktualisiert 21/09/2016 11:12 CEST
Lumi Images/Robert Niedring via Getty Images

Elterliche Truggeschichten: Dass das Baby nach wenigen Wochen bereits in seinem eigenen Bettchen schlafen würde, zum Beispiel. Oder das man nach einem Jahr wieder arbeiten gehen könne, weil das Kind dann ja bereits seit vier Monaten von ganz allein in die Kita hüpft.

Nein, eine Sache habe ich in meiner kurzen Zeit als Vater gelernt: Wer mit Kindern Pläne schmiedet, bekommt am Ende Pustekuchen und zwar nach althergebrachtem Tochterrezept. Das gilt im Grunde für alle Bereiche, insbesondere für die Kita-Eingewöhnung und um genau die soll es hier gehen.

Für Ohne-Hose ist es jetzt zu spät!

Ob Zufallsbekannte oder Langzeitfreunde, alle wunderten sich, ob das Kind mit eineinhalb Jahren denn überhaupt schon für den Kita-Besuch gewappnet sei? Eltern quetschen sich bei derlei Fragen natürlich nur sehr mühselig ein Lächeln ins Gesicht. Zu recht.

Allerdings kam keiner der besorgten Fragestellern auf die wahnwitzige Idee, für einen Moment mal nicht an das Kind zu denken. Niemand, der sich mal an mich gewendet oder gefragt hätte: „Mensch, bist Du denn überhaupt schon so weit? Geht das alles nicht ein wenig plötzlich?" Keiner, niemand, nirgendwo, jemals. Ich frage mich, habe ich in den letzten Tagen vielleicht aus Versehen meinen Unsichtbarkeitsumhang getragen?

Es passiert ja gerne mal, dass man ihn morgens vergisst abzulegen und dann gar nicht merkt, dass man ihn doch noch über den Kopf gezogen trägt. Klar, wer von uns Eltern kennt das nicht. Oder fragen Sie mal den Potter Harry. Aber Fehlanzeige. Ganz im Gegenteil.

Nicht nur, dass ich keinen Unsichtbarkeitsumhang trug, Nein, ich trug in den letzten Tagen sogar eine Hose. Moment, war das vielleicht der große Fehler? Das Tragen einer Hose? Ohne Hose hätte man mich vielleicht eher beachtet und nachgefragt, ob denn wirklich alles in Ordnung mit mir sei.

Ich rede mir ein, alles ist gut. Alles ist gut. Der Kinderladen unseres Vertrauens ist mit 13 Kindern wahrscheinlich der kleinste Kinderladen im ganzen Bezirk. Aufgrund behördlicher Verzögerung, man könnte auch sagen, Versagens, überschlugen sich die Dinge.

Und als ich fertig war mit Hände-in-die-Luft-Reißen und Haare-Raufen und bald schon wieder Boden unter den Füßen spürte, so hieß es: Plätze tauschen. Reise nach Jerusalem. Eingewöhnungsbeginn nicht erst in sechs Wochen, sondern: Montag, 10:00 Uhr. Aus meiner kleinen Tochter wird plötzlich ein Kita-Kind? Na, denn man tau.

Der Papa, die Glucke?

Gülden hätte dieser September eigentlich werden sollen. Die letzten gemeinsamen Sommertage, bevor mit aller Härte der Ernst des Lebens beginnen sollte. Und nun ist er ganz plötzlich da, der erste Montag im Leben meiner Tochter. Sie geht in die Kita und ich mit ihr. Wir werden uns wohl gemeinsam eingewöhnen.

Ausgebildete und selbsternannte Experten sprechen gern von Gluckenverhalten, wenn Mütter ihre Kinder nicht loslassen können und auch gar nicht wollen. War es mir früher völlig unverständlich, kann ich heute nachvollziehen, wie man in dieses Verhalten langsam hineinrutscht.

Heute gehe ich sogar noch einen Schritt weiter: In jedem Gluckenhaus muss es mindestens auch ein männliches Exemplar geben. Bin ich vielleicht diese eine Papa-Glucke im Gluckenhaus? Der Hahn, der gar nicht kräht, sondern lieber gluckt und mit dem Küken zu Hause bleibt?

Immerhin war ich derjenige, der dafür plädierte, meine Tochter nicht schon mit acht Monaten in die Kita zu geben. Ich könnte mir sogar vorstellen, ein weiteres Jahr mit ihr zu Hause zu bleiben.

Das Abenteuer beginnt

Aus meiner Tochter wird ein Kita-Kind und zwar ab Montag. Ich möchte Sätze sagen wie: „Kinder, sie werden ja so schnell erwachsen." So überrumpelt ich bin, ein bisschen freue ich mich auch darauf, gemeinsam mit meiner Tochter die Eingewöhnung zu bestreiten. Wer dann wem das Händchen halten muss, wird unser Geheimnis bleiben.

Über alles andere werde ich natürlich berichten. Die „Eingewöhnung mit Papa": Alles Nörgeln, Trotzen, Nichtloslassen, Brüllen, Essen-auf-den-Boden-Werfen, all das wird festgehalten werden. Und was meine Tochter derweil macht, werde ich am Rande natürlich auch erwähnen.

Ansonsten werfe ich mir einfach wieder meinen Unsichtbarkeitsumhang über. Der hat ja schon einmal ganz wunderbar sein Werk getan. Die Hosen kann ich ja später immer noch fallen lassen.

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