Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Tobias Stone Headshot

Trump, Brexit, Putin: Was gerade mit der Welt passiert, versetzt Historiker in Alarmbereitschaft

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP FANS
Andrew Lichtenstein via Getty Images
Drucken

Anmerkung: Dieser Essay enthält Links, die als weitere Literatur zu dem Thema oder als Stütze meiner Meinung betrachtet werden können.

Es scheint, als befänden wir uns wieder einmal am Anfang einer dieser blöden Phasen, die wir Menschen uns in schöner Regelmäßigkeit selbst einbrocken. Mein Hintergrund ist Archäologie und damit auch Geschichte und Anthropologie. Somit betrachte ich große historische Muster.

Meine Theorie ist die, dass der Blick der Menschen auf die Geschichte dadurch geprägt ist, was sie durch Erzählungen von ihren Eltern und Großeltern erfahren, er umfasst also ungefähr 50 bis 100 Jahre.

Um über diese Spanne hinaus zu blicken, muss man lesen, studieren und lernen, wie das Geflecht der Propaganda zu entwirren ist, das unweigerlich mit jeder Erzählung von Geschichte einhergeht.

Um es kurz zu sagen, im Studium würde ich durchfallen, wenn ich für eine Arbeit nicht mindestens zwei, wenn nicht drei verschiedene Standpunkte und gegenteilige Meinungen zu einem Thema vergleichen würde.

Einen einzigen Bericht der Ereignisse als die ultimative Wahrheit zu betrachten, entspricht nicht der komparativen, analytischen Forschung, die den Kern der britischen akademischen Welt ausmacht (ich kann nicht für alle Systeme sprechen, aber sie unterscheiden sich in dieser Hinsicht mit Sicherheit).

Wir katapultieren uns selbst in Phasen der Massenvernichtung

Aus der Ferne gesehen neigen wir Menschen dazu, uns immer wieder selbst in Phasen der Massenvernichtung zu katapultieren. Diese Liste fasst alle Kriege im Laufe der Zeit zusammen. Kriege sind tatsächlich die Norm für die Menschen, aber ab und an geschieht etwas wirklich Großes.

Ich spreche zum Beispiel von der Pest, dem Schwarzen Tod, der Europa einst heimsuchte. Zu Beginn von Boccaccios Decameron wird Florenz in den Händen der Pest beschrieben.

Es ist genauso unbegreiflich wie die Schlacht an der Somme, Hiroshima oder der Holocaust. Ich meine, man kann sich einfach nicht in diese Zeit versetzen und sich vorstellen, wie es gewesen sein muss. Für diejenigen, die die Pest miterlebten, muss es sich angefühlt haben, wie das Ende der Welt.

Aber eines der prägendsten Merkmale des Menschen ist seine Widerstandsfähigkeit. Für uns ist es ganz klar, dass wir die Pest überlebt haben, aber für die Menschen zu der Zeit muss es sich angefühlt haben, als würde es das Ende ihrer Gesellschaft bedeuten.

Tatsächlich aber haben sich viele Folgen der Pest langfristig als positiv erwiesen. Hier wird das gut zusammengefasst:

„Die Pest hat innerhalb kürzester Zeit die verletzlichsten Menschen jedes Alters jener Zeit angegriffen und sie zu Hunderttausenden getötet. Demnach könnte man sie als starke natürliche Selektion bezeichnen, die die schwächsten Individuen Europas in großer Zahl beseitigt hat.

Außerdem hat die Pest die sozialen Strukturen in einigen europäischen Regionen bedeutend verändert. Diese tragische Entvölkerung führte dazu, dass die Zahl der arbeitenden Menschen sank und die Löhne im Gegenzug stiegen.

Auch fielen die Preise für Waren, infolge dessen wiederum stieg der Lebensstandard. Die Menschen konsumierten qualitativ hochwertigere Nahrung."

Aber für die Menschen, die die Pest durchmachten, ebenso wie den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust oder die Hungersnöte in der Sowjetunion, muss es unmöglich erschienen sein, aus dieser Zeit gestärkt hervorzugehen.

Der Zusammenbruch des Römischen Reiches, die Pest, die Spanische Inquisition, der Dreißigjährige Krieg, die Rosenkriege, der englische Bürgerkrieg... die Liste ist lang. Zeiten der Massenvernichtung, von denen sich die Menschheit erholte und nicht selten gestärkt aus ihnen hervorging.

Zuerst scheinen die Dinge in Ordnung zu sein, dann nimmt das Unheil schnell seinen Lauf und plötzlich ist es unaufhaltbar und wir katapultieren uns selbst in eine Phase der Massenvernichtung.

Für die Menschen im Zentrum dieser Geschehnisse ist es eine schwere Zeit, die noch schwieriger zu begreifen ist. Sehr viel später ergibt alles für die Historiker einen Sinn, und wir sehen deutlich, wie eins zum anderen führte.

Die Schlacht an der Somme war eine direkte Folge der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Bosnien, das wurde mir bei der Gedenkfeier zum 100. Jahrestag der Schlacht wieder einmal verdeutlicht, aber ich bezweifle, dass die Europäer zu der Zeit geglaubt hätten, dass die Ermordung eines relativ unbedeutenden Adeligen zum Tod von 17 Millionen Menschen führen würde.

Es ist ein Kreislauf. Es passiert wieder und wieder, aber die meisten Menschen besitzen nur einen 50- bis 100-jährigen historischen Blickwinkel, und somit sehen sie nicht, dass die Dinge sich wiederholen.

Trump ist ein charismatischer Narzisst, der die Massen füttert

Als die Ereignisse, die letztendlich zum Ersten Weltkrieg führten, ihren Lauf nahmen, gab es ein paar kluge Köpfe, die warnten, dass große Dinge ganz gewaltig schief liefen, dass das Netz der Verträge in Europa zu einem Krieg führen könnte, aber sie wurden als Verrückte, Hysteriker oder Idioten abgetan, so wie es oft der Fall ist, und so, wie es jetzt denen ergeht, die mit Sorge auf Putin, den Brexit oder Trump schauen.

Ein kleines Etwas führt zu einer unaufhaltbaren Zerstörung, die hätte verhindert werden können, wenn man zugehört und nachgedacht hätte.

Auf den Krieg, der alle Kriege beenden sollte, folgte ein weiterer Krieg. Und wieder war es für die Historiker vorhersehbar. Wenn die Menschen das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Land und ihr Schicksal verloren zu haben, dann suchen sie nach einem Sündenbock.

Ein charismatischer Anführer macht sich die Stimmung zu Nutze und präsentiert den Menschen diesen Sündenbock. Er nutzt eine Rhetorik, die über keine Details verfügt, die Wut und Hass schürt. Bald schon bewegen sich die Massen vereint, hinter ihren Taten steckt keine Logik, und schon nimmt die unaufhaltbare Spirale ihren Lauf.

So gesehen bei Hitler, aber auch bei Mussolini, Stalin, Putin, Mugabe und so vielen mehr. Mugabe ist ein sehr gutes Beispiel.

Er hat den nationalen Frust angetrieben und den Ärger und die Wut gegen die Minderheit der weißen Landbesitzer gerichtet (die wussten, wie man Farmen bewirtschaftete).

Mehr zum Thema: Was wir tun müssen, damit es Deutschland nicht wie den USA ergeht

Er hat ihnen ihr Land weggenommen, um es an das Volk zu verteilen. Diese populistische Aktion führte dazu, dass die Wirtschaft und die Landwirtschaft zusammenbrachen und die Menschen zwar Land besaßen, aber dennoch verhungerten.

Ähnlich verlief es bei den Hungersnöten, die in der Sowjetunion und im kommunistischen China herbeigeführt wurden, und denen 20 bis 40 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Es scheint unbegreiflich, dass die Menschen Situationen schaffen, in denen Millionen von Menschen grundlos ihr Leben lassen, und trotzdem geschieht es immer wieder.

Über Kritiker wird höchstens gelacht

Die Menschen erkennen nicht, dass sie sich auf einem Weg befinden, der direkt in die Zerstörung führt. Sie wähnen sich im Recht und werden von einem wütenden Mob weiter angefeuert, über Kritiker wird höchstens gelacht.

Dieser Kreislauf, den wir auch schon beim Vertrag von Versailles, über den Aufstieg Adolf Hitlers bis hin zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beobachten konnten, scheint erneut seinen Lauf zu nehmen. Aber wie schon zuvor sehen es die Menschen nicht, weil:

1. Sie nur in die Zukunft und nicht auch in die Vergangenheit blicken

2. Sie nur ihre unmittelbare Umgebung beobachten und nicht die globalen Geschehnisse

3. Die meisten Menschen gegenteiligen Meinungen kein Gehör und keine Aufmerksamkeit schenken

Trump macht genau das in den USA. Diejenigen unter uns, denen die Geschichte einen gewissen Weitblick vermittelt hat, sehen es.

Lest diesen großartigen Essay aus dem New York Times Magazine, um zu verstehen, wie Plato all das beschrieben hat. Es geschieht genauso, wie er es vorhersagte. Trump will Amerika wieder groß machen, wo doch Amerika bereits groß ist - so besagen es jedenfalls die Statistiken.

Er nutzt die leidenschaftliche Wut und die Rhetorik auf die gleiche Weise, wie es seine Vorgänger getan haben. Er ist ein charismatischer Narzisst, der die Massen füttert und dadurch nur noch stärker wird. Er baut einen Kult um seine Person herum auf.

Man kann die Schuld dafür, dass Amerika bereit ist für Trump, auf die Gesellschaft, die Politiker oder die Medien schieben, aber der große historische Rahmen legt nahe, dass die Geschichte sich stets wiederholt, wenn jemand wie Trump die Bühne betritt.

Erweitert man das Blickfeld noch etwas und schaut auf Russland, so ist das Land eine Diktatur mit einem charismatischen Anführer, der die tiefsitzende Angst nutzt, um ebenfalls einen Kult um sich selbst herum aufzubauen.

Alles ist miteinander verknüpft

In der Türkei sieht es ähnlich aus. Ungarn, Polen und Frankreich sind auf dem besten Weg dorthin, und überall in Europa warten weitere Trumps und Putins nur auf ihre Chance und darauf, dass die Welle der Popularität sie erfasst - übrigens gestützt von Putin.

Wir sollten uns fragen, was unser Thronfolger-Franz-Ferdinand-Moment sein wird. Wie wird ein vergleichsweise kleines Ereignis eine Lawine ungleich größerer Ereignisse lostreten und damit eine Phase der Massenvernichtung einläuten. Wir haben den Brexit, Trump und Putin in der Isolation. Aber so funktioniert die Welt nicht. Alles ist miteinander verknüpft und beeinflusst sich gegenseitig.

Ich habe Pro-Brexit-Freunde, die mir sagen „Oh, DAS schiebst Du auch auf den Brexit?" Aber sie erkennen nicht, dass Historiker ausgehend von relativ kleinen Ereignissen feine Linien ziehen können, die sie direkt mit so riesigen politischen und sozialen Erdrutschen wie dem Brexit verbinden.

Wir sehen schweren Zeiten entgegen. Es wird unangenehm werden, vielleicht wird es die Hölle, vielleicht übersteigt es unsere Vorstellungskraft.

Brexit - eine kleine Gruppe wütender Menschen gewinnt einen Kampf

Der Lauf dieser Ereignisse kann sehr leicht auch andere Gruppen wütender Menschen dazu inspirieren, einen ähnlichen Kampf zu beginnen. Angetrieben von der Idee, dass sie ihn vielleicht gewinnen könnten. Das alleine kann schon eine Kettenreaktion auslösen.

Eine Atombombe wird nicht durch eine einzelne Atomspaltung gezündet, sondern dadurch, dass die Spaltung des ersten Atoms weitere Atomspaltungen zur Folge hat und dieses sich schließlich immer weiter ausbreitet.

Die exponentielle Steigerung der Atomspaltungen und die dadurch freigesetzte Energie ist schließlich die explodierende Atombombe. So begann der Erste Weltkrieg und es ist eine Ironie des Schicksals, dass der Zweite Weltkrieg so endete.

HuffPost-Tarif

Europa-Flat, Daten-Flat: Einer der günstigsten Handy-Tarife auf dem Markt

Mit der Spar-Aktion der Huffington Post in Zusammenarbeit mit Chip und Tarifhaus bucht ihr einen Smartphone-Tarif, der preislich kaum zu schlagen ist und eine Vielzahl an Vorteilen bietet.
Mehr Infos findet ihr hier.

Ein Beispiel dafür, wie der Brexit zu einem Atomkrieg führen könnte, ist das hier:

Der Brexit könnte dazu führen, dass in Italien und Frankreich ähnliche Referenden abgehalten werden. Le Pen gewinnt die Wahl in Frankreich. Europa hat nun eine gespaltene Europäische Union.

Die EU hat trotz all ihrer Mängel einen Krieg in Europa für einen längeren Zeitraum als jemals zuvor verhindert. Die EU ist außerdem eine mächtige Kraft, wenn es darum geht, Putins militärische Gebärden im Zaum zu halten.

Die europäischen Sanktionen gegen Russland haben die Wirtschaft schwer getroffen und geholfen, Russlands Angriffe gegen die Ukraine zu befeuern (dass die Bösen sich stets eine geschwächte Europäische Union wünschen hat schon seine Gründe).

Trump gewinnt in den USA

Trump wird isoliert, das schwächt die NATO. Trump hat bereits verkündet, dass er ein Eingreifen der NATO angesichts eines russischen Angriffs auf die Baltischen Staaten nicht automatisch gutheißen wird.

Mit einer gespaltenen EU und einer geschwächten NATO braucht Putin, der sich einer anhaltenden wirtschaftlichen und sozialen Krise in Russland gegenübergestellt sieht, nur einen weiteren Zwischenfall aus dem Ausland, um seine Leute um sich zu scharen.

Er unterstützt Anti-EU-Aktivisten in Lettland, die einen Aufstand russisch-stämmiger Letten im Osten des Landes, an der Grenze zu Russland, anzetteln. Russland schickt „Friedenstruppen" und „Hilfstransporte" nach Lettland, so wie es auch in Georgien und der Ukraine geschehen ist.

Er annektiert den Osten Lettlands, so wie er es auch mit der Krim getan hat (auf der Krim wohnen übrigens genauso viele Menschen wie in Lettland).

Ein geteiltes Europa, in dem die Staatsoberhäupter aus Frankreich, Polen, Ungarn, der Slowakei und anderen Staaten eine Anti-EU- und Pro-Russland-Haltung vertreten und von Putin unterstützt werden, und Sanktionen oder einer militärischen Antwort ablehnen.

Die NATO reagiert zögerlich: Trump will Amerika nicht mit in den Konflikt hineinziehen, und ein Großteil Europas zeigt sich gleichgültig oder blockiert ein Eingreifen.

Russland, das sich keinem Widerstand ausgesetzt sieht, rückt weiter nach Lettland und dann nach Ost-Estland und Litauen vor. Die Baltischen Staaten erklären Russland den Krieg und schlagen zurück, da sie aufgrund der Invasion keine andere Wahl haben.

Halb Europa steht ihnen zur Seite, nur ein paar Länder bleiben neutral, einige andere verbünden sich mit Russland. Wo steht die Türkei hier? Wie reagiert der IS auf diesen neuen Krieg in Europa? Wer setzt zuerst Atomwaffen ein?

Die Zeit ist reif für eine neue Phase der Massenvernichtung

Das ist nur ein Kronprinz-Franz-Ferdinand-Szenario. Die Möglichkeiten der weiteren denkbaren Szenarien sind aufgrund der massiven Komplexität und der vielen beweglichen Teile unendlich. Und natürlich haben viele dieser Szenarien überhaupt keine Konsequenzen.

Aber ausgehend von der Geschichte ist die Zeit reif für eine neue Phase der Massenvernichtung und ausgehend von der Geschichte deuten alle Indikatoren in genau diese Richtung.

Wir werden den Lauf der Ereignisse nicht vorhersehen können und so schnell die Kontrolle verlieren, dass die Geschehnisse nicht mehr aufzuhalten sind.

Mehr zum Thema: Es ist jetzt ein krasser Wandel nötig - in Politik, Medien und besonders unserer Zivilgesellschaft

Historiker werden irgendwann auf diese Zeit zurückblicken und in allem einen Sinn erkennen, sie werden sich fragen, wie wir so naiv sein konnten. Wie konnte ich in einem Café in London sitzen, diesen Essay schreiben und dabei nicht den Wunsch haben, die Flucht zu ergreifen.

Wie konnten Menschen diesen Essay lesen und anschließend verächtliche und sarkastische Kommentare darüber hinterlassen, dass die Brexit-Gegner aufhören sollten zu heulen und nicht alles auf den Brexit schieben sollten.

Andere werden diesen Essay lesen und bei meiner Bemerkung, dass Amerika bereits groß und Trump ein möglicher neuer Hitler sei, höhnisch grinsen (und ja, Godwin's Law). Aber mein Vergleich bezieht sich auf einen weiteren narzisstischen, charismatischen Anführer, der so lange den Hass befeuert, bis die Dinge außer Kontrolle geraten).

Es ist leicht, voreilige Schlüsse zu ziehen, die ein ganz anderes Szenario beschwören als jenes pessimistische Bild, dass das Gewicht der Geschichte nahelegt.

Das populistische Krebsgeschwür

Trump hat sich gegen die anderen möglichen republikanischen Kandidaten durchgesetzt, indem er ihren Behauptungen in den Debatten mit Schimpfwörtern und Verunglimpfungen begegnete. Es ist ein leichter Weg, der von der falschen Person beschritten wird.

Experten zu ignorieren und sie zu verhöhnen, so wie es zur Zeit des Brexit-Votums und Trumps Kampagne geschehen ist, ist nichts anderes, als einen Arzt zu ignorieren, der einem rät, das Rauchen aufzugeben, nur um später festzustellen, dass man unheilbar an Krebs erkrankt ist.

Ein kleines Etwas führt zu einer unaufhaltbaren Massenvernichtung, die hätte verhindert werden können, wenn man zugehört und nachgedacht hätte. Aber Menschen rauchen und Menschen sterben durch das Rauchen. So sind sie nun einmal.

Wir müssen einen Weg finden, die immer tiefer werdenden sozialen Spalten zwischen unserer geschlossenen Gruppe und anderen geschlossenen Gruppen zu überbrücken.

Was können wir also tun? Zurückblickend wahrscheinlich nicht viel. Die liberalen Intellektuellen sind immer in der Unterzahl. Siehe Clay Shirkys Twitter Shitstorm zu diesem Thema.

Die Menschen, die erkennen, dass offene Gesellschaften, nett zueinander zu sein, Rassismus entgegenzutreten und Kriege zu verhindern die bessere Wahl ist, verlieren diesen Kampf meistens.

Sie nutzen keine schmutzigen Mittel. Sie finden bei den Massen kein Gehör. Sie sind nicht gewalttätig, enden im Gefängnis, in Straflagern oder in Gräbern.

Wir müssen uns der Gefahr einer Spaltung bewusst sein und diese verhindern (siehe: Labour Partei), wir dürfen uns nicht darin verlieren, mit Fakten und Logik zu argumentieren, wir dürfen auf die Message der Populisten, gespickt mit leidenschaftlichem Hass, nicht mit ähnlichen Messages unsererseits reagieren. Wir müssen die sozialen Medien verstehen und nutzen.

Wir müssen eine andere Angst nutzen. Die Angst vor einem weiteren Krieg hätte den Zweiten Weltkrieg beinahe verhindert. Wir müssen unsere eigene Echokammer vermeiden.

Die Anhänger von Putin und Trump lesen nicht den Guardian, wenn wir uns dort Gehör verschaffen, erreichen wir doch nur unsere Freunde. Wir müssen einen Weg finden, die immer tiefer werdenden sozialen Spalten zwischen unserer geschlossenen Gruppe und anderen geschlossenen Gruppen zu überbrücken.

Und vielleicht schreibe ich das hier nur, um einmal von den Historikern als eine der Personen betrachtet zu werden, die das alles kommen sahen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Auch auf HuffPost:

Obama beruhigt: "Egal was passiert, die Sonne wird aufgehen"

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.