Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Tobias Rückerl Headshot

Rettungsanker Lufthansa: Eine Chance für Air Berlin und den deutschen Luftverkehr?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AIRLINES SUE FAA FURLOUGHS
Shutterstock
Drucken

Lufthansa wird offensichtlich bis zu 40 Flugzeuge inklusive Personal von Air Berlin mieten und wahrscheinlich auch diverse Inlandsstrecken übernehmen, um sie dann von ihrer Low-Cost-Tochter Eurowings betreiben zu lassen.

Gute Nachrichten für Air Berlin, aber sicherlich schlechte Nachrichten für den innerdeutschen Fluggast.

Fakt ist:
Wir sehen hier die nun letzte, nach Verzweiflungstat riechende Chance für die bereits in den Abgrund trudelnde, antriebslose Air Berlin, zu überleben.

Allein die finanzielle Unterstützung der arabischen Mutter Etihad hält die Fluggesellschaft noch in der Luft und am Leben, die mit negativem Eigenkapital sich eigentlich schon im Exodus befindet.

Natürlich hat niemand ein Interesse daran, dass Air Berlin pleitegeht.

Allerdings rächen sich nun ein übereilter Expansionskurs und ein unklares Geschäftsmodell. Für den Flugzeugmarkt wäre die Pleite einer derart großen Fluglinie sicherlich schwierig, denn die dann folgende Flut an Gebrauchtflugzeugen würde die Preise wieder verderben

Finanziell wird ebenso spannend zu sehen sein, ob dieser Deal Air Berlin tatsächlich retten kann, oder erstmal nur kurzfristig Liquidität in die staubtrockene Kasse spült. Denn die Kosten pro Flugstunde sind bei Air Berlin deutlich höher, als bei der Low-Cost-Konkurrenz. Und aus purem Mitleid wird Lufthansa sicherlich nicht "über Tarif" bezahlen.

Quo vadis Air Berlin?
Sehen wir hier nun den Einstieg in ein anderes Geschäftsmodell, dass Air Berlin nur noch zum Zulieferer von Personal und Flugzeugen anderer Airlines macht? Nicht die schlechteste Lösung.
Denn ohne eigene Strecken hat man auch kein Risiko; das haben dann die Auftraggeber.

Der nun geplante Deal bedeutet jedoch schlechte Nachrichten für den innerdeutschen Flugverkehr und seine Fluggäste..
Durch das Wegbrechen der lästigen innerdeutschen Konkurrenz wird Lufthansa wieder zum Monopolisten auf vielen Strecken. Der Fluggast wird dies bald an den Preisen merken, die nach Vollzug der Quasi-Übernahme ansteigen dürften.

Interessant ist auch, dass hier faktisch ein Bündnis zwischen der arabischen Etihad und der Lufthansa entsteht, mit Air Berlin als Kleber. Das ist nicht risikolos und wird von den bisherigen Bündnispartnern der Star Alliance sicherlich genau begutachtet werden. Speziell den Partnern aus den USA dürfte der eingeschlagene Weg kaum gefallen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.