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Industrie 4.0 ist der falsche Ansatz!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
INDUSTRIE 40
dpa
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von Tobias Kollmann und Holger Schmidt

Noch immer ist das VerstĂ€ndnis fĂŒr die bevorstehenden Änderungen im digitalen Zeitalter in der deutschen Wirtschaft nicht verbreitet. Testet man das Digitalwissen deutscher Manager, zeigen sich deutliche LĂŒcken, die zum Beispiel bei Studierenden deutlich geringer sind. „Die Digitalisierung im verarbeitenden Gewerbe wird nur von IT-Verantwortlichen als wesentliche Herausforderung in den nĂ€chsten zwei Jahren bewertet.

Auf Seiten der Produktions- und Fachbereichsverantwortlichen fehlt nach wie vor das VerstĂ€ndnis, in welchem Ausmaß technologische Entwicklungen die GeschĂ€ftstĂ€tigkeit ihres Betriebs verĂ€ndern werden", lautet ein Ergebnis des Marktforschungsunternehmens IDC, das grĂ¶ĂŸere Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 100 BeschĂ€ftigten nach dem Thema Industrie 4.0 befragt hat.

Digitalisierung = ServicegeschÀft

Im Fokus der bereits erfolgten Industrie-4.0-Anwendungen stehe aktuell die Erfassung, Überwachung und Kontrolle von Prozessen und Produkten. Die Fehlerreduzierung habe offenbar eine grĂ¶ĂŸere Relevanz als die Neugestaltung und Optimierung von Fertigungsverfahren. Es zeichnet sich eine Industrie 4.0 der zwei Geschwindigkeiten zwischen den Fabrikausstattern, die ihr „traditionelles" ProduktgeschĂ€ft durch innovative, zusĂ€tzliche Services erweitern und neue Umsatzquellen erschließen wollen, und den Fabrikbetreibern ab.

Vor diesem Hintergrund steht fest: Industrie 4.0 ist der falsche Ansatz! Die Digitalisierung der Fabriken reicht nicht aus, Wettbewerbsvorteile auf Dauer zu sichern. Im Gegenteil: Die Konzentration auf Effizienzvorteile in der Produktion verstellt den Blick auf die nötigen Innovationen auf der Produktseite, um die KundenbedĂŒrfnisse besser zu befriedigen. Hier liegt das Manko der deutschen Wirtschaft.

Digitalisierung = Wohlstand

Deutschlands langfristiger Wohlstand hĂ€ngt aber von der Digitalisierung ab, beschreibt Top-Ökonom Clemens Fuest die volkswirtschaftliche Bedeutung. Jetzt werden die entscheidenden Weichen fĂŒr das digitale Zeitalter gestellt. Noch hat Deutschland gute Chancen, aufgrund seiner starken Position in der traditionellen Wirtschaftswelt auch eine fĂŒhrende Rolle in der digitalen Welt zu ĂŒbernehmen. Doch dafĂŒr mĂŒssen wir aus den bisherigen Fehlern lernen und nun die richtigen Wege einschlagen, bevor auch unsere Maschinenbauer oder Autohersteller aus der ersten Reihe verdrĂ€ngt werden.

Noch sind viele Unternehmen aus Deutschland klare WeltmarktfĂŒhrer. Ihre bisherigen Wettbewerber aus den USA oder China sind im B2B-Bereich auch noch nicht viel weiter mit der Digitalisierung. Aber: Nicht unbedingt mĂŒssen die Wettbewerber von heute auch noch die Wettbewerber von morgen sein. Im Moment treten viele Digitalunternehmen, angefangen bei Google oder Facebook bis hin zu Tausenden von Startups aus den USA, China oder Israel, in etablierte MĂ€rkte ein. Wer nur seine bisherige Peer-Group im Auge behĂ€lt, ĂŒbersieht die neuen Konkurrenten schnell.

Digitalisierung = Herausforderung

Digitalunternehmen wie Google, Apple, Uber oder Tesla bauen zunehmend auch in den B2B-Branchen globale Plattformen auf, entwickeln Betriebssysteme fĂŒr das Internet der Dinge oder investieren Milliarden in Roboter. Die Kombination aus chinesischen Robotern und der Software von Google könnte eine gefĂ€hrliche Kombination fĂŒr Deutschland werden, warnt Fraunhofer-Forscher Thomas Bauernhansl. Die ersten autonomen Autos, die im normalen Straßenverkehr unterwegs sind, stammen von Google und fahren heute in Kalifornien - und nicht in Deutschland. Die meisten Industrieroboter werden heute in China eingesetzt - und nicht in Deutschland.

Wer vor diesem Hintergrund weiterhin meint, die Digitalisierung sei nur ein Randthema fĂŒr eine kleine Startup-Gemeinde, der muss schnellstens umdenken.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Deutschland 4.0 - Wie die Digitale Transformation gelingt", von Tobias Kollmann und Holger Schmidt welches im Springer Verlag erschienen ist. Das Buch zeigt, wie Deutschland als fĂŒhrende Industrienation auch in der Digitalen Wirtschaft ein starker Player werden kann. www.deutschland40.digital

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