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Industrie 4.0 ist der falsche Ansatz!

31/08/2016 12:08 CEST | Aktualisiert 01/09/2017 11:12 CEST
dpa

von Tobias Kollmann und Holger Schmidt

Noch immer ist das Verständnis für die bevorstehenden Änderungen im digitalen Zeitalter in der deutschen Wirtschaft nicht verbreitet. Testet man das Digitalwissen deutscher Manager, zeigen sich deutliche Lücken, die zum Beispiel bei Studierenden deutlich geringer sind. „Die Digitalisierung im verarbeitenden Gewerbe wird nur von IT-Verantwortlichen als wesentliche Herausforderung in den nächsten zwei Jahren bewertet.

Auf Seiten der Produktions- und Fachbereichsverantwortlichen fehlt nach wie vor das Verständnis, in welchem Ausmaß technologische Entwicklungen die Geschäftstätigkeit ihres Betriebs verändern werden", lautet ein Ergebnis des Marktforschungsunternehmens IDC, das größere Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 100 Beschäftigten nach dem Thema Industrie 4.0 befragt hat.

Digitalisierung = Servicegeschäft

Im Fokus der bereits erfolgten Industrie-4.0-Anwendungen stehe aktuell die Erfassung, Überwachung und Kontrolle von Prozessen und Produkten. Die Fehlerreduzierung habe offenbar eine größere Relevanz als die Neugestaltung und Optimierung von Fertigungsverfahren. Es zeichnet sich eine Industrie 4.0 der zwei Geschwindigkeiten zwischen den Fabrikausstattern, die ihr „traditionelles" Produktgeschäft durch innovative, zusätzliche Services erweitern und neue Umsatzquellen erschließen wollen, und den Fabrikbetreibern ab.

Vor diesem Hintergrund steht fest: Industrie 4.0 ist der falsche Ansatz! Die Digitalisierung der Fabriken reicht nicht aus, Wettbewerbsvorteile auf Dauer zu sichern. Im Gegenteil: Die Konzentration auf Effizienzvorteile in der Produktion verstellt den Blick auf die nötigen Innovationen auf der Produktseite, um die Kundenbedürfnisse besser zu befriedigen. Hier liegt das Manko der deutschen Wirtschaft.

Digitalisierung = Wohlstand

Deutschlands langfristiger Wohlstand hängt aber von der Digitalisierung ab, beschreibt Top-Ökonom Clemens Fuest die volkswirtschaftliche Bedeutung. Jetzt werden die entscheidenden Weichen für das digitale Zeitalter gestellt. Noch hat Deutschland gute Chancen, aufgrund seiner starken Position in der traditionellen Wirtschaftswelt auch eine führende Rolle in der digitalen Welt zu übernehmen. Doch dafür müssen wir aus den bisherigen Fehlern lernen und nun die richtigen Wege einschlagen, bevor auch unsere Maschinenbauer oder Autohersteller aus der ersten Reihe verdrängt werden.

Noch sind viele Unternehmen aus Deutschland klare Weltmarktführer. Ihre bisherigen Wettbewerber aus den USA oder China sind im B2B-Bereich auch noch nicht viel weiter mit der Digitalisierung. Aber: Nicht unbedingt müssen die Wettbewerber von heute auch noch die Wettbewerber von morgen sein. Im Moment treten viele Digitalunternehmen, angefangen bei Google oder Facebook bis hin zu Tausenden von Startups aus den USA, China oder Israel, in etablierte Märkte ein. Wer nur seine bisherige Peer-Group im Auge behält, übersieht die neuen Konkurrenten schnell.

Digitalisierung = Herausforderung

Digitalunternehmen wie Google, Apple, Uber oder Tesla bauen zunehmend auch in den B2B-Branchen globale Plattformen auf, entwickeln Betriebssysteme für das Internet der Dinge oder investieren Milliarden in Roboter. Die Kombination aus chinesischen Robotern und der Software von Google könnte eine gefährliche Kombination für Deutschland werden, warnt Fraunhofer-Forscher Thomas Bauernhansl. Die ersten autonomen Autos, die im normalen Straßenverkehr unterwegs sind, stammen von Google und fahren heute in Kalifornien - und nicht in Deutschland. Die meisten Industrieroboter werden heute in China eingesetzt - und nicht in Deutschland.

Wer vor diesem Hintergrund weiterhin meint, die Digitalisierung sei nur ein Randthema für eine kleine Startup-Gemeinde, der muss schnellstens umdenken.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Deutschland 4.0 - Wie die Digitale Transformation gelingt", von Tobias Kollmann und Holger Schmidt welches im Springer Verlag erschienen ist. Das Buch zeigt, wie Deutschland als führende Industrienation auch in der Digitalen Wirtschaft ein starker Player werden kann. www.deutschland40.digital

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