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Deutschland 4.0 - Wie die Digitale Transformation gelingt

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PEOPLE ROBOTS WORKING
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Von Tobias Kollmann und Holger Schmidt

Die Wissenschaftler Carl Benedict Frey und Michael Osbourne haben mit Hilfe von Robotik-Experten eine Liste der Jobs aufgestellt, die in den kommenden 20 Jahrzehnten höchstwahrscheinlich von Maschinen erledigt werden können.

Dazu gehören: Disponenten in der Logistik, Kreditanalysten in Banken, Chauffeure, Kassierer, Buchhalter, Makler, Call-Center-Mitarbeiter und Busfahrer. Sogar Bibliothekare, Verkehrspolizisten und Piloten weisen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent auf, bald durch eine Maschine ersetzt zu werden.

Digitalisierung = Arbeitsplatzverlust?

Das bedeutet nicht zwingend den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern die Notwendigkeit, den Job weiterzuentwickeln. Ob die BeschĂ€ftigten diesen Wandel aber schaffen, ist die große Frage. „Viele Arbeitnehmer werden das Tempo der Digitalisierung nicht mitgehen können - sie werden zurĂŒckbleiben. Das ist ein ernstes Problem und damit mĂŒssen wir uns beschĂ€ftigen", sagt MIT-Forscher Andrew McAfee.

TatsĂ€chlich haben industrielle Revolutionen in der Vergangenheit stets zu mehr ArbeitsplĂ€tzen gefĂŒhrt, auch wenn die Anpassungsphasen nicht immer reibungslos liefen. Bisher galt der Grundsatz, dass eine steigende ArbeitsproduktivitĂ€t zu Wachstum und damit zu neuen Jobs fĂŒhren wird.

➚ Mehr zum Thema: Was passieren muss, damit die Digitalisierung keine ArbeitsplĂ€tze kostet

Technischer Fortschritt hat die Arbeitslosigkeit also gesenkt, was als Kapitalisierungseffekt bezeichnet wird. Allerdings fĂŒhren neue Technologien auch zu einer stĂ€rkeren Reallokation der Arbeit. Das heißt: Viele Jobs fallen weg und dementsprechend mĂŒssen sich viele Arbeitnehmer neue Stellen suchen.

Es kommt also auch zu einer erhöhten Such-Arbeitslosigkeit, was als kreative Zerstörung bezeichnet wird. Die beiden Effekte wirken gegeneinander; der Netto-Effekt entscheidet, ob die Arbeitslosigkeit steigt oder fÀllt.

Nach Ansicht von Frey/Osborne dominierte in der Vergangenheit stets der Kapitalisierungseffekt, weil der technische Fortschritt wie die EinfĂŒhrung der Dampfmaschine oder die Automatisierung der Fabriken vergleichsweise langsam voranschritt.

Das könnte sich nun aber Ă€ndern: Der technologische Wandel findet nicht nur auf einem Gebiet, sondern parallel in fast allen Wirtschaftsbereichen statt. KĂŒnstliche Intelligenz, Roboter, selbstfahrende Autos, Drohnen, 3D-Druck, Sensoren oder Big Data sind die Schlagworte fĂŒr anstehende UmwĂ€lzungen in den Fabriken ebenso wie in den Verwaltungen der Unternehmen oder im Transportsektor.

Maschinen dringen jetzt in Bereiche vor, die ihnen bisher verschlossen waren. Und: Der technische Fortschritt verlĂ€uft sich linear, sondern er beschleunigt sich, weil sich Fortschritte in mehreren Disziplinen gegenseitig beflĂŒgeln.

Digitalisierung = Automatisierung?

Erstmals werden also nicht nur manuelle TÀtigkeiten (wie die Lagerarbeiter durch selbstfahrende Logistikroboter) ersetzt, sondern auch kognitive Jobs substituiert werden. Diese Breite der Substitution von Arbeit durch Kapital war bisher in keiner Phase technischen Fortschritts zu beobachten, was die Gefahr eines negativen Nettoeffektes, also steigender Arbeitslosigkeit, erhöht.

Die Gefahr technologischer Arbeitslosigkeit schwankt erheblich mit der formalen Bildung. Menschen, die nur ĂŒber eine Elementarbildung verfĂŒgen, weisen eine Automatisierungswahrscheinlichkeit von 80 Prozent auf, wĂ€hrend nur 18 Prozent der Promovierten um ihre Jobs bangen mĂŒssen.

➚ Mehr zum Thema: Digitalisierung ist eine Grundfrage fĂŒr Europa!

Ähnlich sieht der Zusammenhang zwischen Einkommen und Automatisierungswahrscheinlichkeit aus: Die BeschĂ€ftigten mit den 10 Prozent geringsten Einkommen weisen eine Wahrscheinlichkeit von 61 Prozent auf, wĂ€hrend die Gutverdiener am oberen Ende nur 20 Prozent aufweisen.

Entscheidend fĂŒr die Akzeptanz im technikskeptischen Deutschland ist aber die Reihenfolge der eintretenden Effekte. Da Effizienzsteigerungen als leicht erreichbare Ziele im Moment zuerst angegangen werden, bevor mit der Entwicklung neuer Produkte auch neue Jobs entstehen, ist mit zunehmender Arbeitslosigkeit zumindest in der Übergangsphase zu rechnen.

Wer in der Verwaltung oder seiner Fabrik effizienter wird, also Industrie 4.0 erfolgreich umsetzt, muss am Markt aber nicht erfolgreicher sein. Wem es also nicht gelingt, neue digitale Produkte zu entwickeln und damit Wachstum zu generieren, wird am Ende mit einem negativen BeschÀftigungseffekt aus der Digitalisierung herausgehen, der sich zudem beschleunigt, wenn ausbleibende Digitalerlöse den Rationalisierungsdruck erhöhen, wie es in den Verlagen gut zu beobachten ist.

Industrie 4.0 ist als Effizienzprogramm in der ersten Phase nicht auf die Schaffung neuer Jobs ausgerichtet. Erst der zweite Schritt, die Entwicklung neuer digitaler Produkte, bringt das notwendige Wachstum und damit neue BeschÀftigung.

Er gibt in diesem Fall aber keinen Grund, den ersten Schritt vor dem zweiten zu gehen. Im Gegenteil: Ohne neue Digitalprodukte nutzt die Effizienzsteigerung wenig. Mit der Entwicklung sollte also lieber heute als morgen begonnen werden.

Digitalisierung = Jobmotor?

Das sehen die fortgeschrittenen Digital-Manager sehr klar: „Nur wenn Digitalisierung zu Wachstum fĂŒhrt, mĂŒssen keine ArbeitsplĂ€tze abgebaut werden. Wenn wir nicht wachsen, werden wir unser Volumen mit weniger ArbeitsplĂ€tzen umsetzen können und auch mĂŒssen. Das gilt hochgerechnet fĂŒr die gesamte Volkswirtschaft: Die Stahlindustrie kann nur wachsen, wenn auch die anderen Industrien wie der Automobilbau wachsen", erklĂ€rt der Vorstandschef des Duisburger StahlhĂ€ndlers Klöckner, Gisbert RĂŒhl.

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Zwar hat die Digitale Wirtschaft bisher schon 240.000 ArbeitsplÀtze in Deutschland geschaffen und gehört damit zu den Jobmotoren. Die BeschÀftigung in der Internet-Wirtschaft, die hart auf Effizienz getrimmt ist, um international wettbewerbsfÀhig zu sein, wÀchst allerdings mit nur 8 Prozent im Jahr deutlich langsamer als der Umsatz.

Die Zahl der BeschÀftigten wird voraussichtlich von aktuell etwa 250.000 auf nur 332.000 in der Branche in vier Jahren steigen. Zudem haben viele dieser Jobs ArbeitsplÀtze in anderen Sektoren vernichtet.

Neu entstandene BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse bei Amazon korrespondieren mit verlorenen gegangenen ArbeitsplĂ€tzen in stationĂ€ren Buchhandlungen oder WarenhĂ€usern. Die Digitalisierung der Fabriken wird im verarbeitenden Gewerbe bis 2025 etwa 60.000 ArbeitsplĂ€tze kosten, schĂ€tzt das Institut fĂŒr Arbeitsmarkt und Berufsforschung.

Diese Effekte auf den Arbeitsmarkt mĂŒssen bedacht werden, um rechtzeitig zu reagieren. Aus- und Weiterbildung sowie Arbeitnehmer, die auf diesen Weg mitgenommen werden mĂŒssen, gehören zu den zentralen Aufgaben fĂŒr Politik und Unternehmen. Arbeitnehmer haben im Moment die Chance, mit einer Weiterbildung ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Deutschland 4.0 - Wie die Digitale Transformation gelingt", von Tobias Kollmann und Holger Schmidt, welches im Springer Verlag erschienen ist. Das Buch zeigt, wie Deutschland als fĂŒhrende Industrienation auch in der Digitalen Wirtschaft ein starker Player werden kann.

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