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Warum die Unabhängigkeit der Hochschulen extrem gefährdet ist

03/03/2015 15:56 CET | Aktualisiert 03/05/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Durch die Unterfinanzierung des Bildungssystems wird der Einfluss von Unternehmen auf Hochschulen immer größer. Unternehmerisches Denken und Abhängigkeit von Wirtschaftsinteressen entfernen deutsche Hochschulen immer mehr von der Freiheit der Lehre und Forschung.

Starker Einfluss von Unternehmen auf Hochschulen

An fast jeder Hochschule gibt es sie. Hörsäle benannt nach Aldi Süd oder der Sparkasse gehören inzwischen zum festen Bestandteil jener Einrichtungen, die freie Lehre und Forschung betreiben sollen. Der Einfluss von Unternehmen auf Hochschulen ist unübersehbar, die Tiefe der Verstrickungen von beidem ist allerdings intransparent und weitestgehend unklar.

Unabhängigkeit und Transparenz sind wichtige Güter der Wissenschaft, die nicht angerührt werden dürfen. Doch die Finanzierung der Hochschulen gestaltet sich äußerst schwer. Die staatlichen Mittel reichen bei weitem nicht aus, weswegen der Anteil an Drittmitteln seit Jahren steigt. So wurden im Jahr 2012 6,7 Milliarden Euro akquiriert. Davon stammen etwa 20 Prozent aus der gewerblichen Wirtschaft. Ein Viertel aller Hochschulmitarbeiter*innen werden in Deutschland über Drittmittel finanziert. Auf hochschulwatch.de werden 10.000 Kooperationen festgehalten.

Im Bereich der Lehre und Forschung an Hochschulen gewinnen Wirtschaftsinteressen so immer mehr Einfluss, was fatale Folgen haben kann. Es besteht die Möglichkeit der direkten Beeinflussung durch Unternehmen, etwa indem in die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen eingegriffen wird. Doch die Forschung wird auch durch die finanzielle Abhängigkeit verändert, da sich ihre gesamte Ausrichtung nach gewerblichen Interessen richtet.

Wirtschaftsnahe Studiengänge erfahren eine weit stärkere Förderung als andere Fachbereiche, wodurch das Forschungs- und Lehrangebot nachhaltig durch Wirtschaftsinteressen verändert wird. Besonders die Geisteswissenschaften leiden immer mehr unter diesen Eingriffen. Doch auch der akademische Diskurs verschwindet durch die alleinige Orientierung der Hochschulen an Geldwerten.

Transparenz und Reform der Hochschulen

Als erstes sollten alle Verträge zwischen Wirtschaft und Wissenschaft offengelegt werden, Abhängigkeiten ausgeschlossen werden und ein uneingeschränktes Recht auf Veröffentlichung gegeben sein.

Da Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft durch Interessenskonflikte mit der Wirtschaft nicht mehr uneingeschränkt vorhanden sind, benötigen wir dringend eine Reform der Hochschulen, welche sie wieder zu demokratischen Standards bringt. Transparenz über die Vergabe von Drittmitteln alleine kann allerdings nicht die Lösung sein. Vielmehr sollten die finanziellen Mittel durch den Staat so angepasst werden, dass die Hochschulen unabhängig von gewerblichen Drittmitteln aus der Wirtschaft agieren können.


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