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Die große Still-Diskussion

24/01/2016 08:38 CET | Aktualisiert 24/01/2017 11:12 CET
Westend61 via Getty Images

Okay, ich sage es gleich vorab: Ich werde in einer Woche Mutter eines kleinen Mädchens sein und ich werde nicht stillen.

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3-2-1 - Jetzt müsste eigentlich von vielen Müttern ein kleiner Aufschrei kommen. „Wie kann man das im Vorfeld schon festlegen?" „Es weiß doch jeder, dass Stillen das Beste für das Baby ist!", „Also zumindest sechs Wochen lang sollte man es schon versuchen, dem Baby Muttermilch zu geben".

Die Liste solcher oder ähnlicher Aussagen lässt sich übrigens endlos fortsetzen - ich habe davon in den letzten Wochen und Monaten so einige gehört. Die Aussage war identisch, der Grad des Entsetzens und die Tonalität unterlagen jeweiligen Schwankungen.

Ich werde nicht stillen und ich stehe dazu

Irgendwann hat mir eine schwangere Bekannte dann den Tipp gegeben, ich solle doch einfach sagen, ich hätte es versucht, aber es wäre einfach beim besten Willen nicht gegangen. Dann müsste ich keine Diskussionen führen und jeder hätte Verständnis. Aber offen gesagt: Das ist nicht mein Ding. Ich werde nicht stillen und ich stehe dazu.

Ich habe fast zehn Monate meinen Körper verliehen und auf mein abendliches Glas Rotwein verzichtet. Ich freue mich auf meinen ersten Gin Tonic mit Freunden in irgendeiner Bar. Da darf dann auch gerne eine Gurke drinnen sein:)

Ich möchte wieder konsumieren, worauf ich Lust habe, ohne daran zu denken, ob das denn erlaubt ist oder die Kleine vielleicht dadurch Blähungen bekommt. Und ich möchte flexibel sein. Mit meinem Freund auch mal alleine ausgehen, während meine Eltern auf den Nachwuchs aufpassen.

Ich will keinen 24/7-Mutter-Service bieten

Dadurch bin ich als Mutter entspannter und weniger gestresst. Natürlich gibt es Frauen, die die ersten Monate/Jahre nur für das Kind da sein möchten. Ihm einen 24/7-Mutter-Service bieten möchten. Wie ein Butler in einem 5-Sterne-Hotel. Was natürlich vollkommen okay ist - vorausgesetzt, man ist der Typ dafür.

Ich bin es eben nicht, und erlaube mir dennoch, Mutter zu werden und mein Kind zu lieben. Auch wenn die meisten Frauen die Einstellung haben: Gute Mütter geben alles für ihr Kind - eben auch die Brust, sehe ich mich nicht als Rabenmutter. Und nein, ein schlechtes Gewissen habe ich auch nicht, sondern freue mich auf das kleine Lebewesen, das demnächst eine Flasche serviert bekommen wird, die dann auch der Daddy mal verabreichen darf.

Und was mich auch stutzig macht: Stillt man nicht, wird man oftmals gleich als schlechte Mutter deklariert. Was aber ist, wenn die  Kinder älter sind? Es wäre auch das beste für´s Kind, jeden Tag gesundes Essen zu kochen und sich sportlich zu betätigen.

Millionen von Kindern ernähren sich ungesund und keinen interessiert es

Dennoch hauen sich Millionen von Kindern Mittags eine Leberkäsesemmel rein oder bekommen schnell ein Fertiggericht serviert und hocken anschließend vor der Playstation, statt auf dem Fußballfeld zu kicken.

Eine aktuelle Statistik besagt, dass gut 3,5 Millionen Jungen und Mädchen alleine in Deutschland an Übergewicht leiden. Adipositas und Fettsucht sind längst nicht nur im Fast-Food-Mekka USA ein Massenphänomen, sondern auch bei uns angekommen. Aber diese - für die Gesundheit des Kindes vielleicht noch wichtigere Diskussion - wird nicht halb so religiös geführt wie die Still-Frage.

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder eine total konträre Meinung? Freue mich auf Eure Kommentare!

PS: Ich wurde übrigens auch nicht gestillt, habe zwar einige Macken und Defizite aber führe diese definitiv nicht auf einen Mangel an Muttermilch zurück:)

Der Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin Mommies Use Side Door.

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