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Nach Köln: Ich fühle mich missbraucht

10/01/2016 14:19 CET | Aktualisiert 10/01/2017 11:12 CET
Dori OConnell via Getty Images

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Hey, ihr besorgten Abendlandretter! Das hier ist ganz speziell an euch gerichtet.

Ich möchte mich bedanken. Dafür, dass ihr euch jetzt so für meine Rechte als Frau einsetzt. Das wurde ja auch langsam Zeit, dass ihr kommt und "denen" sagt, man darf keine Frauen vergewaltigen.

Vorher war vielen Männern das ja gar nicht klar. Und mir ja auch nicht.

Wenn mir das einer gesagt hätte, dann hätte ich das doch damals gar nicht zugelassen. Mensch, ein bisschen eher, und ich hätte gesagt:" Ihr dürft das nicht!" Dann wären wir alle einfach einen Kaffee trinken gegangen. Das wäre eine Sause geworden.

Sexuelle Übergriffe den Deutschen!

Aber damals wusste das noch keiner. Da gab es ja auch kaum Asylbewerber in Deutschland, und wir mussten uns noch von deutschen Männern belästigen lassen. Das war nicht so schlimm. Das kam auch nicht so oft vor. Nur jede 7. Deutsche wurde vergewaltigt oder sexuell belästigt. Da könnt ihr euch ruhig mal auf die Schulter klopfen, liebe Männer.

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Aber jetzt, jetzt nehmen euch die Ausländer auch noch die sexuellen Übergriffe weg. Das geht nicht. Das darf nicht so bleiben. Sexuelle Übergriffe den Deutschen!

Aber kaum steht im Raum, dass es diesmal Ausländer waren, seid ihr da.

Wer seid ihr eigentlich? Wieso kommt ihr erst jetzt? Wo seid ihr gewesen, die ganzen letzten Jahrzehnte, in denen die Anlaufstellen für Opfer sexueller Gewalt in Deutschland nicht mehr nachkamen zu helfen? In denen Frauenhäuser notwendig wurden?

Aber kaum steht im Raum, dass es diesmal Ausländer waren, seid ihr da. Laut und deutlich und mit Argumenten, die Ernie und Bert aus der Sesamstraße besser durchdacht hätten.

Zur Information:

Wenn man auf die Straße geht, um sich gegen Vergewaltigungen an Frauen einzusetzen, ist "Ey, ich wünsch dir, dass du auch mal gefickt wirst von denen!" kein angemessenes Argument, um mich von euren Absichten zu überzeugen.

Und ja, diese PN habe ich tatsächlich erhalten. Und nicht nur ich. Viele Frauen, die versuchen, euch klar zu machen, dass "Asylbewerber sein" weder eine Ursache, noch eine Begründung für sexuelle Übergriffe ist, erhalten in den letzten Tagen solche Mails. Und noch schlimmer: Auch von anderen Frauen!

Ich habe also nur eins zu sagen, aber das dafür sehr deutlich:

Missbraucht uns nicht weiter!

Weder für eure ausländerfeindliche Hetze, noch für euer rassistisches Gedankengut! Benutzt uns nicht als Argument, irgendjemanden zu hassen, nur weil er eine andere Hautfarbe hat!

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Denn Sätze wie der obige zeigen sehr schön, welche Intention hinter eurer neuentdeckten Fürsorge steckt. Frauen zu respektieren und zu schützen ist es ganz offensichtlich nicht. Denn selten hat mir jemand etwas so Respektloses entgegengebracht.

Nein. Es ist pure Ausländerfeindlichkeit. Basta.

Die sexuellen Übergriffe in Köln waren abscheulich und frauenverachtend. Und sie sind keine Ausnahme in Deutschland. Verbale und körperliche Belästigung sind trauriger Alltag für Frauen. Ob Samstags im Club, in der U-Bahn, auf den Straßen.

Jetzt melden sich Frauen zu Wort!

Wir wollen eure Meinungen, eure Geschichten, euren Aufschrei - gemeinsam machen wir den Tätern und auch der Politik klar, dass es so nicht weitergehen kann. Frauen dürfen in Deutschland nicht mehr Opfer sexueller Gewalt werden. Schreibt uns eure Geschichten und/oder schickt ein Video an Blog@huffingtonpost.de.

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