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An alle besorgniserregenden Besorgtbürger

14/10/2015 15:49 CEST | Aktualisiert 14/10/2016 11:12 CEST
Sean Gallup via Getty Images

Liebe Wutbürger und rechtschaffene Doitsche!

Wie ich vor ein paar Wochen nach meinem Text über eine Flucht schonmal erwähnte, fühle mich geehrt, dass nun auch ich ein wenig von eurer schweren Besorgnis zu spüren bekomme.

Denn gibt es ein besseres Indiz dafür, dass man einen Nerv getroffen hat, als eine Ansammlung eures "Ich hab ja nichts gegen die Asylanten, aber..." Gestammels?

Also bitte lasst euch aus.

Ich bin dankbar, dass ihr mich besorgtbürgert und verdaswirdmanjanochmalsagendürft. Allerdings habe ich die Schnauze sowas von voll von eurem "Mirhilftjaauchkeiner-Gejammer" und eurer Märchenargumentenstunde!

Ich hab da mal ein paar Dinge zum Mitschreiben:

1. Es tut mir sehr leid, dass ihr eine schlechte Kindheit hattet. Leider steht die aber in überhaupt keinem Zusammenhang zu asylsuchenden Menschen!

2. Ihr seid arm. Der Fernseher ist kaputt. Und Ommas Altersheim kostet so viel. Hättet ihr mal was Vernünftiges gelernt. Hachja.

Info: Kein Flüchtling ist daran Schuld.

Das habt ihr ganz alleine verkackt.

3. Deutschland gibt so viel Geld für die Flüchtlinge aus!

Habt ihr mal nachgesehen, für was Deutschland sonst noch so Geld ausgibt? Und vor allem wie viel?

4. Die sind alle kriminell! Das weißt du von der Tante deiner Oma seinem Brudercousinnachbarn! Der arbeitet nämlich im Supermarkt um die Ecke, und der muss ja wissen, dass alle Flüchtlinge klauen! Und die Schwester vom Opa deiner... äh... irgendwas mit sexueller Belästigung jedenfalls! Fakt!

Natürlich gibt es kriminelle Asylbewerber.

Überall gibt es unter vielen Menschen eine Hand voll Idioten. Und deswegen sollen wir nun niemandem mehr helfen? Deswegen sollen Kinder verhungern, verdursten und ausgebombt werden?

Ich könnte ewig so weitermachen. Aber ich mag langsam nicht mehr. Die Menschen, die den Frieden hier stören sind nicht die Asylbewerber, sondern das seid ihr! Mit eurem Hass, wo andere Leute versuchen zu helfen, und euren ständigen Einwürfen von "Ich bin ja kein Nazi, aber...", während andere sich den Hintern aufreißen, um die Situation für alle (auch für euch!) etwas erträglicher zu machen.

Natürlich befinden wir uns im Moment in einem Ausnahmezustand.

Ich kann jeden verstehen, der ein paar Bedenken äußert und sinnvolle Überlegungen anstellt. Aber bitte mit Sinn und Verstand! Was ihr tut ist Nachplappern brauner Stammtischrhetorik. Das ist nicht hilfreich.

Das hat ein bisschen was von einer gemütlichen Bank im Park, von der aus man die Natur bewundert, und dann fliegt ständig eine braune Mülltüte durchs Bild.

Das ist doch hässlich.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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