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Ich hatte einen Wunschkaiserschnitt - deshalb bin ich noch lange keine schlechte Mutter

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Als ich vor ein paar Tagen über einen Artikel zum Thema Kaiserschnitt stolperte, sah ich die vielen bösen Kommentare darunter, die sich gegen Frauen richteten, die einen Wunschkaiserschnitt hatten. Ich hatte auch einen Wunschkaiserschnitt und würde es wieder so machen.

Ich verstehe die vielen verachtenden Meinungen nicht. Ich bin genauso eine Mutter, wie eine, die auf natürliche Weise ihr Baby auf die Welt brachte. Ich war genauso viele Monate schwanger. Ich tue genauso alles für mein Kind, wie jede andere gute Mutter, die eine natürliche Geburt erlebte.

Ich wollte mein Kind nicht wegen des Akts der Geburt. Der Geburtstag meiner Tochter war der aufregendste und schönste Tag in meinem Leben - egal ob sie rausgeschnitten oder rausgepresst wurde.

Jeder hat Respekt verdient, der ein Lebewesen in die Welt gesetzt hat, eine Schwangerschaft durchgemacht und Narben freiwillig auf sich genommen hat - ob nun unten rum oder am Rand des Bauches.

Seien wir doch froh, dass wir selbst bestimmen können

Wieso muss man einander so beschimpfen? Ich habe Respekt vor jedem, der eine natürliche Geburt gewählt hat und vor jedem, der sein Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht hat. Seien wir doch froh, wir Frauen in der westlichen Welt, dass wir selbst über unseren Körper bestimmen können und lasst uns an diejenigen denken, denen dieses Privileg vergönnt bleibt.

Ob Wunschkaiserschnitt oder geplanter Kaiserschnitt oder Notkaiserschnitt oder natürliche Geburt mit PDA oder ohne - wir Mütter haben das Wunder erleben dürfen, neues Leben zu erschaffen. Ich persönlich bevorzuge geplante Schmerzen, Statistiken, auf die ich mich verlassen kann und vor allem mein eigenes BAUCHgefühl. Na und?

Gewünschte und geplante Kaiserschnitte verlaufen in der Regel zuverlässig - selbstverständlich mit Risiken, wie jede andere Operation auch. Aber eine natürliche Geburt birgt noch viel mehr Unvorhersehbares für Mutter und vor allem für das Kind.

Die Medizin ist heute so weit entwickelt, aber was die natürliche Geburt angeht, gibt es immer noch so viele Faktoren, die unberechenbar sind. Wieso verurteilt man Frauen, die sich diese Ungewissheit nicht antun wollen und einen Kaiserschnitt bevorzugen, auf den sie sich in Ruhe und besonnen vorbereiten können?

Glücksmomente auf dem OP-Tisch

Ich spürte selbst unter Spinalanästhesie diesen unbeschreiblichen Moment, als meine Tochter endlich aus meinem Bauch gehoben wurde. Ein Gefühl der unendlichen Erleichterung und des Glücks überkam mich.

Genau dieselben Gefühle, die auch viele Frauen nach einer natürlichen Geburt beschreiben. Ich durfte sogar erste Wehen erleben, denn meine Tochter entschied, dass sie früher aus meinem Bauch wollte und kündigte dies mit einem Blasensprung vier Wochen vor dem natürlich errechneten Geburtstermin an.

Von "geplant" konnte man bei ihrer Geburt auch nicht wirklich reden. Aber von "gewünscht" und "gewollt". Unter Wehen schmerzverzerrt musste ich mich tatsächlich vor einer sehr rabiaten Hebamme noch rechtfertigen und erklären, dass ich mich von vornherein für einen Kaiserschnitt entschieden und mich mental darauf eingestellt hatte.

Wo bleiben die Geburtsvorbereitungskurse für Kaiserschnitte?

Wo bleibt die Toleranz und Selbstbestimmung? Es wird Zeit, dass auch in Deutschland das Thema offen und ohne Vorurteile behandelt wird. Wo bleiben die Geburtsvorbereitungskurse zu"geschnitten" auf Frauen, die sich einen Kaiserschnitt wünschen oder bei denen es aus medizinischen Gründen geplant wird?

Ich musste lange suchen und recherchieren bis ich auf geeignete Lektüre gestoßen bin, die mich sicher auf meinen Kaiserschnitt vorbereitet hat (empfehlenswert: Nancy Buraja: "Wunschkaiserschnitt: Für eine selbstbestimmte Entscheidung").

Komisch, dass sich kaum jemand darüber empört, wenn man beim Zahnarzt eine lokale Betäubung oder gar eine Vollnarkose wählt, bei jedem noch so kleinen Eingriff in die Beißerchen.

Doch bei dem Thema Geburt leiden viele Frauen freiwillig und es wird von ihnen erwartet, große Schmerzen möglichst gefasst auf sich zu nehmen, sonst werden sie in der Gesellschaft geächtet. Wieso?

Die Welt verändert sich, die Medizin verändert sich. Verbessert sich. Doch das wichtigste Argument für Wunschkaiserschnitt ist und bleibt: Selbstbestimmung.

Mein Körper, meine Entscheidung. Macht doch was ihr wollt!

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