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Zuerst Brexit, nun Trump: Das erneute Versagen der Buchmacher

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Jonathan Ernst / Reuters
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Haben die Buchmacher ihre politischen VorhersagekrÀfte verloren?

Die BĂŒrger der USA haben entschieden. Donald Trump wird der 45. PrĂ€sident der Vereinigten Staaten. WĂ€hrend der Unternehmer und Immobilien-Tycoon der große Sieger dieser Wahl ist, gibt es natĂŒrlich auch viele Verlierer.

Auf den ersten Blick ist vor allem die demokratische Kandidatin Hillary Clinton die große Verliererin. Aber auch Buchmacher und Meinungsforscher mussten mit dem Wahlergebnis eine große Schlappe hinnehmen. Beide haben bis zuletzt Clinton zur klaren Favoritin erklĂ€rt und sind am Ende krachend gescheitert. Wie konnte das passieren? Was bedeutet das vor allem fĂŒr die Zukunft der Buchmacher?

Es gab einmal eine Zeit, in der konnten die Buchmacher und Wettbörsen bei politischen Ereignissen wie Wahlen oder Abstimmungen genauere und bessere Vorhersagen liefern als die Umfrageergebnisse der Meinungsforschungsinstitute. Wenn die Buchmacher jemand zum klaren Favoriten erklĂ€rten, konnte man sich auch darauf verlassen, das derjenige am Ende das Rennen machen wĂŒrde. Doch diese Ära ging spĂ€testens im Jahr 2016 zu Ende.

Wetter, die auf politische MĂ€rkte setzen, riskieren ihr eigenes Geld

Ein Grund fĂŒr die guten politischen Prognosen der Buchmacher war, dass Menschen, die ihr Geld auf etwas setzten, genauere Antworten gaben, als wenn sie am Telefon oder auf der Straße ĂŒber etwas befragt werden. So hatten die Buchmacher politische Wahlen und Abstimmungen wie die zweite Amtszeit von Barack Obama, Boris Johnsons Sieg als BĂŒrgermeister von London oder das „Nein" im Schottischen UnabhĂ€ngigkeitsreferendum korrekt vorhergesagt.

Doch dann kam der Brexit. Auch hier hatten die Buchmacher die ganze Zeit einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU vorhergesagt. Sogar kurz vor Schluss der Abstimmung lagen die Quoten fĂŒr den Brexit bei vielen Buchmachern noch bei 4:1.

Doch die Mehrheit der Briten stimmte am Ende fĂŒr den Austritt aus der EuropĂ€ischen Union. Und nun der Sieg von Trump. Einen Tag vor der Wahl lagen die Quoten auf einen Sieg von Hillary Clinton zwischen 1.17 und 1.22. Trump bekam im Gegenzug Quoten zwischen 4.00 und 5.50.

Trump lag bei den Buchmachern schon aussichtslos zurĂŒck

Zuvor hatte sich der republikanische PrÀsidentschaftskandidat fast schon selbst in Aus manövriert. Erst war ein Video aufgetaucht, in dem Trump damit prahlte, wie er Frauen sexuell belÀstigt hatte. Dann stellte der Kandidat in der finalen Fernsehdebatte das amerikanische Wahlsystem in Frage und wollte die Abstimmung nur akzeptieren, wenn sie mit seinem Wahlsieg ende.

Nach diesen Ereignissen entschied sich der britische Buchmacher Paddy Power die Wetten auf einen Wahlsieg von Hillary Clinton vorzeitig auszubezahlen. Der Buchmacher zahlte 1,1 Mio. Dollar an Wetten aus, die auf die nÀchste PrÀsidentin Clinton eingegangen waren.

Etwa 6.000 britische und irische Wetter bekamen somit schon ihren Gewinn ausbezahlt. Die Chance, dass Clinton gewinnt lag damals bei dem Wettanbieter bei 85,7 Prozent. Die Chancen fĂŒr einen PrĂ€sidenten Trump waren auf 12,2 Prozent gefallen. Und doch kam am Ende alles anders.

Buchmacher gesteht, dass man krÀftig danebengelegen habe

Direkt nach dem Wahlsieg von Donald Trump hat Paddy Power in seinem Blog auch Stellung zu dem Wahlausgang bezogen. Der Buchmacher musste mehr als 4,5 Mio. Dollar an Wetter auszahlen, die auf Donald Trump gesetzt hatten.

Pressesprecher FĂ©ilim Mac An Iomaire kommentierte, dass es GeschĂ€ft des Wettanbieters sei, Vorhersagen zu machen. Nun habe man krĂ€ftig danebengelegen und mĂŒsse dafĂŒr den Kopf hinhalten. Beim Wettbewerber William Hill hat ein britischer Kunde 247.650 Dollar auf den US-PrĂ€sident Trump gesetzt und ist nun 619.000 Dollar reicher.

Wie konnten die Buchmacher wieder einmal so danebenliegen? Es lag nicht daran, dass der Markt wenig reprĂ€sentativ war. Sowohl der Brexit als auch die US-Wahl 2016 waren zu ihrer Zeit bei vielen Buchmachern der grĂ¶ĂŸte Nicht-Sport-Wettmarkt der Geschichte.

Eine große Wette kann alles verzerren

Ein Grundproblem liegt in dem Wesen der Buchmacher und ihrer Kunden. Die Wettanbieter bilden die MĂ€rkte nur nach den abgegebenen Wetten ab. Eine große Wette von einem reichen Clinton-Fan kann alles verzerren. Sicherlich gibt es auch Wetter, die mit großen EinsĂ€tzen das Ergebnis beeinflussen wollen.

Wie beim Brexit muss man auch damit rechnen, dass junge und wohlhabende Wetter, die eher dem Clinton-Lager zugerechnet werden mĂŒssen, traditionell Kunden von Buchmachern sind. Die Ă€lteren und Ă€rmeren BĂŒrger sind keine klassischen Wettkunden.

Das zweite große Problem liegt an der heutigen Zeit. Es gibt bei Wahlen und Abstimmungen eine große Gruppe von WĂ€hlern, die bis zum Schluss unschlĂŒssig ist. Zudem scheinen weder Buchmacher noch der Meinungsforscher die Mitglieder der weißen Arbeiterklasse auf dem Radar zu haben. Man erreicht bestimme Schichten der WĂ€hlerschaft nicht.

Viele haben ein Misstrauen gegenĂŒber der Politik, gegenĂŒber den Medien und auch gegenĂŒber der Demoskopie. Deswegen wegen wollen sie nicht an den Umfragen teilnehmen. Aus dieser Gruppe haben auch vermeintlich viele WĂ€hler Hemmungen gehabt, ihre wahren, aber unpopulĂ€ren sowie vermeintlich politisch unkorrekten Absichten einem Interviewer mitzuteilen und haben lieber falsche Antworten gegeben.

Auch unterschĂ€tzten die Forscher die Zahl der WĂ€hler, die 2012 nicht zur Wahl gegangen waren und nun durch den Kandidaten Trump den Weg zurĂŒck an die Urnen fanden.

Las Vegas Buchmacher prophezeit den „Trexit"


Einer der wenigen, der sich damit rĂŒhmt, dass er einen Brexit-Ă€hnlichen Wahlsieg fĂŒr Trump seit Tag 1 vorhergesagt habe, ist der amerikanische Politikexperte, Bestsellerautor und Las Vegas Buchmacher Wayne Allyn Root. Selbst als Clinton in den Umfragen und WettmĂ€rkten scheinbar uneinholbar vorne lag, hielt Root an einem Sieg von Trump fest. Er prophezeite in Anlehnung an den Brexit den „Trexit".

Was sagt uns das Versagen der Buchmacher fĂŒr die Zukunft der Politikwetten? Die Zeiten in denen die Buchmacher Wahlergebnisse korrekt und sogar besser als die Kollegen der Meinungsforschung vorhersagen konnten sind vorbei.

In den heutigen Zeiten kann man sich weder auf die Buchmacher noch auf die Umfragen verlassen. Es wird die Wettanbieter wenig trösten, dass die Wahlforscher in derselben Krise stecken. Mit Blick auf anstehenden Wahlen in Europa und vor allem auch in Deutschland darf man sich nicht mehr durch Meinungsforscher und Buchmacher tÀuschen lassen und hoffen, dass die populistischen Vertreter schon nicht viele Stimmen bekommen werden.

Es gibt keine Garantien fĂŒr das Ergebnis am Wahltag. Wer hier Parteien wie die AfD unterschĂ€tzt, kann eine böse Überraschung erleben.

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