BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Tim Tepass Headshot

Was Sportwettenanbieter mit dem Transferwahnsinn in der Bundesliga zu tun haben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

In den vergangenen Wochen ist es auch beim allerletzten Stammtisch Thema gewesen: Woher kommen auf einmal die absurden Preise für Spieler in der Bundesliga? Plötzlich kosten Fußballer gefühlt weit mehr als das Doppelte. Gleich drei deutsche Mega-Transfers gingen in den letzten Jahren für jeweils 20 Millionen Euro in der Bundesliga über die Bühne. Während Vollands Wechsel nach Leverkusen irgendwie noch nachvollziehbar war, weil der Angreifer bereits in der Nationalelf von Löw mitkicken durfte, sind die Wechsel von Philipp und Süle in dieser Sommerpause einfach nur noch Geldspektakel!

Freiburgs Philipp wechselte von einer kleinen, fast schon beschaulichen Studentenstadt im Breisgau zum finanziell gigantisch aufgestellten, börsennotierten Meisteranwärter Dortmund. Und das nach einer ersten halbwegs starken Saison, in der er nicht immer komplett überzeugen konnte. Und noch so einer: Hoffenheims Innenverteidiger-Koloss Süle wechselte zum deutschen Rekordmeister, findet sich dort aufgrund der gesetzten Nationalspielern Hummels, Boateng und auch Martínez wohl erst einmal auf der Bank wieder. 20 Millionen Euro Ausgaben, nur für die Bank - das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen!

2017-08-03-1501761510-716890-bvbsudtribuhne.jpg
Quelle: https://c1.staticflickr.com/9/8484/8247357713_6bbef4ddc5_b.jpg

Da stellt man sich automatisch die Frage: Was ist los auf dem deutschen Transfermarkt? Wieso zeigt auch in der Bundesliga, wo doch dort normalerweise eine fast schon gähnend langweilige Bodenständigkeit herrscht, der Trend in Sachen Transfergelder steil nach oben?

Sponsoren soweit das Auge reicht - das spült Geld in die Kassen

Der Startschuss der Sponsorings von Sportwettenanbieter entwickelte sich zu Beginn extrem zäh. 2006/07 prangte lediglich auf dem Trikot des SV Werder Bremen der Schriftzug von bwin, damals noch Betandwin. Im Laufe der Zeit rollte dann eine regelrechte Welle los. Das Sponsoring als zusätzliche Einnahmequelle für Vereine ist heute nicht mehr wegzudenken!

Der FC Bayern wird komplett von Tipico gesponsert, der Hauptstadtklub Hertha BSC ist mit dem Trikotsponsor bet-at-home zu sehen, der übrigens auch den FC Schalke 04 unterstützt. Und für die kommenden zwei Spielzeiten stellte unlängst Borussia Mönchengladbach mybet als neuen Co-Sponsor vor. Da kann man sich dann auch ausmalen, wie die Fohlen beispielsweise den Transfer von Ginter in Höhe von 17 Millionen € packen konnten.

2017-08-03-1501761772-6008274-Olympiastadion_Berlin_Sep2015.jpg
Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/81/Olympiastadion_Berlin_Sep-2015.jpg

Und das Sponsoring ist nicht nur bei den Vereinen ein großes Thema. Auch der DFB profitiert von den finanziellen Mitteln der Wettanbieter, steht in ersten Gesprächen mit Tipico als Premium-Partner. Damit nicht genug, reicht schon ein Blick auf die Live-Übertragungen zum Wochenende der höchsten Spielklassen, um sich ein Bild über die engagierten Kooperationen zu machen.

Allein vor Bundesligaspielen werben mehr als eine Handvoll Sportwettenanbieter um die Gunst der potenziellen neuen Tipper. Und das sowohl im Stadion, als auch in den TV-Spots vor den Übertragungen. Stellenweise werden gleich die kompletten TV-Formate und -Sendungen von Buchmachern präsentiert.

Das längst schon flächendeckend aufgebaute Sponsoring lässt die Geldbeutel aller Vereine anschwellen und schiebt damit auch die Transfersummen an. So kommt es dazu, dass Talente, die noch grün hinter den Ohren sind, bereits zu vergleichsweise astronomischen Summen weiterverkauft werden.

Von Scheichs und kleinen Webseiten: Die Sponsoren dringen in die unterklassigen Ligen vor

Was in der Oberklasse klappt, muss auch in den unteren Regionen funktionieren. Und das zeigt sich exemplarisch ausgezeichnet an den Teams von Alemannia Aachen und Wattenscheid 09.

Aachen hat zuletzt à la "Und täglich grüßt das Murmeltier" wieder einmal Insolvenz angemeldet. Wattenscheid kämpfte nur so lange weit oben mit, wie ein Mäzen Geld locker gemacht hat. Als der Hahn zugedreht wurde, begann der freie Fall. Heute stehen sich beide Teams in der Regionalliga West gegenüber.

Anstelle von reichen Scheichs, die sich heutzutage weltweit um den Geldfluss kümmern, agieren hier selbst kleinere Wettportale wie wett24.com als Sponsoren. Davon profitieren Vereine wie Kooperationspartner, da sich die Erreichbarkeit von Zielgruppen miteinander verbinden lassen. Während die Vereine meist in puncto Webauftritt einige Luft nach oben haben, tun sich Webportale mitunter schwer, in der "realen" Welt wahrgenommen zu werden.

Sponsoring durch Sportwettenanbieter als treibende Motoren der Wirtschaft - ohne Dieselgate

Nun kann man von den Buchmachern, die Geld in Vereine pumpen, halten, was man will. Am Ende ist es aber der Qualität und dem Spektakel der Liga zuträglich. Wenngleich auch die Preise unfassbare Höhen annehmen - es ist an den transferierten Spielern, diese Summen mit ihrer Leistung zu bestätigen! Und ganz ehrlich: Sätze wie "Die Ablösesumme belastet mich nicht", wie von Philipp, will keiner hören. Natürlich sollen solche Beträge auch Druck aufbauen, denn nur so kann die Qualität der Vereine weiter gepusht werden!

Als weiterer Vorteil speziell für die Wettanbieter ist zu nennen, dass jeder Verein auf die Sponsoringgelder angewiesen ist, wenn er wettbewerbsfähig bleiben will. Und durch einen Verkauf eines jungen Talents zu vergleichsweise hohen Summen, ist auch mehr Geld da, eigene großartige Transfers einzuleiten.

Zudem: Das, was in den europäischen Topligen gezahlt wird, muss sich im Laufe der Zeit auch in der Bundesliga etablieren. Sonst stinken die deutschen Topvereine im Vergleich zu sehr ab und müssen alsbald die internationalen Auftritte in Königsklasse Champions und Holzklasse Europa League fürchten!

Am Ende ist das Sponsoring kein Teufel, sondern ein willkommener Geldsegen vor allem für kleine Vereine. Mit den Transfers können sich die kleinen Teams sanieren und neue Strukturen etablieren. Und die großen Vereine dürfen wetteifern, wer die größten Stars im Team hat und diese vielleicht sogar noch größer und damit wertvoller machen kann!

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.