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Vergleichsportale - Der schmale Grat zwischen Nutzen und Schaden

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INTERNET SHOPPING
Man using credit card and smartphone for online shopping +++ Note for the inspector: credit card is fake +++ | martin-dm via Getty Images
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Wo ist wirklich noch Potential und wo zahlt man als Verbraucher vielleicht sogar noch drauf?

Mit der Digitalisierung und der stetig steigenden Internetnutzung hat sich das Nutzerverhalten grundlegend gewandelt. Vor allem aber hat sich verĂ€ndert, wie wir VertrĂ€ge abschließen, Urlaube buchen und uns ansonsten ĂŒber die bestmögliche Alternative informieren. War frĂŒher noch der (meist stationĂ€re) Berater unseres Vertrauens Nummer eins und wurde stets zu Rate gezogen, wenn man zum Beispiel eine neue Versicherung brauchte, reicht heute schon ein kurzer Suchbegriff im Internet. Schnell und ĂŒbersichtlich klickt es sich durch die Angebote bekannter Anbieter, wobei zwar der persönliche Touch und die ‚richtige' Beratung hilft, doch kann in der Regel sehr viel Geld und Zeit eingespart werden. WĂ€hrend die meisten sich auf wohl bekannte Bereiche beschrĂ€nken, sind die Vergleichsmöglichkeiten weitaus grĂ¶ĂŸer und helfen uns vor allem in alltĂ€glichen Situationen, Bares zu sparen.

So funktionieren digitale Berater

Die AnsĂ€tze der Internet-Dienstleister gleichen im Grunde denen der stationĂ€ren Berater. Beide nehmen Provisionen, können jedoch mit ihren Partnern Rabatte aushandeln, die sie (zumindest theoretisch) direkt an ihre Kunden weiterleiten können. DafĂŒr bieten sie den oftmals noch sehr manuellen Unternehmen eine digitale Plattform und weitreichende PrĂ€senz im Internet - ohne einen monetĂ€ren Aufwand. Doch dafĂŒr sinkt auch der Gewinn am Kunden, welcher mit einer weiteren Hand geteilt werden muss. Nur so funktionieren die Modelle. Und die Branche boomt - wir geben mehr Geld aus denn je. Check24 konnte 2016 seinen Umsatz beispielsweise auf 330 Millionen Euro steigern.

Die Verantwortung liegt auf Seiten der Vergleichsanbieter

Fast drei Viertel der Deutschen informieren sich laut Angaben der Verbraucherzentrale heute bereits auf online Portalen. Diese sind in der Regel anonym - leiten die Nutzer im weiteren Verlauf meist direkt auf andere Anbieter weite - haben jedoch eine enorme Macht und steigenden Einfluss auf die Kaufentscheidung der Konsumenten. Doch nach welchen Kriterien bewerten diese Portale die platzierten Anbieter auf der eigenen Plattform? Von großer UnabhĂ€ngigkeit kann hier kaum die Rede sein, berĂŒcksichtigt man, dass sich die online Plattformen genau wie ihre analogen Vorreiter ĂŒber Provisionen finanzieren.

Die Euphorie ist groß, doch stehen Verbraucherportale immer wieder in der Kritik, keine völlige Markttransparenz zu bieten. Ein aktuelles Beispiel ist die Diskussion um die KryptowĂ€hrung OneCoin, ein staatlich nicht kontrollierbares Schneeballsystem, welches schon vielen Nutzern Geld gekostet hat. Schon lange warnen Experten vor dem Kauf dieser InternetwĂ€hrung, doch wurde sie noch lange Zeit auf Vergleichsportalen zum Kauf angeboten und dort als seriös bewertet. Dies könnte fĂŒr mangelnde Kontrolle durch die Vergleichsplattformen sprechen. natĂŒrlich können hier nicht alle gleichermaßen ĂŒber einen Kamm geschoren werden, jedoch sollte immer genau hingeschaut werden.

Vergleichsportale bieten nicht immer den gĂŒnstigsten Preis

Klar ist: Vergleich lĂ€sst sich im Internet mittlerweile eigentlich alles vergleichen. Von VertrĂ€gen, zu Geldanlagen, Restaurants oder allerhand Gadgets. Doch werden hier oft Äpfel mit Birnen verglichen. Wer zwei verschiedene Smartphones im Preis gegenĂŒberstellt, der hat noch immer die Wahl zwischen zwei total unterschiedlichen GerĂ€ten. Bei vielen Vergleichen ist somit die Ausgangslage durch zum Teil stark abweichende Parameter bestimmt, welche die Preise beeinflussen. Sinnvoller wĂ€re es beispielsweise, zwei identische Serviceoptionen zu vergleichen, so gesehen bei Versandportalen.

checkrobin zum Beispiel bietet eine Plattform zum Finden des gĂŒnstigsten und lokal am nahegelegensten Versanddienstleisters. Traditionell gehen die meisten in eine Postfiliale, um dort Pakete an die Lieben in der ganzen Welt zu verschicken. Dass es hier oft sehr gĂŒnstige und mitunter schnellere Alternativen gibt, wird oft gar nicht erst in Betracht gezogen. Warum das so ist? Wahrscheinlich Gewohnheit gepaart mit der Angst vor etwas Neuem. Doch sind es genau diese Alltagssituationen, die uns letztlich viel Geld kosten.

Vergleichsportale ersetzen etablierte Industrien

Ganz oben auf der Liste der Internetrecherche stehen wohl Urlaubsreisen. Am beliebtesten sind dafĂŒr Plattformen, die FlĂŒge und Hotels vergleichen, wie zum Beispiel Trivago oder Expedia. Wir Deutschen geben im Jahr durchschnittlich 30 Milliarden Euro fĂŒr Urlaube aus - nur noch wenig passiert davon wirklich ĂŒber ein normales ReisebĂŒro, sind doch die Angebote im Internet zahlreich. Nutzer fĂŒhlen sich hier als SchnĂ€ppchenjĂ€ger und sind auf der Suche nach hohen Rabatten, manchmal ohne vorher zu wissen, was sie ĂŒberhaupt suchen. Rund 44 Millionen Deutsche suchen jĂ€hrlich ihre Reiseoptionen Online zusammen. Wer auf den klassischen All-Inclusive-Pauschalurlaub verzichtet, kann bei individuell zusammengestellten Reisen sehr viel gĂŒnstiger davon kommen. Flug-Suchmaschinen finden flexible GabelflĂŒge und so lassen sich die Angebote verschiedener Fluggesellschaften oftmals zu einem viel besseren Paket zusammenschnĂŒren. Auch Google selbst steht heute in großer Konkurrenz zu den klassischen Portalen, vergleicht die Preise verschiedenster Fluglinien und leitet dann direkt zu diesen weiter.

Bei Hotels gleichen sich die Angebote vieler Anbieter sehr. Doch Achtung: Hier lohnt sich meist ein Anruf vor Ort nach dem Online-Vergleich. Da die Hotels hohe Provisionen an die Portale bezahlen mĂŒssen, lĂ€sst sich im persönlichen GesprĂ€ch oft noch ein Upgrade oder ein gĂŒnstiger Übernachtungspreis rausschlagen.

Ganz offensichtlich ist: Wir vergleichen indes fast alles im Internet. Doch ist dabei auch nicht zu leugnen, dass in Zeiten der scheinbar völligen Transparenz durch Verbraucherportale die Interessen von Einzelnen entscheidend sind und es mit der UnabhĂ€ngigkeit oft nicht so weit hergeholt ist. Man sollte also ganz genau hinschauen. Arbeitet das Portal mit seriösen Partnern, transparenten Finanzmodellen und einem ĂŒberzeugendem Kundendienst, dann kann der Konsument hier wohl ohne Bedenken vergleichen.