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Vergleichsportale - Der schmale Grat zwischen Nutzen und Schaden

13/05/2017 11:16 CEST | Aktualisiert 13/05/2017 14:11 CEST
martin-dm via Getty Images

Wo ist wirklich noch Potential und wo zahlt man als Verbraucher vielleicht sogar noch drauf?

Mit der Digitalisierung und der stetig steigenden Internetnutzung hat sich das Nutzerverhalten grundlegend gewandelt. Vor allem aber hat sich verändert, wie wir Verträge abschließen, Urlaube buchen und uns ansonsten über die bestmögliche Alternative informieren. War früher noch der (meist stationäre) Berater unseres Vertrauens Nummer eins und wurde stets zu Rate gezogen, wenn man zum Beispiel eine neue Versicherung brauchte, reicht heute schon ein kurzer Suchbegriff im Internet. Schnell und übersichtlich klickt es sich durch die Angebote bekannter Anbieter, wobei zwar der persönliche Touch und die ‚richtige' Beratung hilft, doch kann in der Regel sehr viel Geld und Zeit eingespart werden. Während die meisten sich auf wohl bekannte Bereiche beschränken, sind die Vergleichsmöglichkeiten weitaus größer und helfen uns vor allem in alltäglichen Situationen, Bares zu sparen.

So funktionieren digitale Berater

Die Ansätze der Internet-Dienstleister gleichen im Grunde denen der stationären Berater. Beide nehmen Provisionen, können jedoch mit ihren Partnern Rabatte aushandeln, die sie (zumindest theoretisch) direkt an ihre Kunden weiterleiten können. Dafür bieten sie den oftmals noch sehr manuellen Unternehmen eine digitale Plattform und weitreichende Präsenz im Internet - ohne einen monetären Aufwand. Doch dafür sinkt auch der Gewinn am Kunden, welcher mit einer weiteren Hand geteilt werden muss. Nur so funktionieren die Modelle. Und die Branche boomt - wir geben mehr Geld aus denn je. Check24 konnte 2016 seinen Umsatz beispielsweise auf 330 Millionen Euro steigern.

Die Verantwortung liegt auf Seiten der Vergleichsanbieter

Fast drei Viertel der Deutschen informieren sich laut Angaben der Verbraucherzentrale heute bereits auf online Portalen. Diese sind in der Regel anonym - leiten die Nutzer im weiteren Verlauf meist direkt auf andere Anbieter weite - haben jedoch eine enorme Macht und steigenden Einfluss auf die Kaufentscheidung der Konsumenten. Doch nach welchen Kriterien bewerten diese Portale die platzierten Anbieter auf der eigenen Plattform? Von großer Unabhängigkeit kann hier kaum die Rede sein, berücksichtigt man, dass sich die online Plattformen genau wie ihre analogen Vorreiter über Provisionen finanzieren.

Die Euphorie ist groß, doch stehen Verbraucherportale immer wieder in der Kritik, keine völlige Markttransparenz zu bieten. Ein aktuelles Beispiel ist die Diskussion um die Kryptowährung OneCoin, ein staatlich nicht kontrollierbares Schneeballsystem, welches schon vielen Nutzern Geld gekostet hat. Schon lange warnen Experten vor dem Kauf dieser Internetwährung, doch wurde sie noch lange Zeit auf Vergleichsportalen zum Kauf angeboten und dort als seriös bewertet. Dies könnte für mangelnde Kontrolle durch die Vergleichsplattformen sprechen. natürlich können hier nicht alle gleichermaßen über einen Kamm geschoren werden, jedoch sollte immer genau hingeschaut werden.

Vergleichsportale bieten nicht immer den günstigsten Preis

Klar ist: Vergleich lässt sich im Internet mittlerweile eigentlich alles vergleichen. Von Verträgen, zu Geldanlagen, Restaurants oder allerhand Gadgets. Doch werden hier oft Äpfel mit Birnen verglichen. Wer zwei verschiedene Smartphones im Preis gegenüberstellt, der hat noch immer die Wahl zwischen zwei total unterschiedlichen Geräten. Bei vielen Vergleichen ist somit die Ausgangslage durch zum Teil stark abweichende Parameter bestimmt, welche die Preise beeinflussen. Sinnvoller wäre es beispielsweise, zwei identische Serviceoptionen zu vergleichen, so gesehen bei Versandportalen.

checkrobin zum Beispiel bietet eine Plattform zum Finden des günstigsten und lokal am nahegelegensten Versanddienstleisters. Traditionell gehen die meisten in eine Postfiliale, um dort Pakete an die Lieben in der ganzen Welt zu verschicken. Dass es hier oft sehr günstige und mitunter schnellere Alternativen gibt, wird oft gar nicht erst in Betracht gezogen. Warum das so ist? Wahrscheinlich Gewohnheit gepaart mit der Angst vor etwas Neuem. Doch sind es genau diese Alltagssituationen, die uns letztlich viel Geld kosten.

Vergleichsportale ersetzen etablierte Industrien

Ganz oben auf der Liste der Internetrecherche stehen wohl Urlaubsreisen. Am beliebtesten sind dafür Plattformen, die Flüge und Hotels vergleichen, wie zum Beispiel Trivago oder Expedia. Wir Deutschen geben im Jahr durchschnittlich 30 Milliarden Euro für Urlaube aus - nur noch wenig passiert davon wirklich über ein normales Reisebüro, sind doch die Angebote im Internet zahlreich. Nutzer fühlen sich hier als Schnäppchenjäger und sind auf der Suche nach hohen Rabatten, manchmal ohne vorher zu wissen, was sie überhaupt suchen. Rund 44 Millionen Deutsche suchen jährlich ihre Reiseoptionen Online zusammen. Wer auf den klassischen All-Inclusive-Pauschalurlaub verzichtet, kann bei individuell zusammengestellten Reisen sehr viel günstiger davon kommen. Flug-Suchmaschinen finden flexible Gabelflüge und so lassen sich die Angebote verschiedener Fluggesellschaften oftmals zu einem viel besseren Paket zusammenschnüren. Auch Google selbst steht heute in großer Konkurrenz zu den klassischen Portalen, vergleicht die Preise verschiedenster Fluglinien und leitet dann direkt zu diesen weiter.

Bei Hotels gleichen sich die Angebote vieler Anbieter sehr. Doch Achtung: Hier lohnt sich meist ein Anruf vor Ort nach dem Online-Vergleich. Da die Hotels hohe Provisionen an die Portale bezahlen müssen, lässt sich im persönlichen Gespräch oft noch ein Upgrade oder ein günstiger Übernachtungspreis rausschlagen.

Ganz offensichtlich ist: Wir vergleichen indes fast alles im Internet. Doch ist dabei auch nicht zu leugnen, dass in Zeiten der scheinbar völligen Transparenz durch Verbraucherportale die Interessen von Einzelnen entscheidend sind und es mit der Unabhängigkeit oft nicht so weit hergeholt ist. Man sollte also ganz genau hinschauen. Arbeitet das Portal mit seriösen Partnern, transparenten Finanzmodellen und einem überzeugendem Kundendienst, dann kann der Konsument hier wohl ohne Bedenken vergleichen.

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