BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Tim Tepass Headshot

Vergleichsportale - Der schmale Grat zwischen Nutzen und Schaden

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
INTERNET SHOPPING
Man using credit card and smartphone for online shopping +++ Note for the inspector: credit card is fake +++ | martin-dm via Getty Images
Drucken

Wo ist wirklich noch Potential und wo zahlt man als Verbraucher vielleicht sogar noch drauf?

Mit der Digitalisierung und der stetig steigenden Internetnutzung hat sich das Nutzerverhalten grundlegend gewandelt. Vor allem aber hat sich ver├Ąndert, wie wir Vertr├Ąge abschlie├čen, Urlaube buchen und uns ansonsten ├╝ber die bestm├Âgliche Alternative informieren. War fr├╝her noch der (meist station├Ąre) Berater unseres Vertrauens Nummer eins und wurde stets zu Rate gezogen, wenn man zum Beispiel eine neue Versicherung brauchte, reicht heute schon ein kurzer Suchbegriff im Internet. Schnell und ├╝bersichtlich klickt es sich durch die Angebote bekannter Anbieter, wobei zwar der pers├Ânliche Touch und die ÔÇÜrichtige' Beratung hilft, doch kann in der Regel sehr viel Geld und Zeit eingespart werden. W├Ąhrend die meisten sich auf wohl bekannte Bereiche beschr├Ąnken, sind die Vergleichsm├Âglichkeiten weitaus gr├Â├čer und helfen uns vor allem in allt├Ąglichen Situationen, Bares zu sparen.

So funktionieren digitale Berater

Die Ans├Ątze der Internet-Dienstleister gleichen im Grunde denen der station├Ąren Berater. Beide nehmen Provisionen, k├Ânnen jedoch mit ihren Partnern Rabatte aushandeln, die sie (zumindest theoretisch) direkt an ihre Kunden weiterleiten k├Ânnen. Daf├╝r bieten sie den oftmals noch sehr manuellen Unternehmen eine digitale Plattform und weitreichende Pr├Ąsenz im Internet - ohne einen monet├Ąren Aufwand. Doch daf├╝r sinkt auch der Gewinn am Kunden, welcher mit einer weiteren Hand geteilt werden muss. Nur so funktionieren die Modelle. Und die Branche boomt - wir geben mehr Geld aus denn je. Check24 konnte 2016 seinen Umsatz beispielsweise auf 330 Millionen Euro steigern.

Die Verantwortung liegt auf Seiten der Vergleichsanbieter

Fast drei Viertel der Deutschen informieren sich laut Angaben der Verbraucherzentrale heute bereits auf online Portalen. Diese sind in der Regel anonym - leiten die Nutzer im weiteren Verlauf meist direkt auf andere Anbieter weite - haben jedoch eine enorme Macht und steigenden Einfluss auf die Kaufentscheidung der Konsumenten. Doch nach welchen Kriterien bewerten diese Portale die platzierten Anbieter auf der eigenen Plattform? Von gro├čer Unabh├Ąngigkeit kann hier kaum die Rede sein, ber├╝cksichtigt man, dass sich die online Plattformen genau wie ihre analogen Vorreiter ├╝ber Provisionen finanzieren.

Die Euphorie ist gro├č, doch stehen Verbraucherportale immer wieder in der Kritik, keine v├Âllige Markttransparenz zu bieten. Ein aktuelles Beispiel ist die Diskussion um die Kryptow├Ąhrung OneCoin, ein staatlich nicht kontrollierbares Schneeballsystem, welches schon vielen Nutzern Geld gekostet hat. Schon lange warnen Experten vor dem Kauf dieser Internetw├Ąhrung, doch wurde sie noch lange Zeit auf Vergleichsportalen zum Kauf angeboten und dort als seri├Âs bewertet. Dies k├Ânnte f├╝r mangelnde Kontrolle durch die Vergleichsplattformen sprechen. nat├╝rlich k├Ânnen hier nicht alle gleicherma├čen ├╝ber einen Kamm geschoren werden, jedoch sollte immer genau hingeschaut werden.

Vergleichsportale bieten nicht immer den g├╝nstigsten Preis

Klar ist: Vergleich l├Ąsst sich im Internet mittlerweile eigentlich alles vergleichen. Von Vertr├Ągen, zu Geldanlagen, Restaurants oder allerhand Gadgets. Doch werden hier oft ├äpfel mit Birnen verglichen. Wer zwei verschiedene Smartphones im Preis gegen├╝berstellt, der hat noch immer die Wahl zwischen zwei total unterschiedlichen Ger├Ąten. Bei vielen Vergleichen ist somit die Ausgangslage durch zum Teil stark abweichende Parameter bestimmt, welche die Preise beeinflussen. Sinnvoller w├Ąre es beispielsweise, zwei identische Serviceoptionen zu vergleichen, so gesehen bei Versandportalen.

checkrobin zum Beispiel bietet eine Plattform zum Finden des g├╝nstigsten und lokal am nahegelegensten Versanddienstleisters. Traditionell gehen die meisten in eine Postfiliale, um dort Pakete an die Lieben in der ganzen Welt zu verschicken. Dass es hier oft sehr g├╝nstige und mitunter schnellere Alternativen gibt, wird oft gar nicht erst in Betracht gezogen. Warum das so ist? Wahrscheinlich Gewohnheit gepaart mit der Angst vor etwas Neuem. Doch sind es genau diese Alltagssituationen, die uns letztlich viel Geld kosten.

Vergleichsportale ersetzen etablierte Industrien

Ganz oben auf der Liste der Internetrecherche stehen wohl Urlaubsreisen. Am beliebtesten sind daf├╝r Plattformen, die Fl├╝ge und Hotels vergleichen, wie zum Beispiel Trivago oder Expedia. Wir Deutschen geben im Jahr durchschnittlich 30 Milliarden Euro f├╝r Urlaube aus - nur noch wenig passiert davon wirklich ├╝ber ein normales Reiseb├╝ro, sind doch die Angebote im Internet zahlreich. Nutzer f├╝hlen sich hier als Schn├Ąppchenj├Ąger und sind auf der Suche nach hohen Rabatten, manchmal ohne vorher zu wissen, was sie ├╝berhaupt suchen. Rund 44 Millionen Deutsche suchen j├Ąhrlich ihre Reiseoptionen Online zusammen. Wer auf den klassischen All-Inclusive-Pauschalurlaub verzichtet, kann bei individuell zusammengestellten Reisen sehr viel g├╝nstiger davon kommen. Flug-Suchmaschinen finden flexible Gabelfl├╝ge und so lassen sich die Angebote verschiedener Fluggesellschaften oftmals zu einem viel besseren Paket zusammenschn├╝ren. Auch Google selbst steht heute in gro├čer Konkurrenz zu den klassischen Portalen, vergleicht die Preise verschiedenster Fluglinien und leitet dann direkt zu diesen weiter.

Bei Hotels gleichen sich die Angebote vieler Anbieter sehr. Doch Achtung: Hier lohnt sich meist ein Anruf vor Ort nach dem Online-Vergleich. Da die Hotels hohe Provisionen an die Portale bezahlen m├╝ssen, l├Ąsst sich im pers├Ânlichen Gespr├Ąch oft noch ein Upgrade oder ein g├╝nstiger ├ťbernachtungspreis rausschlagen.

Ganz offensichtlich ist: Wir vergleichen indes fast alles im Internet. Doch ist dabei auch nicht zu leugnen, dass in Zeiten der scheinbar v├Âlligen Transparenz durch Verbraucherportale die Interessen von Einzelnen entscheidend sind und es mit der Unabh├Ąngigkeit oft nicht so weit hergeholt ist. Man sollte also ganz genau hinschauen. Arbeitet das Portal mit seri├Âsen Partnern, transparenten Finanzmodellen und einem ├╝berzeugendem Kundendienst, dann kann der Konsument hier wohl ohne Bedenken vergleichen.