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OneCoins: Finger weg von der neuen "Kryptowährung"!

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BITCOINS
Brendan McDermid / Reuters
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Im Jahr 2009 begann mit den Bitcoins das Zeitalter und der Siegeszug der Kryptowährungen. Eine Kryptowährung ist ein elektronisches Zahlungsmittel, die im Gegensatz zum Bargeld, welches in Notenbanken gedruckt wird, digital im Internet erschaffen wird.

Der Erfolg der Bitcoins rief über die Jahre zahlreiche Anbieter und Nachahmer auf den Plan, die auch auf der Welle mitschwimmen wollten. So gibt es seit September 2014 auch die OneCoins.

Doch mehrere Medien wie die Zeitschrift „Finanztest" warnen inzwischen zurecht vor der neuen Kryptowährung.

Auch wenn die Meinungen über die Bitcoins weit auseinandergehen, lässt sich der Siegeszug dieser digitalen Währung nicht bestreiten. Die Verwaltung und die Transaktionen von Bitcoins finden alle in einem dezentralisierten Netzwerk aus mehreren Teilnehmern statt.

Als zentrale Abwicklungsstelle dient ein Bitcoin-Client. Der Besitz kann durch kryptographische Schlüssel nachgewiesen werden. Transaktionen werden mit einem elektronischen Fingerabdruck, bzw. einer digitalen Signatur versehen und in einer öffentlichen, vom gesamten Netzwerk betriebenen Datenbank aufgezeichnet.

Der Kurs entsteht durch Angebot und Nachfrage. Die einzelnen Coins werden dezentral von jedem, der Rechenleistung zur Verfügung stellt, generiert. Im Fachjargon heißt das Schürfen.

Inzwischen gibt es sogar spezielle Börsen an denen Bitcoins gegen andere Währungen wie Euro oder Dollar getauscht werden können. Fans der Währung schätzen vor allem die Diskretion und Anonymität, da Zahlungen nicht zurückverfolgt werden können. Gerade diese Eigenschaft machte die Bitcoins recht schnell zu einer sehr beliebten Währung in der Online Glücksspiel-Branche.

Kryptowährungen wie Bitcoins sind immer in Gefahr gehackt zu werden

Auf der anderen Seite geraten die Bitcoins immer wieder in Verruf, Geldwäsche zu erleichtern. Kritiker merken zurecht an, dass die Währung vollkommen losgelöst ist von sämtlichen geopolitischen Grenzen, Gesetzen und Auflagen.

Allein die Nutzer der Bitcoins haben in ihrer Gesamtheit die Kontrolle. Die Transaktionen können von keiner staatlichen Institution auf der Welt kontrolliert werden. Zudem schwebt immer die Gefahr über der Währung, dass die Netzwerke gehackt werden könnten.

Die OneCoins unterscheiden sich aber stark von den Bitcoins. Das System der OneCoins wird von einer zentralen Stelle kontrolliert. Gehandelt werden kann nur auf der netzwerkinternen Plattform. Die Währung soll bewusst nicht für jedermann geöffnet werden, da sie noch so neu sei.

Somit kann aber die Unternehmensführung entscheiden, ob und wie OneCoins geschürft, ge- und verkauft werden können. Die Tatsache, dass es also keinen freien Markt für die OneCoins gibt, hat zur Folge, dass die Währung nicht als Zahlungsmittel akzeptiert werden muss. Auch kündigte das Unternehmen hinter den OneCoins an, die maximal mögliche Menge von 2,1 Milliarden auf 120 Milliarden Stück auszudehnen.

Mehrstufiges Vergütungssystem soll OneCoins unter die Leute bringen

Hinter der neuen Kryptowährung steckt Firmengründerin Ruja Ignatova aus Bulgarien. Ignatova hat gleich drei Marken ins Leben gerufen: OneCoin, OneLife Network und OneAcademy. Der Oberhammer aber steckt im mehrstufigen Vergütungssystem. Damit sollen die Münzen unter die Leute gebracht werden. Doch dies kann laut dem Prinzip nur gelingen, wenn die Kunden und Nutzer Schulungspakete kaufen.

Wer einmal Teil des Systems sei, könne dann auch durch Empfehlungen und Verkäufe von Ausbildungspaketen an Nicht-Mitgliedern Geld verdienen. Schulungspakete gibt es ab 100 Euro plus 30 Euro Gebühr. Die Kosten für Ausbildungspakete gehen bis zu 27.500 Euro und enthalten sogenannte Tokens, im Prinzip Schürfrechte, aus denen dann Coins generiert werden sollen.

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Zudem sind diejenigen Personen mit Provisionen am Umsatz beteiligt, auf deren Empfehlung der Umsatz entstanden ist. Die fälligen Provisionen gehen dabei zu 60 Prozent in ein Cash-Konto und zu 40 Prozent in ein Trading-Konto. Das im Cash-Konto zur Verfügung stehende Geld soll man sich auf sein Giro-Konto überweisen lassen können und für das Geld im Trading-Account müssen neue OneCoins gekauft werden.

Typische Eigenschaften einer Kryptowährung fehlen bei den OneCoins

Auch wenn OneCoin gegen Finanztest zu bekräftigen versuchte, dass das Geschäftsmodell rechtlich einwandfrei und nicht als Schneeballsystem zu qualifizieren sei, lassen das mehrstufige Vergütungssystem und der Verkauf der Schulungspakete ein anderes Bild erscheinen.

Schaut man sich diese Schulungsprogramme einmal genauer an, erkennt man schnell, dass diese in gleicher oder besserer Qualität im Internet frei verfügbar sind. Auch einige typische Eigenschaften einer Kryptowährung fehlen bei den OneCoins: Kein einsehbarer Quellcode wie die Währung entstehet, keine Software für den eigenen PC und kein Mining auf dem eigenen Rechner.

Kunden bekommen seit Monaten kein Geld vom OneCoins Konto ausbezahlt

Vermehrt berichten in jüngster Zeit OneCoins Kunden, die versuchen sich ihr Guthaben auszahlen zu lassen, dass sie nichts mehr bekommen. Sie werden mit Ausreden vertröstet wie, dass OneCoin aktuell die Bank wechseln würde.

OneCoin hat also mit Kryptowährungen nichts zu tun. Die Betreiber können die Währung von heute auf morgen einfach abschalten. Die OneCoins wurden als hochspekulative Investments eingestuft und in die Finanztest Warnliste aufgenommen.

Auch die belgische Finanzaufsicht warnt vor einem Investment in die digitale Währung. Zudem untersucht auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) inzwischen die OneCoins.

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